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LEAD-Kolumnist Matthias Mehner (Grafik: Uli Kurz/Foto: Martin Kroll)
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World of Messenger – die Asiaten: QQ, LINE und KakaoTalk

Nächster Stopp unserer Messenger Reise ist heute Asien. Denn wenn wir über digitale Innovationen sprechen und wissen wollen, in welche Richtung sich Technologien und Kommunikation entwickeln werden, ist Asien meiner Meinung nach viel spannender als das Silicon Valley.

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WeChat sollte dem ein oder anderen ein Begriff sein, schließlich hat der Messenger aus China dieses Jahr schon die eine Milliarde Nutzer-Marke geknackt. Doch Asien ist groß, und die Asiaten geradezu süchtig nach Messenger-Kommunikation. Deshalb ist da auch noch Platz für andere Anbieter mit zum Teil echt spannenden Möglichkeiten für Unternehmen.

Was bei asiatischen Messenger-Apps auffällt, ist, dass sie drei Erfolgsfaktoren aufweisen, die es weder bei WhatsApp noch bei Facebook derzeit gibt: eigene Bezahlfunktion, Sticker und ein Öko-System aus externen Apps.

QQ – will kein Messenger sein

Überraschenderweise ist der nächstgrößte Instant-Messenger aus Asien quasi ein Bruder oder eine Schwester von WeChat. QQ ist, wie WeChat, im Besitz des chinesischen Online-Riesen Tencent.

Der Dienst wurde 1998 als “OICQ” gegründet und ist heute der viertgrößte Messenger-Dienst mit 806 Millionen monatlich aktiven Nutzern (Stand Juli 2018). Obwohl QQ den Großteil seiner Nutzer in China hat, wird der Dienst auch international genutzt: QQ ist in Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch, Japanisch und Koreanisch verfügbar.

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Beim Start war das Ganze eine ziemlich genaue Kopie des israelischen “ICQ”. Es folgten jedoch schnell umfangreiche Erweiterungen. Heute lassen sich via QQ Online-Games spielen, eigene Avatare erstellen, E-Mails und große Dateien senden und empfangen, Videos und Animationen im Snapchat-Stil teilen und Gruppenchats führen.

Aber hier enden die Funktionen nicht. Wie sich gleich noch deutlicher zeigen wird, haben die asiatischen Messenger eine große Gemeinsamkeit: Sie sollen zum Ausgangspunkt für alle Belange des Alltags werden.

So lässt sich über QQ Musik streamen, ein Partner über den QQ-Dating-Service finden oder sich mit Freunden über das eigene Social Network “Qzone” vernetzen. Mit QQ Coin gibt es sogar eine eigene Währung für (In-)App-Käufe und Transaktionen innerhalb der QQ-Welt.

QQ will sich von den „klassischen“ Messengern abgrenzen und positioniert sich als "One-Stop-Entertainment-Portal" für junge Chinesen – rund 60% der QQ-Nutzer sind unter 30 Jahre alt. „Wir verwandeln QQ von einer reinen Messenger App in einen Anbieter für Chat, Sharing, Gruppen und digitale Inhalte wie Spiele, Anime, Literatur, Musik und Live-Streaming”, so ein Tencent-Sprecher.


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Der Messenger-Dienst QQ (Bild: QQ)

QQ für Unternehmen

Bereits seit 2007 bietet “QQ” zwei kostenpflichtige Lösungen für Unternehmen: “QQ Enterprise” (ähnlich wie Skype for Business) für die firmeninterne Kommunikation und “QQ Marketing Enterprise” für Werbe-Kampagnen.

Neben den Möglichkeiten, Anzeigen zu schalten oder Produkte zu verkaufen, können Unternehmen auf QQ aber auch kostenfrei ein Unternehmensporträt anlegen und Gruppenchats eröffnen. Mit einem einfachen, kostenfreien Konto können bis zu 500 Fans verwaltet werden.

Abhängig davon, wie aktiv die Nutzer sind, können Unternehmen ihr Fan-Limit erhöhen. Oder man erkauft sich eine Art VIP-Status und kann noch mehr Fans verwalten (ab 5 US-Dollar für drei Monate).

Prominente und Unternehmen haben insgesamt 2,2 Milliarden Fans angesammelt. Der Keksanbieter Oreo führte bereits eine erfolgreiche Social-Marketing-Kampagne auf Qzone durch. Die "Zone of Child Innocence" -Kampagne konnte innerhalb von drei Tagen 130 Millionen Page Impressions von 3,28 Millionen Teilnehmern erzielen.

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LINE – nimmt den Kampf mit WhatsApp und Co. auf

Nach QQ kommt LINE. LINE wird von dem japanischen Unternehmen Line Corporation betrieben, das zur koreanischen Naver Corporation gehört. Mit 217 Millionen (Stand 2016) monatlich aktiven Nutzer weltweit ist der 2011 gegründete Messenger aus Japan auch noch unter den Top 10 der größten Messenger-Dienste. In Japan Nummer eins ist LINE aber auch in 17 Sprachen verfügbar.

Durch eine Kombination aus Sticker-Verkäufen und einer Reihe miteinander verbundener mobiler Apps, Spiele sowie einem eigenen Taxi- und Bezahl-Service konnte LINE in den letzten Jahren schnell und profitabel wachsen. 2017 erzielte LINE einen Umsatz von 1,6 Milliarden US-Dollar.

