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(Bild: Getty Images)
Digitalisierung Medien Kinder

Wie viel Entertainment ist für Kinder gesund?

Smartphone, Tablet, oder PC – heute sind schon die Kleinsten von einer Vielzahl digitaler Medien umgeben. An der Frage, ob man sie davon so lange wie möglich fernhalten oder von klein auf daran gewöhnen sollte, scheiden sich die Geister. LEAD stellt die wichtigsten Regeln für Kinder und Eltern vor.

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Der Ulmer Professor Manfred Spitzer ist wohl der bekannteste Wissenschaftler, der digitale Medien in Kinderhänden verteufelt. Das verrät schon der Titel eines seiner Bücher, das da heißt: "Digitale Demenz. Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen." In seinen Augen sind Smartphones keine nützlichen Geräte für soziale Interaktion, sondern die Auslöser von Depressionen, Schlafstörungen, Diabetes und Kurzsichtigkeit. Und auch die Krankenkasse DAK warnte kürzlich nach einer Befragung von Jugendlichen vor einer ausufernden Social-Media-Sucht.

"Für Kinder ab drei Jahren sind 15 bis 20 Minuten absolut ausreichend"

Andere Experten, wie etwa der Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Michael-Schulte Markwort sind der Meinung, dass Kinder sehr gut zwischen analoger und digitaler Welt unterscheiden können und warnen vor Panikmache. Nie war es für Eltern schwieriger, zu entscheiden, ab welchem Alter und in welchem Ausmaß ihre Kinder digitale Medien nutzen dürfen. Die Medienpädagogin Kristin Langer vom Ratgeber "Schau hin! Was Dein Kind mit Medien macht" gibt Eltern zu dieser schwierigen Thematik wertvolle Tipps an die Hand.

Wie oft und wie lange Kinder Smartphones, PCs, Tablets oder Spielekonsolen nutzen dürfen sei die häufigste Frage, die ihr von Eltern gestellt würde, sagt der Mediencoach im Interview mit LEAD. Ihre Antwort: "Für jüngere Kinder ab drei reichen 15 bis 20 Minuten am Stück." Dabei ist es egal, ob die Kinder Fernsehen, eine Bilderbuch-App nutzen, ein digitales Spiel spielen oder sich ein Hörbuch anhören. Die Zeiten der verschiedenen Medien werden immer zusammengezählt.

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Ist dann Schluss mit dem Spaß, wird es für Eltern oft nervig: "Jüngere Kinder können schöne Momente noch nicht gut abschließen. Sie werden dann traurig und weinen auch, das ist ganz natürlich." Allerdings gibt es ein Mittel, mit dem man es Kindern wie Eltern leichter machen kann: "Man sollte von vornherein ankündigen: Wir gucken jetzt eine Folge oder spielen bis zu dieser bestimmten Stelle. Dann haben die Kinder einen Anhaltspunkt, wissen, das Medienerlebnis hat ein Ende und können sich darauf einstellen."

Sich sklavisch an feste Uhrzeiten zu klammern, ist nicht sinnvoll

Bei Grundschulkindern ab sieben Jahren empfiehlt die Pädagogin, zehn Minuten Medienzeit pro Lebensjahr am Tag nicht zu überschreiten – bei acht Jahren wären das also 80 Minuten. "Bei Kindern ab zehn Jahren kann man auch ein Wochenkontingent festlegen, das ab diesem Alter nach Absprache dann selbst eingeteilt wird." Dabei setzt die Medienpädagogin ein gewisses Maß an Flexibilität voraus: "Auf eine Uhr zu gucken ist die Grundlage, aber man sollte sich daran nicht sklavisch halten und kann auch Ausnahmen machen." Kein Drama also, wenn es einmal länger wird. Andererseits gibt es aber auch Tage, an denen viel los ist und den Kindern kaum Zeit bleibt, das Erlebte zu verarbeiten. Dann können sie nach 20 Minuten an der Spielekonsole schon völlig von der Rolle sein.

"Kinder sollten Mitverantwortung entwickeln"

Die Kinder sollten unbedingt lernen, dass sie den Medien nicht ausgeliefert sind, sondern sie steuern und damit auch beenden können. Insofern ist es gut, wenn sie das Tablet selbst bedienen können und auch beim Fernsehen sollten es nicht immer die Eltern sein, die den Aus-Knopf drücken. "Am besten binden Eltern ihr Kind schon frühzeitig ein. So entwickeln sie altersgerecht einen Anteil von Mitverantwortung, und die brauchen die Kinder auf ihrem weiteren Lebensweg für die Mediennutzung in jedem Falle."

Kinder ganz oder zumindest so lange wie möglich von digitalen Entertainment-Geräten fernzuhalten, hält die Pädagogin für kaum umsetzbar und auch nicht für ratsam. In nahezu allen Haushalten sind Mediengeräte allgegenwärtig. Was als erste Orientierung hilft, ist das Wissen darüber, was Kinder in bestimmten Altersstufen wirklich interessiert. "Gerade bei kleinen Kindern unter drei Jahren sind das reale Erfahrungen." Greift ein Zweijähriger zum Smartphone oder Laptop, handelt es sich dabei um ein punktuelles Interesse, das sowieso nur kurzzeitig besteht. "Je älter die Kinder werden, desto komplexere Dinge verstehen sie und das Interesse, Bildinformationen zu entschlüsseln, wächst."

Ganz egal, wie alt die Kleinen sind – für die Medienpädagogin Langer ist es besonders wichtig, dass sich Eltern umfassend über die Medienart als auch über die Inhalte informieren. Die Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie der öffentlich-rechtlichen Sender "Schau hin! Was dein Kind mit Medien macht" hilft ihnen dabei.

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