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Women in Tech: So wird die IT-Branche für Frauen attraktiv

Sie ist Finanzvorstand bei afb, einer Münchner Software- und Beratungsfirma, und engagiert sich für mehr Frauen in IT-Berufen: Sabrina von Nessen. LEAD hat mit ihr über typische Vorurteile gegenüber "Männer-Berufen", weibliche Führungsqualitäten und Veränderungen in der Branche gesprochen.

Die IT-Branche muss sich ändern, wenn sie für Frauen attraktiv werden möchte (Bild: iStock)
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LEAD: Warum gibt es auch im Jahr 2019 immer noch wenige Frauen in IT-Berufen?

Sabrina von Nessen: Technologie zählt per se nicht zu den "typisch weiblichen" Interessen, nicht unterschätzen würde ich dabei den Einfluss von Schule und Elternhaus. In der Regel werden Mädchen kaum dazu ermuntert, "typisch männliche" Berufe zu ergreifen. Insgesamt fehlen heute alltagstaugliche, weibliche Vorbilder im IT-Berufsalltag.

LEAD: Halten Vorurteile Frauen denn davon ab, typische "Männer-Berufe" zu übernehmen?

Von Nessen: Nun, Frauen verurteilen Männer zum Beispiel häufig für deren Eigenschaft, voller Stolz und Überzeugung ein Arbeitsergebnis zu präsentieren, selbst wenn es nicht ausgereift oder vollständig ist. Dagegen haben sich Frauen tendenziell einen zu hohen Qualitätsstandard auferlegt. Und umgehen die für sie beklemmende Situation und den Wettbewerb, indem sie bestimmte Branchen oder Berufsbilder meiden.

LEAD: Was müsste sich in der Branche ändern, damit sie auch für Frauen interessant ist?

Von Nessen: Die Branche hat es noch nicht geschafft, IT-Berufe für Frauen interessant zu machen. Dieser Aspekt muss erst einmal in das Bewusstsein der Unternehmen dringen. Eine wichtige Rolle spielen Netzwerke und Role Models. Letztendlich beginnt es jedoch schon bei der Formulierung von attraktiven Stellenanzeigen.

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LEAD: Sie sind die erste Frau im afb-Vorstand seit über 20 Jahren. Ist das etwas, auf das Sie stolz sind?

Von Nessen: Ich bin in Männerdomänen groß geworden, das ist für mich also nichts Besonderes. Bei uns arbeiten Menschen aus allen Erdteilen und Altersgruppen. Da gibt es keinerlei Berührungsängste oder Befindlichkeiten. Im alltäglichen Miteinander hat die Persönlichkeit viel Gewicht, aber bei der Entscheidungsfindung wenig Platz. Da zählt dann allein das Ergebnis. Darauf bin ich stolz.

LEAD: Führen Sie anders als die Männer im Vorstand oder gibt es da keine Unterschiede?

Von Nessen: Ich würde nie sagen, dass Frauen pauschal die besseren Führungskräfte sind. Geht es aber um Talente, fällt auf, dass es uns tendenziell leichter fällt, Zugang zu der emotionalen Ebene von Menschen zu finden. Emotionale Intelligenz wiederum halte ich gerade in Zeiten von "New Work" für eine essenzielle Eigenschaft erfolgreicher Führungskräfte.

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LEAD: Fühlen Sie als Frau an der Spitze eines Unternehmens eine Art gesellschaftliche Verantwortung?

Von Nessen: Grundlegend ist Nachhaltigkeit einer meiner zentralen Werte. Das geht von ökologischen Aspekten bis zur transparenten Kommunikation auf Augenhöhe. An der Spitze eines Unternehmens will ich gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und vorleben.

Und gleichzeitig sollten alle Menschen ihren jeweiligen Einflussbereich dazu nutzen, die Gesellschaft von morgen mitzugestalten. Im Hintergrund zu bleiben und sich seinen Teil zu denken, schafft nur Raum für destruktive Kräfte.

LEAD: Was halten Sie von gesellschaftlich motivierter Hilfestellung für Frauen im Job, wie zum Beispiel der Frauenquote?

Von Nessen: Ich war lange Jahre der Meinung, dass alleine herausragende Leistung unabhängig vom Geschlecht zum Erfolg führt. Die Fakten sprechen leider eine andere Sprache, zumindest wenn ich von einer gleichverteilten Leistungsbereitschaft und -fähigkeit ausgehe.

Denn dagegen stehen ernüchternde Quoten auf höheren Führungsleveln, nicht zuletzt auch im Vorstand oder Aufsichtsrat. Offensichtlich gibt es also nach wie vor Mechanismen, die zu dieser für Frauen nachteiligen Verschiebung führen.

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Sabrina von Nessen ist Finanzvorstand bei afb, einer Münchner Software- und Beratungsfirma für Finanz- und Servicedienstleister, und engagiert sich für mehr Frauen in IT-Berufen. (Bild: Christian Wiendl)

LEAD: Wie ist Ihre Einschätzung: Stehen sich Frauen bei der Verfolgung ihrer beruflichen Ziele oft selbst im Weg?

Von Nessen: Leider erlebe ich es trotz des hohen Entwicklungsstandes unserer Gesellschaft nach wie vor, dass Männer und Frauen gleichermaßen ihre Berufswahl aus den falschen Gründen treffen.

Häufig werden Einflüsse und Glaubenssätze von Familie oder Freundeskreis unreflektiert übernommen. Oder der Reiz von Macht, Status und Geld ist einfach zu groß. Ich ermuntere dazu, einen Beruf häufiger als Berufung zu verstehen. Dann können objektiv vorhandene oder subjektiv empfundene Hürden sportlich überwunden werden.

LEAD: Inwieweit spielt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine Rolle?

Von Nessen: Familie und Beruf sind für Frauen noch nicht auf einfache Weise vereinbar. Es mangelt nach wie vor an den gesellschaftlichen und gesetzlichen Rahmenbedingungen. Vor allem behindern immer noch verkrustete Ansichten und eingefahrene Denkmuster Frauen an der konsequenten Verfolgung einer selbstbestimmten Karriere.

LEAD: Sie engagieren sich in Frauennetzwerken. Warum und was möchten Sie damit erreichen?

Von Nessen: Ich bin zu der Erkenntnis gelangt, dass exzellente Leistungen offensichtlich nicht ausreichen, um die geschlechtliche Gleichverteilung der Weltbevölkerung auch in die Führungsetagen zu übertragen. Offensichtlich gibt es für Frauen nachteilhafte Mechanismen.

Auf diese möchte ich mit meinem Engagement hinweisen und dazu beitragen, sie zu beseitigen. Wenn Menschen ihre Leidenschaft konsequent verfolgen, kann Großartiges entstehen. Solange aber Vorurteile den Weg verbauen, möchte ich mich engagieren.

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