Wie QQ und WeChat bietet Line inzwischen zahlreiche Funktionen an, die Nutzern helfen und unterhalten. Wie bereits erwähnt, ganz groß: der Sticker-Bereich. Der LINE Creators Market ist eine Plattform, über die Nutzer selbst erstellte LINE-Sticker innerhalb der App verkaufen können.

Die animierten Sticker lösten einen wahren Hype aus: Marken wie Disney oder Promis wie Paul McCartney verfügen über ihre eigenen Sticker. Und natürlich darf auch hier eine Zahlungsfunktion nicht fehlen. LINE Pay kann auf Websites zum Online-Shopping, aber auch im stationären Handel verwendet werden.

Mehr zum Thema: Wird WhatsApp zum Gamechanger der digitalen Kommunikation?

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Der Messenger-Dienst LINE (Foto: LINE)

LINE für Unternehmen

Seit 2015 gibt es LINE@ – den Business Bereich von LINE –, um „Official Accounts“ betreiben zu können. Hier bietet Line auch Zusatzleistungen, wie das Premium-Paket (24 US-Dollar/ Jahr für die ersten zwölf Monate). Der Vorteil: Unternehmen können damit ihre bevorzugte LINE-ID selbst auswählen – und dadurch in der LINE-App leichter und schneller gefunden werden.

Über LINE Partner können Brands mit LINE eine offizielle Partnerschaft eingehen. Diese kann unterschiedlicher Art sein, von einem „einfachen Official Account" über eine Zusammenarbeit im Sticker- oder Gaming-Bereich. „Official Accounts“ sind vergleichbar mit einer Facebook Seite – also offiziell gebrandet und versehen mit dem Unternehmenslogo.

​ Erfolgreicher Messenger aus Südkorea: KakaoTalk

KakaoTalk ist der Dritte im Bunde der nationalen „Messenger Heros“ aus Asien. Angeblich nutzen 99 Prozent aller Koreaner regelmäßig die vielfältigen Services der Messaging-App. 2018 belief sich die Anzahl der monatlich aktiven Nutzer des Instant-Messaging-Dienstes auf rund 50,11 Millionen (Stand: 2. Quartal 2018).

Davon stammen die meisten aus Südkorea, doch auch auf den Philippinen und im südostasiatischen Raum wird die App verwendet. Außerhalb Asiens ist KakaoTalk wenig verbreitet.

KakaoTalk wurde 2010 von dem südkoreanischen Internetunternehmen Kakao gegründet, einem der führenden internationalen Anbieter von Apps für Android-User. Ein Erfolgsrezept des Messenger-Services ist das Thema „Gaming“. Mit dem Spiel „AniPang“ – erinnert an Candy Crush – generierte der Messenger innerhalb eines Jahres 400 Millionen Downloads und erweiterte seine Nutzerschaft auf 30 Millionen.

Aber natürlich verfügt KakaoTalk auch über die klassischen Dialogfunktionen – Versand von Fotos, Nachrichten in aller Form, Gruppenchats sowie eine (Video-)Telefonie-Funktion. Sticker („Kakao Friends“-Sticker) spielen auch eine große Rolle. Das scheint im asiatischen Markt ein Must-have und sehr beliebt zu sein, auch wenn es unter Umständen für westliche Augen etwas gewöhnungsbedürftig aussieht.

Darüber hinaus greift auch dieser Messenger im Alltag unter die Arme. Vom Essens-Lieferservice über die Taxibestellung bis hin zur Tischreservierung und Terminplanung: alles möglich. Und was darf nicht fehlen? Mit Kakao Pay betreibt das Unternehmen auch den beliebtesten mobilen Payment-Service des Landes.

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Der Messengerdienst KakaoTalk (Foto: KakaoTalk)

KakaoTalk für Unternehmen

Mit „Yellow ID“, das speziell für kleine und mittelständische Unternehmen kostenlos angeboten wird, ist es möglich, einfach und schnell mit (potenziellen) Kunden zu kommunizieren. Der Service kann in Kombination mit einem bestehenden privaten Kakao-Account genutzt werden.

Um Spam zu minimieren, können Unternehmen ausschließlich Nachrichten an Kunden senden, die das entsprechende Unternehmensprofil abonniert haben. Allerdings funktioniert dieses Tool nur für die 1:1-Kommunikation, ist also eher für den direkten Kundenservice geeignet.

Wer als Unternehmen Marketing-Kampagnen über KakaoTalk ausspielen will, nutzt den B2C- Service „Plus Friend“. Etablierte Marken wie Coca-Cola, McDonald's oder Samsung nutzen „Plus Friend“ für News, Rabatte und Coupons. Dieses, zugegebenermaßen etwas schräge Video zeigt Beispiele, wie „Plus Friend“ bereits von Unternehmen eingesetzt wird.

Die Drei wollen alle mehr als ein Messenger sein. Hier haben sich bereits komplette Digital-Service-Universen entwickelt. So sind die Monetarisierungs-Möglichkeiten auf diesen Plattformen schon deutlich größer als beispielsweise auf WhatsApp.

Relevant sind die drei Messenger auf jeden Fall für Unternehmen, deren Zielgruppe in Asien ist.

Mehr zum Thema: World of Messenger: Die Datenschutz-Heros

Zum Autor:Matthias Mehner ist Vice President Strategy & Innovation bei MessengerPeople. Für LEAD schreibt er über das Thema Messenger.

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