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Ethik Werbeagentur Kommunikation

Wir brauchen eine Obergrenze für Werbung

Weniger ist mehr: Ex-Jung von Matt-Geschäftsführer Daniel Adolph plädiert für einen Ethik-Kodex. Wieso sich Kreative wieder auf den tatsächlichen Wert ihrer Arbeit besinnen sollten.

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Am Mittwoch schrieb unser Autor Johannes Ceh über ethische Verantwortung in der digitalen Kommunikation. Daniel Adolph, ehemaliger Geschäftsführer der Werbeagentur Jung von Matt, interpretiert den Appell in LEAD für die Werbebranche. 

Vor ein paar Jahren lag meine neugeborene Tochter schreiend in ihrer Wiege. Ihre Schwester (damals drei Jahre) tröstete sie und sagte: "Brauchst doch nicht weinen – Mama ist da, Papa ist da, ich bin da, iPad ist da." Spätestens dann wusste ich, dass digitaler Medienkonsum in meinem Leben eine zu große Rolle eingenommen hatte. Und seitdem hat ein gedanklicher Prozess eingesetzt, der mich letztendlich auch in mein Sabbatical geführt hat.

In den letzten Monaten habe ich viel über Ethik nachgedacht. Ethisches Verhalten heißt für mich dabei als allererstes, nicht auf die eigene Branche einzuhacken und nicht Kollegen sowie ihre Arbeiten zu diskreditieren. Ich liebe Werbung und ich bin überzeugt, dass es nie eine spannendere Zeit gab als Werber zu arbeiten.

Ethisches Verhalten aber heißt für mich, ein paar Dinge besser machen zu wollen, gerade jetzt, wo Technologien wie Artificial Intelligence und Augmented Reality den digitalen Werkzeugkoffer weiter vergrößern.

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Bei meinem langjährigen Arbeitgeber Jung von Matt herrscht schon lange die Überzeugung, "Kommunikation kann heutzutage nur unterhalten, unterstützen oder untergehen". Im Alltag scheint mir die Haltung vieler Marken zu sein: "Viel hilft viel"– es wird aus allen Rohren, mit allen Mitteln und in allen Kanälen geschossen.

Zu viel Content kann auch nach hinten losgehen

Meine These: 90 Prozent dieser Schüsse treffen nicht nur nicht; sie werden zu Friendly Fire. Marken werden weder beachtet noch geachtet, sie werden zunehmend ver-achtet. Omnipräsente, nervende, oft kaum als solche erkennbare Kommunikationshülsen versperren den Konsumenten den Zugang zu den eigentlich gewünschten Inhalten.

Ich glaube, wir Kommunikationstreibenden auf Agentur- und Kundenseite sollten dringend an einem Kodex arbeiten, damit wieder deutlich weniger, dafür sinnvoller geworben wird. Marken könnten sich zur Einhaltung von Obergrenzen verpflichten. Und wir alle könnten sofort damit anfangen, vor jeder Maßnahme kritisch zu hinterfragen, ob sie wirklich einen inhaltlichen Wert für den Konsumenten hat.

In der Folge würde mehr Budget für relevante und begeisternde Kommunikationsmaßnahmen zur Verfügung stehen. Und die Menschen könnten ihre Medien- und Gesamtzeit wieder effizienter, sinnvoller und damit ethisch wertvoller gestalten.

Das wäre doch was! 

Daniel Adolph ist Hamburger, Stratege, Berater, Diplomkaufmann, Vater und war über zehn Jahre lang Geschäftsführer bei Jung von Matt. Derzeit befindet er sich in einem Sabbatical. Hier verbringt er seine Zeit mit leben, lesen, boxen, ein paar freien Projekten und nachdenken.

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