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Künstliche Intelligenz Versicherung KI

Wie künstliche Intelligenz die Versicherungswelt verändert

Künstliche Intelligenz ist im Versicherungswesen angekommen. Steht das Gleichheitsprinzip durch blitzschnelle Risikoberechnungen nun endgültig vor dem Aus? Brancheninsider Alexander Huber gibt einen kurzen Einblick in Technologien, die in der Versicherungsindustrie schon lange diskutiert werden.

(Bild: Fotolia)
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Für die meisten Menschen ist das Thema Versicherungen kein erfreuliches Erlebnis. Einmal durch den Tarif-Jungle gewühlt, fühlt man sich im seltenen Falle eines Schadens oft im Stich gelassen. Im Grunde unterscheidet sich die Kommunikation mit Versicherern im Groben nicht wirklich mit denen von Behördengängen. Der Kunde fühlt sich ohnmächtig und auch nicht vollständig aufgeklärt. Per Definition ist Versicherung eine Risikoübernahme durch den Versicherer gegen Zahlung eines Beitrags, um bei Eintritt eines Schadens aus dem Kollektiv einen Schadenausgleich zu erhalten. Konkret heißt das eigentlich für beide Parteien, also Versicherungsnehmer und Versicherer, in eine Situation zu geraten, die man aus vielerlei Gründen versucht zu vermeiden. Eigentlich ein paradoxes System.

Die Digitalisierung des Private-Banking-Sektors, kurz FinTech, hat gezeigt, dass der Einsatz von Technologie ehemals langwierige Prozesse in Banken kundenfreundlich - heute "nutzerfreundlich" - macht. Doch nicht nur die UX ("User Experience") hat sich verbessert: Kleine Banken, die vollständig auf digitale Tools setzen, überholen die großen Player im begehrten Privatkunden- und Kreditgeschäft. Der Einsatz von DeepTech schafft Transparenz, faire Bonitätsprüfungen und Bequemlichkeit. Die Kostenersparnisse im operativen Geschäft der Banken ist hier selbsterklärend. Mittlerweile geht es bei Banken auch schon darum, wer bringt die jüngere Direktbank mit der 'hipperen' Brand auf den Markt?

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Der Paradigmenwechsel findet schon heute statt

Nach und nach hält die Digitalisierung nun auch Einzug im oftmals undurchsichtigen Versicherungswesen. Künstliche Intelligenz (KI) und Algorithmen bestimmen Risikobewertungen "live" unter Berücksichtigung von hunderten Variablen und Datenpunkten. Die Anfänge hielten bei KFZ-Versicherungen Einzug: Telematik-Tarife.

Die monatliche Versicherungspolice richtet sich nach der effektiven Fahrzeugnutzung und nicht nur den konventionellen statischen Determinanten. Im Bereich Sachversicherungen wird es jedoch etwas komplizierter. Das Kollektiv der Versicherungsnehmer besteht aus Menschen unterschiedlichster "Risikoklassen", Lebensstilen und Mobilität. Ob Rowdy oder Asket, jeder zahlt das Gleiche. Ist das fair? Der Einzug von DeepTech soll Abhilfe schaffen. Den Grundstein legt hier ein einzigartiges Joint-Venture zwischen Munich Re und GoogleMaps-Erfinder Axon Vibe. Das Prinzip von Telematik-Tarifen feiert den Einzug in die Welt der Sachversicherungen.

Durch das Smartphone eines Versicherungsnehmers werden seine Bewegungs- und Standortdaten anonymisiert mit Metadaten der Munich Re über Risiken abgeglichen und ausgewertet. AxonVibe fungiert dabei als 'Datenermittler' und sendet nach Zustimmung des Versicherungsnehmers vordefinierte Trigger-Informationen an den Versicherungsanbieter. Dieser wiederum schaltet seine KI und ihre Algorithmen dazwischen und "lernt" aus Versicherungsfällen. Versicherungspolicen können kontextsensitiv in „real time“ berechnet und angeboten werden.

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Versicherungen 3.0

Modulare Kurzzeitversicherungen befinden sich bei verschiedenen Anbietern in der finalen Phase kurz vor dem Markteintritt. Im Versicherungsjargon UBI (Usage-Based-Insurance) genannt, kommt schon bald das erste UBI-Produkt für Reisen, bei der Kunden tageweise ihr Reisegepäck, Smartphone oder Laptops gegen Diebstähle, Verlust oder Beschädigung auf Grundlage des jeweiligen Reiseziels versichert bekommen. Automatische Benachrichtigungen aus der App oder Smartwatch heraus sind hier selbstverständlich. Zurück im Heimatflughafen wird die Versicherungsdeckung automatisch beendet.

Ein anderes Beispiel ist eine auf UBI basierende Unfallversicherung: Beim Betreten eines Skigebiets aktiviert sich automatisch der Versicherungsschutz und deaktiviert sich nach Verlassen dieser Zone und das auf Wunsch auch ohne ein Zutun des Versicherungsnehmers.

Die bereits erwähnten UBI-Versicherungen machen mit ihren "Pay-As-You-Use"-Prinzip den Einsatz von künstlicher Intelligenz vergleichsweise einfach. Beispielsweise lautet ein Grundsatz des Max-Planck-Institutes: Um Entscheidungen selbstlernender Maschinen als "fair" zu akzeptieren, müssen ihre Entscheidungen einen klaren kausalen Zusammenhang zu unseren gesetzlichen und moralischen Anforderungen erbringen. Im Bereich der Sachversicherungen haben Kunden die gleichen Startvoraussetzungen. Und noch mehr.

Durch künstliche Intelligenz werden Absagen nur weil beispielsweise Kunden "unter der falschen Postleitzahl wohnen" der Vergangenheit angehören. Das System lernt, dass Personen X mit Lebensstil V auch im Postleitzahlengebiet Z die gleiche Risikoklasse tragen können. Die daraus resultierenden Vorteile liegen jedoch nicht nur in der adäquaten Gestaltung der Policenbeiträge. Versicherungsgesellschaften können in naher Zukunft Risiken erkennen bevor sie entstehen. Sie können aus ihrer Rolle des Aufräumkommandos heraustreten und ihren Kunden präventiven Schutz bieten.

Über den Gastautor

Alexander Huber ist Mitgründer und Chief Marketing Officer bei ONE Insurance, dem ersten volldigitalen Versicherer Europas. Er liebt Salesfunnel, digitale Geschäftsmodelle, aber vor allem ist er bekannt für seinen schwarzen Humor und seine sarkastischen Kommentare gegenüber der arrivierten Konkurrenz.

One Cmo U Co Founder Alexander Huber
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