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Digitalisierung Transformation

Wie Du die digitale Transformation anschiebst, statt immer nur davon zu träumen

4 Schritte, wie Ihr Eurem Business mehr digitalen Schwung verleihen könnt.

© Fotolia
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In der Vergangenheit wurde Deutschland in den Medien immer wieder als "digitales Entwicklungsland" beschrieben. Es mag Rückstände geben, allerdings stimmt dies so schlicht nicht. Die Startup-Kultur und der Wille zum digitalen Wandel sind stark in der Bundesrepublik – allerorten sind Gründer- und Innovationsgeist rund um digitale Trends und Technologien und das Interesse daran zu spüren; bei jungen Entrepreneuren ebenso wie im Mittelstand und in Konzernen.

Gerade in bereits etablierten Unternehmensstrukturen mangelt es in der Tat an der Bündelung sowie einer konsequenteren Förderung von Kräften und vereinten Anstrengungen zum Aufbau und Pflege einer schlagkräftigen digitalen Kultur. Einer Kultur, die dazu geeignet ist, tatsächliche Veränderungen durchzusetzen, die das Siegel "digital transformiert" wirklich verdienen.

Die typische Falle

Die Ausrichtung eines ganzen Unternehmens auf eine überwiegend digitale Zukunft bringt viele Herausforderungen mit sich. Doch zuvorderst steht das Problem, dass Unternehmen zu oft nur an der Oberfläche kratzen, es dann aber versäumen, konsequent und Schritt für Schritt weiterzugehen.

So werden zwar neue Funktionen geschaffen, wie etwa ein Chief Digital Officer – aber keine klaren Entscheidungsbefugnisse und Budgets vergeben. Marketingstrategien werden auf digital getrimmt und Budgets entsprechend umgeschichtet – aber auch damit allein ist es nicht getan. Und nur weil man mal irgendwie irgendeine App erstellt hat, ist man kein Unternehmen, das "digital ready" ist. Die genannten, beispielhaften Veränderungen sind gewiss alle richtig und wichtig. Ernsthaft schützen vor disruptiven Geschäftsmodellen und Plattformen neuer Startups werden sie nicht.

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Digitale Transformation funktioniert Top-Down

Es mag altmodisch klingen, vielleicht sogar paradox: aber die digitale Transformation funktioniert nach dem Top-Down-Prinzip, gerade weil die erforderlichen Veränderungen so tiefgreifend sind. Das Management muss vorangehen und die Transformation vorleben – dann entsteht ein Momentum, das Vorbildcharakter hat und sich wie ein Dominoeffekt durchs Unternehmen zieht.

Das klingt abstrakt, aber die Auswirkungen sind ganz unmittelbar und praktischer Natur. Ein gutes Beispiel ist Mercedes-Benz. Vorstandschef Dieter Zetsche bekannte bereits 2015 auf der IAA: "Diese digitale Transformation ist bei uns in vollem Gange. Mercedes-Benz wandelt sich vom Automobilhersteller zum vernetzten Mobilitätsanbieter", so Zetsche. Das klingt nach schnödem Management-Statement, aber der Konzern verhält sich auch entsprechend. Das beweist nicht nur die Akquisition der MyTaxi-App, sondern auch Zetsches Reaktion auf Kartell-Vorwürfe: Er nahm persönlich via Linkedin dazu Stellung und suchte den Dialog.

Letztlich ist es also eine Frage der Haltung und neuer Denkmodelle, die entscheidend dafür ist, ob in Eurem Unternehmen die digitale Transformation gelingt oder nicht.

Hier sind 4 Schritte, die dahin führen können:

1. Stellt althergebrachte Prinzipien infrage

Nach welchen Regeln, um nicht zu sagen Gewohnheiten, werden Ressourcen in Eurem Unternehmen verteilt? Ganz gleich, ob es um zeitliche, finanzielle oder menschliche geht. Was habt Ihr als KPIs definiert? Versucht abseits der klassischen Leitmotive kontinuierlicher Verbesserung und Effizienzsteigerung zu denken. Verlasst dafür auch mal die in Eurer Branche geltenden Regeln und Praktiken.

