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Durch Online-Spendenplattformen treten Einzelpersonen mehr in den Vordergrund (Foto: nullplus - stock.adobe.com)
Digitalisierung Transformation Innovation

Wie die Digitalisierung den Spendenmarkt umkrempelt

Es geht um den guten Zweck, mehrere Milliarden Euro – und für nicht wenige sogar ums reine Überleben: Der Spendenmarkt hat sich in den letzten Jahren digitalisiert und die gesamte Branche gehörig umgekrempelt.

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Wegen der Digitalisierung profitieren von dem Geldfluss nicht mehr nur große Hilfsorganisationen und Institutionen, sondern auch kleine Sozialprojekte, lokale Sportvereine oder Einzelpersonen, die einen schweren Schicksalsschlag verkraften mussten und Unterstützung brauchen.

Jeannette Gusko, Senior Regional Manager der deutschsprachigen Länder bei GoFundMe, hat mit LEAD darüber gesprochen, wie sich der Spendenmarkt in den kommenden Jahren wandeln wird. GoFundMe ist momentan die weltweit größte Online-Spendenplattform - im Herbst vergangenen Jahres startete das Portal auch in Deutschland. Gusko war von Anfang an dabei und zieht eine positive Bilanz.

„In Deutschland gab es schon vorher eine starke Spendenkultur“

Die Möglichkeit, digital zu spenden, wird offenbar gut angenommen: In den vergangenen neun Monaten hätten deutsche Spender laut Gusko so viel wie in den vorherigen zwei Jahren zusammen eingesammelt. Es gibt tausende Kampagnen und zehntausende Spenderinnen und Spender. Die größten Kategorien seien Nothilfe, Wohltätigkeit und medizinische Kampagnen. Weltweit wurden über GoFundMe bisher fünf Milliarden Dollar (rund 4,4 Milliarden Euro) gesammelt.

In Deutschland seien die Spendenflüsse relativ gleichmäßig über alle Bundesländer verteilt, Kampagnenstarter und Spender stammen laut Gusko aus sowohl urbanen wie auch ländlichen Regionen. „In Deutschland gab es schon vorher eine starke Spendenkultur und viele Menschen engagieren sich ehrenamtlich. Daneben wächst das Verständnis für soziale Netzwerke und Informationen über Katastrophen ziehen schnell weite Kreise.“

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So wurde nach den tödlichen Erdbeben in Indonesien Ende September 2018 sofort eine Reihe von Spendenkampagnen gestartet. Deutsche, die in Indonesien leben oder eine enge Beziehung zur Unglücksregion haben, riefen zu Spenden auf und baten um Hilfe.

Hier einige Beispiele: Eine junge Frau aus Niedersachsen, die inzwischen in Indonesien lebt, bittet um Spenden für Hilfsorganisationen, die Betroffene vor Ort unterstützen.

Und Studenten und Wissenschaftler der Universität Göttingen, die durch gemeinsame Forschungsprojekte mit der Tadulako Universität in Palu betroffene Familien kennen, konnten mehr als 16.000 Euro einsammeln.

Werden die Menschen in Zukunft mehr spenden?

Diese Beispiele zeigen auch: Der Spendenmarkt hat sich verändert. Einzelpersonen treten mehr und mehr in den Vordergrund. Statt abstrakt für die Katastrophenhilfe zu geben, geht das Geld verstärkt an Privatpersonen und konkrete Projekte.

Diese bitten Freunde, Familie und Kollegen um Spenden oder darum, ihre Kampagne in den sozialen Netzwerken zu teilen, wo sie im besten Fall immer größere Kreise zieht. Menschen erfahren durch Social Media von Projekten und Regionen, die sie bislang nicht kannten. „Es entwickelt sich ein Gefühl der Solidarität und es fühlt sich nicht mehr wie eine Spende an, sondern eher wie eine kleine Hilfeleistung für einen Freund“, sagt Gusko. Sie prophezeit auch deshalb, dass die Menschen in Zukunft mehr spenden werden.

