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VR Virtual Reality Kirche

Wir sind Kirche: Taufe mit dem ersten VR-Pfarrer

Der Vatikan verfügte bereits 2002: Gottesdienste und das Erteilen von Sakramenten dürfen nicht online oder virtuell stattfinden. Hätte er wohl gern. Der junge amerikanische Pfarrer D. J. Soto ist Gründer der weltweit ersten VR-Kirche: Er tauft mit Datenbrille auf dem Kopf Anime-Figuren, die auf der Suche nach dem Glauben sind.​

YouTube-Reporterin Drumsy wurde kürzlich in der virtuellen Kirche getauft (Foto: YouTube/Drumsy)
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Der Vatikan verfügte bereits 2002: Gottesdienste und das Erteilen von Sakramenten dürfen nicht online oder virtuell stattfinden. "Die virtuelle Realität kann die wahre Präsenz von Jesus Christus in der Eucharistie nicht ersetzen" – das ist seither die offizielle Vorgabe aus Rom. Der junge amerikanische Pfarrer D. J. Soto lebt in einer völlig anderen Welt. Er ist Gründer der weltweit ersten VR-Kirche, und tauft mit Datenbrille auf dem Kopf Anime-Figuren, die auf der Suche nach dem Glauben sind.

Die virtuelle Realität und Datenbrillen wie die Oculus Rift sind perfekt geeignet für eher unchristliche Aktivitäten vom Cybersex bis zum blutrünstigen Ballerspiel. Pfarrer D. J. Soto aus Pennsylvania hat den Glauben an die Technik dennoch nicht verloren. Ganz im Gegenteil. Er hält in seiner VR Church – deren Name sich so wunderbar als "We are Church" aussprechen lässt – Gottesdienste für Menschen in aller Welt ab, an denen Tiefgläubige ebenso teilnehmen wie Atheisten auf der Sinnsuche.

Vr Church
Das ist die VR Church, die sein Sohn für Pfarrer D. J. Soto gebaut hat (Foto: VR Church)

Auch sein erster virtueller Gottesdienst-Besucher 2017 war Atheist, erinnert sich D. J. Soto: "Als VR rauskam, dachte ich mir, okay, das probiere ich aus. Und der erste Gast in meiner Kirche war ein Atheist aus Dänemark. Er hat gesagt, ich glaube nicht an Gott. Aber ich würde gerne wissen, um was es bei dieser ganzen Glaubens-Sache geht." Für den VR-Pfarrer war das eine Art Erweckungserlebnis: "In meiner ganzen Zeit in den normalen Kirchen hatte ich noch nie einen Atheisten, der einfach so durch die Tür kam. Und plötzlich war das möglich. Das war die endgültige Geburtsstunde unserer VR-Kirche." Der Leitspruch für seine weltweite Gemeinde lautet seither: "Es ist egal, ob Du an Gott glaubst oder nicht."

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Ein kritischer Geist(licher)

D. J. Soto war nach dem Theologiestudium drauf und dran, seinen Beruf aufzugeben, wie er in einem Video des YouTubers Syrmor verrät. Seine Hauptkritik: Die Kirche in den USA schließt gerade diejenigen aus, die Hilfe und Unterstützung ganz besonders dringend benötigen. "Nur bestimmte Leute sind gern gesehen. Es kommt darauf an, wie du gehst, wie du redest, wie du aussiehst. Jesus würde ausflippen. Die Kirche sollte doch gerade ein Platz für diejenigen sein, die auf Heilung und Besserung hoffen."

Er berichtet von zahlreichen Erlebnissen, die ihn immer weiter von "seiner" Kirche entfernt haben: "Ich habe gesehen, wie sie einen Heroinsüchtigen rausgeworfen haben. Und einer Frau im Rollstuhl haben sie gesagt, du kannst nicht gehen, weil dein Glaube nicht stark genug ist. Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, dass irgendjemand solche Worte denkt und auch noch ausspricht."

Dj Soto
Pfarrer D. J. Soto mit seinem wichtigsten Arbeitswerkzeug, der Datenbrille von Oculus (Foto: VR Church)

Dass die körperliche Erscheinung eines Menschen in der virtuellen Realität überhaupt keine Rolle spielt – darin sieht D. J. Soto einen der Hauptvorteile seiner VR Church: "In unserer Kirche wird niemanden nach Rasse oder Aussehen beurteilt. Wir können hier viel unvoreingenommener miteinander umgehen. Wir sind einfach nur Menschen, die miteinander reden. Und eigentlich ist doch auch in der richtigen Welt dein Körper nur die Hülle für deinen Geist."

