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Die Bewertungsplattform TripAdvisor möchte das neue Social Media-Netzwerk​ für Reisende werden (Foto: dpa Picture Alliance)
Social Media Plattformen

Wo geht die Reise hin, TripAdvisor?

Auf der neugestalteten Plattform von TripAdvisor gibt es alles, was ein soziales Netzwerk ausmacht: einen persönlichen Feed, Influencer und die Möglichkeit, Fotos, Videos und Artikel mit Freunden und Familie zu teilen. Nur leider nutzt das niemand. André Gebel, Vorstand der coma AG und selbst Reiseblogger, hat das vermeintliche soziale Netzwerk für Reisende genauer unter die Lupe genommen.

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Das war schon eine mittelgroße Bombe, die die Bewertungsplattform TripAdvisor im September letzten Jahres gezündet hat: Man möchte das neue Social Media-Netzwerk für Reisende werden und führt deshalb einen individuellen Feed à la Facebook ein. Nutzer haben nun die Möglichkeit, Influencern zu folgen und Hotels und Urlaubsregionen dürfen ihre eigene Marken-Webseite einrichten.

Damals war ich begeistert: Was für eine geniale Idee, die bestehenden Grantler und Bewerter untereinander zu vernetzen und gleichzeitig noch mehr Druck auf die Reise-Industrie auszuüben. Für mich als Reiseblogger und Agenturchef zudem die große Chance, endlich wieder etwas Neues zu entdecken, nachdem es gefühlt nur noch um Zuckerbergs Netzwerk-Imperium und Tik Tok ging.

Heute muss man sich allerdings fragen, was aus den Ambitionen geworden ist - oder warum bisher keiner so richtig etwas von TripAdvisors revolutionären Plänen mitbekommen hat.

Auf den ersten Blick eine gute Idee mit Potential

Schauen wir uns das Ganze einmal etwas genauer an, denn optisch kann das Netzwerk durchaus überzeugen. Auf den ersten Blick wirkt TripAdvisor wie eine Social Community für Reisende mit Feed, Influencern und Markenwebseiten. Ich kann mein Profil aufhübschen und sogar eine Webadresse hinterlegen. Ich kann meinen Urlaub perfekt planen, indem ich Hotels, Events und Restaurants in meinem Reiseplan organisiere. Eigentlich genial: Tourismusmarken treffen ihre Zielgruppe dort während der Kaufentscheidung.

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Dann die Ernüchterung: Mein neuer Feed speist sich aus den wenigen präsenten Marken (zum Beispiel National Geographic), denen ich hier folgen und deren Beiträge ich liken kann, was grundsätzlich auch für Freunde und Bekannte gilt. Wenn denn da welche wären.

Und genau da gerät die große Social Media-Offensive auch schon ins Stocken, da sich zwar alle irgendwie mal angemeldet haben, aber seit Jahren eine Fernbeziehung mit ihrer Plattform führen. Keiner bekommt etwas mit, niemand mag sich vernetzen und die großen Influencer haben anscheinend genug mit Instagram zu tun. 200.000 Follower machen bei der Sponsorensuche auch einen deutlich besseren Eindruck als 47 verlorene Seelen auf TripAdvisor.

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Kunden lieben es bequem

Längst reicht es nicht mehr, Kunden nur zu begeistern. Man muss sich auf die Gewohnheiten des Nutzers ausrichten, um erfolgreich zu sein. Können dabei Chatbots, Dashbots und Wearables helfen? Ja, aber nicht allein. Die User-Experience muss einfach besser werden. Wie das geht, zeigt das LEAD Bookazine 4/2018!

TripAdvisor ist ein Bewertungsportal für die Tourismusindustrie und kein soziales Netzwerk

Inspirieren und stöbern ist halt Pinterest, Interaktion und kreatives Storytelling Instagram und "mein perfektes Leben XXL" wird immer noch lieber auf Facebook zelebriert. Da bleibt kaum Platz für etwas Neues, vor allem wenn der Start dermaßen unter dem Radar verläuft. Was im Social Media-Bereich nicht von Anfang an funktioniert, ist dann auch schnell verschwunden - denn im Unterschied zu Snapchat oder Tik Tok gibt es hier keine coolen Teenies, die den großen Reisefuchs noch retten werden.

Und tatsächlich fragt man sich, warum zum Start nicht größer und omnipräsenter gedacht wurde. Warum keine Offensive an alle Blogger und Micro-Influencer sich hier niederzulassen? Wo sind die Hotels und ihre Repräsentanzen, wo ihre Postings und Angebote, die bei Facebook doch so super funktionieren? Wo ist die Kampagne, die mir den Mehrwert deutlich macht oder überhaupt sagt, dass es etwas Neues auszuprobieren gilt? Was hätte man da nicht alles für Werbeformate erfinden und platzieren können?

Warum dümpelt seit drei Monaten eine Beta-Version durchs Netz, die weder Fisch noch Fleisch ist und TripAdvisor zu dem reduziert, was es ist und war: Ein Bewertungsportal für die Tourismusindustrie. Durchaus respektiert und auch gefürchtet. Aber eben kein soziales Netzwerk, über das ich meine Reisen plane und davon berichte.

Fast kann man das Aufatmen der Hotels und "Destinations" hören, nicht jedem neuen Trend zu folgen, schließlich sitzt man an einigen Stellen sogar noch Instagram aus. Bisher wirkt es wie ein weiterer Versuch, der zum Scheitern verurteilt ist.

Natürlich ist man mit Google Plus, Vero, Periscope und bald vielleicht auch Snapchat in guter Gesellschaft, doch die Chance war und ist noch so verdammt groß, denn nichts fasziniert im Social Web mehr als das Reisen, niemand startet mit so viel Bekanntheit und Nutzern ins Rennen und keiner bringt Hotels und User so gut zusammen wie TripAdvisor. Bleibt folglich nur die Frage: Wo geht die Reise hin?

Über den Autor: André Gebel ist Vorstand Beratung und Strategie bei der Coma AG in München. Zu den Kunden der Digitalmarketing-Agentur zählen unter anderem Saturn, Tempo, Globetrotter, XING Events, Paulaner und Montana. Privat schreibt er außerdem für seinen Reiseblog.

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