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Blockchain-Paywalls könnten die Medienbranche retten könnten (Bild: Pixabay)
Blockchain Medien Programmieren

Wie Blockchain-Paywalls die Medienbranche retten könnten

Die Medienbranche befindet sich seit Jahren im Wandel und hat mit Finanzierungsmodellen zu kämpfen. Das Berliner Startup SatoshiPay will dieses Problem mit der Blockchain lösen - auch über Ländergrenzen hinaus. Im Interview spricht SatoshiPay-CEO Meinhard Benn über seinen Micropayment-Dienst.

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Meinhard Benn programmiert seit seinem zwölften Lebensjahr und verwirklichte bereits 1999 ein Projekt, das Micropayments nutzte. Während einer zehnjährigen Reise durch die Welt und Open Source-Community kam die Bankenkrise und für Benn der Entschluss, an Alternativen zu den weltweiten Finanzstrukturen zu arbeiten.

Angelehnt an den Decknamen des heute immer noch unbekannten Bitcoin-Erfinders Satoshi Nakamoto, gründete Benn SatoshiPay - einen Micropayment-Service auf Blockchain-Basis. Der ist nicht nur seit Jahren erfolgreich, sondern könnte vor allen Dingen die Medienlandschaft sowie Cross-Border-Payments demokratisieren.

LEAD: Du beschäftigst dich bereits seit einigen Jahren mit Kryptowährungen und der Technologie dahinter. Was hat dich letztlich dazu bewogen, SatoshiPay zu gründen?

Meinhard Benn: Bei meinen ersten beiden Crypto-Startups hatte ich leider nicht so großen Erfolg, was unter anderem daran lag, dass es schwierig war Funding zu bekommen. Etwa 2014 entschloss ich mich dann alleine zu gründen und informierte mich etwas detaillierter über Crypto-Projekte, die Venture Capital bekommen und viele User gewonnen hatten. Dazu gehörten neben Mining und Börsen, wie Coinbase auch Payment-Services, für die ich mich dann entschieden hatte. Ich dachte mir, dass alles weltweit irgendwo ein Werteaustausch ist, den jeder Mensch täglich hundertfach ausübt. Also habe ich am Küchentisch eines Kumpels über Nacht einen Software-Prototypen gebaut, der dann am nächsten Morgen online gegangen ist.

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Der konnte bereits Zahlungen annehmen und ich dachte mir: Krass! Wir hatten hier gerade die beste Form von Innovation, ohne die Notwendigkeit Genehmigungen einholen zu müssen oder andere Bremsen. Das war wirklich ein wichtiger Moment für mich. Dann kam ein Co-Founder dazu, mit dem wir dann beim Accelerator-Programm von Axel Springer-Verlag gelandet sind. Wir waren da zwar anfangs etwas skeptisch, denn jeder wollte halt irgendwas mit Crypto machen. Aber sie haben unser Projekt und das Potenzial sehr schnell begriffen und die Zusammenarbeit machte auch aus unserer Sicht Sinn. Das war der Kickstart für SatoshiPay.

LEAD: Warum habt ihr euch nicht für die immer noch größte Kryptowährung Bitcoin für euer Geschäftsmodell entschieden? Oder andere Blockchain-Größen, wie Ethereum?

Benn: Wir hatten uns damals mit Publishing beschäftigt, waren aber eher im E-Commerce-Bereich unterwegs, wo teilweise schon Bitcoin-Zahlungen akzeptiert wurden. Dazu kamen erste physische Bitcoin-Geldautomaten und wir wussten, dass wir hier auf etwas gestoßen waren. Aufgrund der immer höher werdenden Transaktionsgebühren flog Bitcoin aber wieder raus und wir wechselten zu Stellar, einer alternativen Blockchain. Die wickelt ihre Transaktionen schnell, zuverlässig und günstig ab und ist gut dokumentiert. Damals dümpelte sie etwa auf Rang 50 der weltweiten Altcoin-Charts herum, heute gehört sie zu den Top 10, da viele Interbank-Systeme die Technologie nutzen. Zudem arbeiten wir mit der Stellar Development Foundation zusammen, was auch ein bisschen zu mir als Open Source-Fan passt.

Bitcoin funktionierte für uns auch einfach aus anderen technischen Gründen nicht. Wir wollten eben einen Service entwickeln, der Payments im Cent-Bereich abwickeln kann, beispielsweise um Content, wie abgespielte Videozeit oder Datenvolumen im Kilobytebereich in offenen Netzwerken abrechnen zu können. Und da stellte die Stellar-Blockchain die beste Lösung dar. Bitcoin war einfach zu “verstopft”, Ethereum zu komplex und Overkill für unseren Anwendungsfall und Ripple verfolgte nicht den Ansatz, den wir verfolgen. Es war der gleiche Grund, weshalb dann auch der ehemalige Ripple-Gründer Jed McCaleb das Unternehmen verlassen und die NGO Stellar gegründet hat, die im Gegensatz zu Ripple keine rein gewinnorientierte Motivation hat.