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VR statt Pop-up-Kirchen

2016 verkaufte der Pfarrer sein Hab und Gut, schaffte sich vom Erlös einen neun Meter langen Campingwagen an, und machte sich mit Ehefrau Kari und den gemeinsamen fünf Kindern auf die Reise durch die USA. Eigentlich wollte das Paar überall im Land kleine Pop-up-Kirchen eröffnen, Gottesdienste abhalten – und dann weiterziehen. Die schnelle Entwicklung der VR-Technologie und die Begeisterung für die Möglichkeiten der virtuellen Welt sorgten dann aber für die Gründung der VR Church, die Soto mittlerweile auch nach Europa erweitert hat.

Taufvorbereitungen
Taufvorbereitungen mit YouTuberin Drumsy und einem Gast (Foto: YouTube/Syrmor)

Sein 15-Jähriger Sohn Luke hat am Computer das Modell der Kirche gebaut, in der D. J. Soto seine Gottesdienste abhält, und die mittlerweile von einem virtuellen Friedhof umgeben ist. Die Zeiten für die Messen im sozialen Netzwerk AltspaceVR sind flexibel.

Die wichtigsten Termine sind aber immer sonntags um 14 Uhr und um 19.30 Uhr Ostküstenzeit – wenn die Mobilfunkverbindung auf dem Campingplatz gut genug ist, auf dem die gläubige Familie gerade Station macht. "Das kann schon mal abbrechen", lacht der VR-Pfarrer. "Aber dann machen wir eine Pause, und danach geht’s weiter."

Auf seiner Website stellt er die zahlreichen Mitstreiter und Mitarbeiter vor, die sich um ihn geschart haben – quasi seine Apostel. Darunter sind eine Facebook-Managerin, der Inhaber einer Agentur für digitales Marketing oder ein ehemaliger ranghoher Mitarbeiter des US-Arbeitsministeriums.

D. J. Soto und sein Team machen keineswegs einen versponnenen und vergeistigten Eindruck. Sie scheinen mit beiden Füßen im Leben zu stehen und sind begeistert von den neuen technischen Möglichkeiten, mit denen sie ihren Glauben teilen und Menschen helfen können. Dazu passen auch die handfesten technischen Erklärungen zur Anschaffung und zur Benutzung einer Oculus-Rift-Datenbrille auf der Website, quasi als Eintrittskarte zur VR Church.

Die Taufe des Anime-Mädchens

Taufen hat D. J. Soto mittlerweile auch schon einige durchgeführt. Sie sind natürlich nicht "amtlich" anerkannt. "Pastoren und Kirchenführer finden die Idee meiner virtuellen Kirche unmöglich", weiß der VR-Pfarrer. Doch der spirituellen Wirkung der Sakramente, die er spendet, soll das keinen Abbruch tun. Seine spektakulärste Taufe, die bereits hunderttausendfach angeklickt wurde, vollzog er am bekannten YouTube-Reporter Drumsy, der sich im Netz die Identität eines Anime-Mädchens mit pinken Haaren zugelegt hat.

Mitte Mai stellten sich D. J. Soto und Drumsy gemeinsam in ein großes virtuelles Taufbecken. Am Beckenrand verfolgten unter anderen eine sprechende Banane und SpongeBob als Augenzeugen die Taufe. Drumsy verriet, warum sie sich taufen lassen will: "Ich bin nicht sehr gläubig, aber ich bin neugierig auf Jesus Christus." Der Pfarrer erklärte: "Das ist ein sehr spiritueller Moment. Gott will, dass Du ein neues Leben erfährst." Dann tauchte Drumsy unter, und D. J. Soto spendete die Taufsakramente: "Drumsy, ich taufe Dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen."

Nach einer knappen Minute tauchte Drumsy mit den Worten "Puh, ich bin atemlos" wieder auf, und begann ihr neues Leben. "Ich habe virtuelle Tränen geweint", gestand sie später zutiefst gerührt. Kurz nach der Taufe war das Becken schon wieder leer. SpongeBob hatte sich nützlich gemacht, und das komplette Taufwasser aufgesaugt.

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