Traditionelle, industriell geprägte Sichtweisen konzentrieren sich oft auf bilanzielle Vermögenswerte im Sinne von Sachwerten. Übertragen auf die digitale Zukunft könnte das abgewandelt werden in: "Menschen verändern sich laufend – und das schneller und grundlegender als je zuvor. Daran wollen wir unser unternehmerisches Handeln ausrichten, statt an der strikt betriebswirtschaftlichen Optimierung unserer Wertschöpfung." So bekommt der alte Spruch "Zeit ist Geld" eine ganz neue und tiefere Bedeutung.

2. Entwickelt Visionen, die authentisch sind

Wenn man den oben genannten Umdenkprozess weiter verfolgt, könnte daraus die Schlussfolgerung hervorgehen, dass es am Ende risikobehafteter ist, an der besitzstandswahrenden Optimierung und dem Ausbau von Sachwerten festzuhalten, als andere Vermögenswerte in den Fokus zu rücken – wie etwa einen zeitlichen und technologischen Vorsprung auf einem bislang völlig außer acht gelassenen Feld.

Wichtig hierbei ist, dass diese geänderten Haltungen und Denkweisen zu Euch und Eurem Unternehmen passen, sodass sie authentisch sind. Denn eine künstlich aufgestülpte Diversifikation ins Unbekannte führt selten zum Erfolg. Wenn das gegeben ist, wird es Euch leicht fallen, konkreter zu formulieren, wie sich das veränderte Denken auch im unternehmerischen Handeln niederschlägt.

3. Krempelt Eure Strategie dementsprechend um

Habt Ihr solche Gedanken für Euch formuliert, überlegt im Vorhinein, wie sich diese neue Sichtweise auf bestehende Strategien auswirken wird. Dazu gehört auch ein weiter Blick über den Tellerrand – ggf. auch über das geographische Gebiet des bisherigen Markts hinaus. Gibt es bereits andere Unternehmen, die sich an ähnlichen Prämissen orientieren, durch die der Markt eine Disruption erfahren könnte? Überlegt dann auch, wie sich die hieraus ergebenden neuen Perspektiven auf das restliche Unternehmen und umgebende Anspruchsgruppen auswirken werden: Was bedeutet das alles für Kunden, Mitarbeiter, Lieferanten und Investoren?

4. Setzt um, was Ihr erkannt habt, und überzeugt Eure Kollegen

Wenn Ihr fest überzeugt seid, dass die eingeschlagene neue Denkrichtung richtig und wichtig ist, wird es Euch nicht schwer fallen, Eure Chefs und Kollegen mitzureißen. Ändert dann gemeinsam die Abläufe und Entscheidungswege im Unternehmen. Dann werden diese sich Schritt für Schritt durchsetzen – von der Kapitalzuweisung bis hin zum Recruiting neuer Mitarbeiter und der Festlegung zentraler Leistungskennzahlen.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Ergebnisse, die am Ende dieses Umdenkprozesses stehen, den scheinbar ehernen Regeln Eures Geschäfts und der Branche zu widersprechen scheinen. Das oben genannte Beispiel von Mercedes-Benz bringt dies schön zum Ausdruck: Auf den ersten Blick erscheint es ja höchst widersprüchlich, dass ein Autohersteller nun Geschäftsmodelle fördert, die darauf hinwirken, das der individuelle Besitz von Automobilen infrage steht.

Um mit Franz Kafka zu schließen: "Wege entstehen dadurch, dass man sie geht." Seid in diesem Sinne offen, begeisterungsfähig und neugierig. Dann wird es auch nicht schlimm gewesen sein, mal in die falsche Richtung gegangen zu sein, sofern man den Mut mitbringt, wieder umzukehren.

Paolo Anania ist Gründer und CEO von Granpasso, einem Düsseldorfer Full-Service Dienstleister für digitale Transformation. Das Hybridunternehmen aus Strategieberatung und Digital-Agentur berät internationale Konzerne und mittelständische Unternehmen auf dem Weg in und durch die digitale Welt. Als Vorstandsmitglied beim Bund Junger Unternehmer – BJU Düsseldorf-Niederrhein kümmert sich Anania zudem in besonderer Weise um Startups aus der Region und unterstützt Neugründer mit seinem Knowhow.

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