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Auch Kleinkinder lassen sich beim Streaming von Algorithmen steuern. LEAD verrät, worauf Eltern achten sollten (Bild: Adobe Stock)
Algorithmus Streaming Filme

Wie Algorithmen beim Streaming unsere Kinder steuern

Beim Streaming folgen auch Kleinkinder ihren Vorlieben – und den Vorschlägen des Algorithmus. Die sind nicht immer geeignet. LEAD verrät, worauf Eltern achten sollten.

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Was früher der Fernseher war, ist für Eltern heute Babysitter Youtube. Wenn man dringend etwas erledigen muss oder um einfach mal in Ruhe zu duschen, setzt man sein Kind vors Tablet und klickt dessen Lieblingssendung an. Im besten Fall ist sie pädagogisch wertvoll, mindestens aber harmlos. Nur: Kommt man 15 Minuten später zurück, läuft schon die nächste Sendung – und die ist nicht immer kinderfrei. Was läuft da schief?

Was Kindern am Streaming so gut gefällt

Das grüne oder das gelbe Bonbon, diese oder jene Schuhe, Jacke aus oder an – Eltern von Kleinkindern wissen, wie sehr diese darauf bestehen, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Die Erfahrung der eigenen Autonomie ist ein wichtiger Teil ihrer Entwicklung. Lässt man ein Kleinkind mit einem Streaming-Device alleine, wird es schnell herausfinden, wie man die nächste Sendung anklickt, um weiter zu gucken.

Die Macht über die Entscheidung zu haben, ist ein erhebendes Gefühl. Und was wählen Kinder? Es ist wie beim Vorlesen: Kaum hat man die letzte Seite eines Buches erreicht, ruft das Kind begeistert: Nochmal! Dass Kinder Wiederholungen lieben hat ebenfalls damit zu tun, dass sie förderlich für Ihre Entwicklung sind: Bei jeder Wiederholung verstehen sie etwas mehr. Diesen Lerneffekt kann es auch beim Sehen von Videos geben. Und er verschafft dem Kind ein befriedigendes Gefühl.

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Wie die Algorithmen beeinflussen, was unsere Kinder sehen

Für Streaminganbieter bedeutet das zunächst, dass es einfach ist, die Algorithmen so zu programmieren, dass Kinder immer weiter gucken – während es bei Erwachsenen komplexer Operationen bedarf, um Vorlieben zu erfassen und ihnen die richtigen Vorschläge zu machen. Die Wirkung der Algorithmen auf den Medienkonsum der Kinder kann unter Umständen jedoch problematisch sein. Das gilt insbesondere bei Youtube, wo eine riesige Anzahl Kindersendungen umsonst verfügbar ist. Denn auch die Videoproduzenten, die ihren Content hier hochladen und deren Einkommen von der Anzahl der Klicks und Views abhängt, haben sich auf die Vorliebe der Kinder eingestellt, wieder und wieder das Gleiche zu sehen.

Aber nicht immer ist das Gleiche drin, wo das Gleiche drauf steht: So werden Videos hochgeladen, die Charaktere aus beliebten Kindersendungen zeigen und die richtigen Schlagworte enthalten, bei denen es sich tatsächlich aber gar nicht um die Original-Sendung handelt. Im schlimmsten Fall ist die Sendung für Kinder verstörend.

Das Problem mit Youtube Kids

Zwar kann man bei Youtube den eingeschränkten Modus aktivieren, so dass ein Algorithmus anstößige Inhalte sperrt. Nicht anstößig bedeutet aber noch lange nicht für Kinder geeignet. Und so kommt es, dass YouTube selbst als Plattform noch nicht für Kinder geeignet ist. Denn selbst wenn man sie nur für einige Minuten damit alleine lässt, wird man ziemlich schnell von einer Kindersendungen zur Werbung oder einem Influencer-Video weitergeleitet. Und besonders kleine Kinder verstehen die Unterschiede zwischen solchen Inhalten nicht – für sie ist alles Gesehene erst einmal gleichwertig. Für mehr Sicherheit hat Youtube deshalb Youtube Kids entwickelt.

Die kostenlose App filtert widerum den Content heraus, den sie für Kinder geeignet hält und erlaubt auch keinen Zugriff auf alles darüber hinaus. Ebenso ist Werbung nur sehr begrenzt zugelassen. Doch leider haben sich Algorithmen auch hier bereits als nicht zuverlässig erwiesen: Immer wieder wurden Fälle bekannt, in denen Fälschungen von Kindersendungen zugänglich waren, die verstörende Geschichten mit beliebten Charakteren erzählten. So gab es 2017 etwa einen Skandal um ein Video, in dem die Charaktere aus „Peppa Pig“, einer Sendung für Kleinkinder, Bleichmittel trinken. Und obwohl Youtube Nachbesserungen versprach, ist das System ein systematisches, das sich angesichts der Menge von 400 Stunden an hochgeladenem Videomaterial pro Minute weder händisch, noch algorithmisch so ganz lösen lässt.

Alternative Streaming-Angebote für Kinder

Kostenpflichtige Alternativen zu Youtube gibt es mittlerweile zuhauf. Netflix, Prime Video und Maxdome haben jeweils einen eigenen Bereich für Kids. Kividoo und Kixi sind ebenfalls kommerzielle Streaminganbieter, die sich jedoch rein auf Inhalte für Kinder spezialisiert haben. Dass sie werbefrei sind, ist ein großer Vorteil der Bezahl-Anbieter. Außerdem lässt sich bei ihnen zu einem gewissen Grad regulieren, auf welche Sendungen das Kind Zugriff hat. Entweder, indem man Sendungen entsprechend der Alterfreigaben sperrt, oder bezogen auf ganz bestimmte Sendungen, für die dann ein PIN benötigt wird.

Als Alternativen zum Bezahl-Streaming gibt es aber auch noch die kostenlose Mediathek des öffentlich-rechtlichen Kika, wo man nicht nur die aktuelle Sendungen anschauen kann, sondern auch noch Spiele und Mitmach-Angebote findet. Doch egal, ob für Geld oder gratis: Die riesige Auswahl an Sendungen, die sich den Angaben nach an Kinder richten, macht es Eltern nicht gerade leichter. Und da Kinder ganz unterschiedlich sensibel reagieren, erscheinen auch Altersfreigaben wenig zuverlässig. Eltern kommen wohl nicht darum herum, die eine oder andere Folge „Peppa Pig“ & Co. mit Ihren Kids anzusehen und sich ein eigenes Urteil von den Inhalten zu machen.

Julia Hertäg ist Autorin und Producerin und schreibt über Filme und Streamingphänomene. Mit falscherfilm.org hat sie die Webserie "The Last Order" produziert.

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