Ein anschauliches Beispiel dafür ist die bisher erfolgreichste Kampagne in Deutschland -„Rettet meinen kleinen Bruder Elias”. Über sie konnte mehr als 155.000 Euro eingesammelt werden. Hintergrund: Der 28-jährige Student Elias, der im Thailand-Urlaub schwer verunglückt war, brauchte dringend teure Behandlungen und einen Krankentransport nach Deutschland, hatte aber keine Auslandsversicherung abgeschlossen. Vor allem die Frankfurterinnen und Frankfurter - gemeinsam mit Hip-Hop-Größen wie Kool Savas oder Haftbefehl – halfen Elias. Mit dem Geld konnte der 28-Jährige behandelt und nach Deutschland zurückgebracht werden.

Elias' Familie hielt die Spender über Updates am Laufenden, bedankte sich für die Unterstützung, beschrieb ausführlich Elias' schlimme Situation und zeigte Bilder des schwer verletzten Studenten. Die Community konnte an Elias' Genesungsprozess teilhaben. Außerdem veröffentlichten die Kampagnenstarter die Rechnungen des Krankenhauses und schafften Vertrauen, dass das Geld sinngemäß ausgegeben wurde.

Medien griffen die Geschichte auf – wie es häufiger geschieht, wenn die Kampagnen auf ein gesellschaftliches Problem hinweisen. Dazu zählt zum Beispiel der Fall von Marlies Krämer, die Geld dafür sammelt, um gerichtlich gegen die Sparkasse vorgehen zu können, weil sie Kundin genannt werden möchte.

Sehr erfolgreich war auch die Kampagne des Karikaturisten Tobias Vogel nach den rechtsextremen Vorfällen in Chemnitz. Mit seiner Aktion „Strichmenschenkette gegen Nazis“ erzielte er mehr als 18.000 Euro für den Sächsischen Flüchtlingsrat.

Eine App fürs Spendernetzwerk

„Das Vertrauen ist beim Spenden sehr wichtig“, erklärt Gusko. „Die Leute wollen natürlich wissen, was mit ihrem Geld passiert, sie wollen Transparenz. Viele Kampagnenstarter zeigen deshalb, wohin das Geld fließt, das sie bekommen haben.“ Außerdem habe GoFundMe ein System entwickelt, um sicherzustellen, dass das Geld nur für den Zweck verwendet wird, für den es gesammelt wurde. Sonst würden die Spender von GoFundMe ihr Geld zurück erhalten.

Bei der Online-Plattform sieht man sich mittlerweile als Netzwerk: Es gibt eine App, die Kampagnenstarter beim Verwalten helfen soll, aber auch Spender über Updates informiert. Wer mag, kann unter den Spendenaufrufen kommentieren und Herzchen vergeben. Und wenn eine Aktion mehr Geld einbringt als veranschlagt, können Kampagnenstarter zur Abstimmung aufrufen, wie der überschüssige Betrag ausgegeben werden soll. Außerdem soll neuerdings ein Team die Kampagnenstarter dabei unterstützen, einen möglichst erfolgreichen Aufruf zu starten.

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Online-Spendenplattformen wie GoFundMe oder auch Leetchi, Betterplace, HelpDirect, Kickstarter und Change.org bieten neue Möglichkeiten, zu interagieren und geben Spendern das Gefühl, mehr Kontrolle über den Spendenprozess zu bekommen. Es vollzieht sich eine sogenannte Demokratisierung des Spendenmarktes. Institutionen geraten immer mehr in den Hintergrund, während Einzelpersonen stärker als Hauptakteure auftreten.

Oft sammeln diese aber Geld für eine Hilfsorganisation - wie eben Tobias Vogel für die Flüchtlingshilfe. „Viele wünschen sich Spenden statt einem Geburtstagsgeschenk oder tun sich mit Freunden zusammen, um aus einem Herzensanliegen heraus Geld für eine bestimmte Hilfsorganisation zu sammeln“, sagt Gusko.

Vieles, das früher nicht möglich war, könne durch die Online-Plattformen Objekt einer Spendenkampagne sein: „Jetzt kommen auch Bereiche wie die Sportförderung zum Zug, die beim klassischen Spendenmarkt öfter unter dem Radar bleiben“, erklärt Gusko. „Damit wird das Engagement konkreter und fassbarer. Das Spenden wird mehr und mehr Teil des Alltags.“

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