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Yanny? Laurel? The Dress zum Anhören

Trump, Nordkorea, der Nahe Osten und der Rücktritt von Sandro Wagner aus der Nationalelf: Alles ganz nette Themen. Aber eigentlich will das Internet nur eines wissen: Verdammt, heißt es Yanny oder heißt es Laurel? Alles zum neuen Internet-Phänomen.

(Bild: 123rf.de)
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Das Internet will im Moment nur eines wissen: Heißt es Yanny oder heißt es Laurel? Seit dem legendären Kleid von 2015, seit "THE DRESS", hat keine Debatte das Netz mehr aufgewühlt, erschüttert und in zwei Lager gespalten als das Ohrenrätsel um "Yanny" und "Laurel", mit dem die Modebloggerin Cloe Feldman mittlerweile allein bei Twitter auf mehr als 20 Millionen Views kommt.

Zahlreiche US-Medien haben sich bereits auf das Thema gestürzt, Radio- und TV-Sender bespielen Hörer und Zuschauer damit quasi in Dauerschleife. "Die Debatte, die die Welt erschüttert hat", schreibt das Videoportal NowThis. Promis und Normalos, alle rätseln. Und das Verständnis der "Yanny"-Hörer für die "Laurel"-Versteher sinkt stündlich (andersrum auch). Das Internet hat ein neues Phänomen: Yanny Yanny, how you thrill me! Laurel, Laurel, can you hear me!

The Dress im Audioformat

Kurze Rückblende: 2015 hat "THE DRESS" das Netz verrückt gemacht. Das Kleid, das da millionenfach zu sehen war – war es blau-schwarz oder weiß-gold? Im Endeffekt war es beides, und Heerscharen von Wissenschaftlern haben damals erklärt, wie uns Auge und Gehirn Streiche spielen. Nun ist das Kleid quasi zurück – aber zum Anhören.

6 The Dress
(Bild: The Dress)

Wie das Phänomen um Yanny und Laurel entstand

Vorgelesen wurden die beiden Namen erstmals auf der Lern-Website vocabulary.com. Über einen Schüler aus Georgia, der den Namen "Yanny" und das Wort "Laurel" (Lorbeeren) seinen Freunden vorspielte, landete das Rätsel bei Cloe Feldman, die das Video twitterte:

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Und dann ging’s los. "What do you hear?! Yanny or Laurel", schrieb @CloeCouture. Und seitdem hört jeder etwas anderes. Ungefähr die Hälfte der Welt versteht ganz klar "Yanny". Und ungefähr die andere Hälfte kann nicht begreifen, dass irgendjemand NICHT "Laurel" hört. Wobei "Yanny" offenbar leicht vorne zu liegen scheint – so zumindest der Eindruck des Autors dieser Geschichte, der ganz klar zum #TeamYanny gehört.

Auch die Promis zerbrechen sich den Kopf bzw. die Ohren. Model Chrissy Teigen gehört zu #TeamLaurel und fühlt sich diskriminiert: "Sie sagen, jüngere und schönere Menschen hören Yanny!!!!!" Gruselautor Stephen King hörte zunächst "Yanny", wechselte nach vier Stunden Denkpause aber via Twitter die Seiten: "Oh verdammt! Jetzt höre ich Laurel." Auch Schauspielerin Emmy Rossum ist verwirrt: "Ich höre so deutlich Yanny… Aber wenn ich ganz nah hingehe, höre ich einen tiefen, leisen Geist, der Laurel sagt. Hört noch jemand beide?" Kollegin Lena Dunham jedenfalls nicht. Sie war von Anfang an #TeamYanny, und ist überzeugt: "Wenn du Laurel hörst, bringst du Leute nur so zum Spaß um."