Mehr zum Thema: Die unendlichen Möglichkeiten der Blockchain

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(Bild: Meinhard Benn)

LEAD: Und wie funktioniert SatoshiPay?

Benn: Wir haben ein einfaches Tool für Webbrowser entwickelt, das als eine Paywall verwendet werden kann. Nach dem Teaser für einen Beitrag klickt man auf den “Weiterlesen”-Button, über den man dann eine beliebige oder vom Publisher festgelegte Summe verschicken kann. Das Geld kommt egal wo auf der Welt in fünf Sekunden an und kann sofort vom Publisher genutzt werden. SatoshiPay ist in dem Falle auch nur der Service-Anbieter. Wir halten das Geld nicht, sondern leiten es nach Abzug unserer Gebühren von zehn Prozent direkt weiter. Dafür nutzen wir für jeden Nutzer ein separates Wallet, also eine Art Tresor, in das er das Geld einzahlen kann.

LEAD: Funktioniert das wie beim Browser Brave, der dafür ein eigenes System hat?

Benn: Nein, genau das wollten wir nicht, um nicht unnötige Hürden hochzuziehen, besonders für die Nutzung von SatoshiPay auf dem Smartphone. Besonders da ist es sehr umständlich, Plugins oder Extensions nutzbar zu machen und wir wollten, dass unser Service in jedem Browser läuft, ohne die Installation von Erweiterungen. Wir bilden das ganz einfach über ein JavaScript ab, wie es auf allen Webseiten auch für andere Funktionen Standard ist und verschlüsseln das Guthaben des Nutzers im Browser und nur er hat dann Zugriff darauf.

LEAD: Welche Inhalte kann ich denn mit SatoshiPay freischalten oder die Ersteller auf freiwilliger Basis entlohnen?

Benn: Im Grunde alle. Podcasts, Videos, Musik, Artikel, PDFs und so weiter. Nach der Zahlung werden die Inhalte innerhalb einer Sekunde dargestellt, während das Geld zum Publisher unterwegs ist. Die letzten zwei Jahre haben wir damit unser Geld verdient, das Business ausgebaut und festgestellt, dass wir nebenbei noch ein ganz anderes Problem lösen. Und zwar den Geldtransfer zwischen den Unternehmen, also internationale B2B-Payments. Für Stellar gibt es da Schnittstellen, um sich das Geld auch in lokaler Währung in Ländern ohne zuverlässige Finanzinfrastruktur auszahlen zu lassen. Beispielsweise hatten wir einen Transfer nach Nigeria auf eine Geldkarte, der insgesamt 20 Sekunden gedauert hat und nur einen Bruchteil dessen an Gebühren gekostet hat, was normalerweise veranschlagt wird.

LEAD: Das heißt, dass ihr euer Business weiter in diese Richtung ausbaut?

Benn: Genau. Wir erweitern natürlich unser Angebot im Publishing-Bereich und ergänzen es jetzt um den Bereich Cross-Border-Payments. Wir und unsere größtenteils aus dem deutschen und britischen Finanzbereich stammenden Venture Capitalists sehen darin ein hohes Potenzial, investieren hier viel und arbeiten weiter mit der Stellar Development Foundation zusammen. Cross-Border-Payments ist ein Markt, in dem jährlich Trillionen bewegt werden und wir und unsere Investoren würden es gerne sehen, wenn die langsamen und teuren Strukturen verändert würden.

Und ob du es glaubst oder nicht: ich und viele meiner Kollegen arbeiten aus der Motivation heraus, diese Dienstleistungen für Menschen weltweit nutzbar und erschwinglich zu machen. Das war ja auch immer der Gedanke hinter Crypto: Die finanzielle Macht aus den Händen der Gatekeeper zu nehmen und sie zurück ans Volk zu geben. Früher wäre das nicht möglich gewesen, mit der heutigen Technologie wie Blockchain sind dagegen direkte Zahlungen von einer Person oder einem Unternehmen an andere ohne Mittelsmann möglich. Das, was sich jetzt bereits mit Bitcoin und Blockchains für Open Governance und andere Anwendungsfälle andeutet, wird in naher Zukunft überall Standard sein. LEAD: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit SatoshiPay!

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