Im Büro von US-Talkerin Ellen DeGeneres geht es derzeit jedenfalls zu wie in fast jedem anderen Büro der Welt – die Menschen debattieren hitzig. Sie twitterte: "So gut wie jeder hier unterbricht seine Arbeit, um zu hören, wer Laurel oder Yanny versteht. Ich höre Laurel." Andere sind sich da nicht so sicher. Typische Twitter-Reaktion aus diesen dramatischen Stunden: "Das ist so furchteinflößend! Ich hab die ersten ungefähr 40 Mal Laurel gehört, und jetzt hör ich Yanny. Ich hab so Angst. Warum schon wieder dieses Kleid?"

Die Erklärung

In Wahrheit (wahrscheinlich…?) gibt es keinen Grund, sich zu fürchten vor "Yanny" und "Laurel". Bis ins letzte Detail ist das aktuelle Phänomen zwar noch nicht geklärt. Doch im Grunde können uns Wissenschaftler recht genau erklären, wie uns Augen, Ohren und Gehirn bisweilen in die Irre führen. Denn was wir hören, wird massiv von dem beeinflusst, was wir sehen.

Ein brillantes Beispiel liefert Professor Lawrence Rosenblum von der University of California in einem BBC-Video über den so genannten McGurk-Effekt. Dieses Phänomen, benannt nach dem 1998 verstorbenen Entwicklungspsychologen Harry McGurk, beschreibt genau, wie sich unsere Ohren austricksen lassen.

Wer "Yanny vs. Laurel" verstehen will, sollte sich dieses Video anschauen, in dem Professor Rosenblum immer nur das Geräusch "ba ba ba" ausspricht. Die Tonspur bleibt stets gleich. Aber wenn Rosenblum im Video die Lippen so formt, als würde er "fa fa fa" sprechen, hören wir tatsächlich auch "fa fa fa".

Ein unglaublicher Effekt: Augen auf, und es ist (das falsche) "fa fa fa" zu hören – Augen zu, und wir hören (das korrekte) "ba ba ba". Beeinflussen können wir das nicht, wie der Professor erklärt: "Der Effekt funktioniert auch dann, wenn du weißt, dass es ihn gibt. Ich beschäftige mich seit 25 Jahren mit dem McGurk-Effekt. Aber auch ich falle immer noch darauf herein. Man kann nichts dagegen tun", sagt er.

Auge und Gehirn, mit Verlaub, verarschen das Ohr – so funktioniert auch "Yanny vs. Laurel". Erste Analysen haben ergeben, dass sich die beiden Wörter in der Sprachwahrnehmung relativ ähnlich sind. Je nachdem, wie viele Höhen und Tiefen auf einem Lautsprecher abgespielt werden, ist eher "Yanny" oder eher "Laurel" zu hören – auch dafür gibt es ein Beispielvideo im Netz:

Wenn mit zunehmenden Alter die Fähigkeit sinkt, hohe Töne wahrzunehmen, kann das dazu führen, dass eher "Laurel" verstanden wird. Die New York Times hat mittlerweile sogar ein Tool gebastelt, mit dem sich die Tonfrequenz von hoch ("Yanny") zu tief ("Laurel") verschieben lässt.

Hohe und tiefe Töne, und die digitale Bearbeitung, die die Tonkurven der beiden Wörter angenähert hat, spielen beim Rätsel, das das Netz erschüttert, also eine wichtige Rolle. Doch im Endeffekt hören wir vor allem, was wir hören WOLLEN. Der australische Professor und Gehörforscher Hugh McDermott erklärt das so: "Wenn sich das Gehirn unsicher ist, sucht es nach äußerlichen Hinweisen, um die richtige Entscheidung zu fällen. Dazu gehören auch persönliche Erfahrungen. Man könnte beispielsweise viele Leute kennen, die Laurel heißen, aber keinen einzigen Yanny." Und damit steigt die Wahrscheinlichkeit, "Laurel" zu hören.

Grund zur Beunruhigung scheint in keinem der beiden Fälle zu bestehen. Anlass zur Sorge haben nur diejenigen, denen es so geht wie Twitter-Nutzerin Harper (@hfuckingsage): "ICH KANN KEINEN VON BEIDEN NAMEN MEHR HÖREN! ICH WEINE!"

In diesem Fall hilft nur noch ein guter Ohrenarzt.

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