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Werbung für Shooter in Kinder-Apps – wie kann das passieren?

Im Apple App Store und im Google Play Store werden Kinder-Apps mit einer Alterskennzeichnung versehen. Dennoch gibt es auch verstörende Szenen in solchen Anwendungen - zum Beispiel in Form von Werbung für Shooter. Wie soll das verhindert werden?

Gerade jüngere Kids sollten nur unter Aufsicht auf einem Smartphone Apps nutzen (Foto: pixabay.com)
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Das Versprechen klingt gut und beruhigend: Auf der Sonderseite des App Stores erklärt Apple, werde "professionell kuratiert". Bei den "vielen tollen Apps, die Woche für Woche erscheinen", sei es ein Vollzeitjob, den Überblick zu behalten. Daher verfüge Apple über "ein Team von Experten, die dir einzigartige Einblicke" geben. Das Gleiche garantiert offiziell auch Google für den Google Play Store. Doch Versprechen und Wirklichkeit können mitunter deutlich auseinanderliegen.

Das erfuhr auch LEAD-Leser Marcel M. (Name geändert): Im Apple Store hat er für seinen 9-jährigen Sohn die Kinder-App "Klug Bus fahren Schule Testen" des Entwicklers Abdul Dahab Sheik heruntergeladen. Zunächst kostenfrei, um dann etwas später die werbefreie Version via In-App-Kauf freizuschalten. Die App ist als "ab 4 Jahre" im App Store gekennzeichnet.

"Grundsätzlich setze ich mich bei neuen Spielen daneben und nehme das iPad an mich, wenn Werbung kommt", erklärt der Vater. In diesem Fall war das auch mehr als angebracht: "Das Spiel enthielt Werbung, bei der 4-Jährige bei einem Shooterspiel sehen können, wie in einen Kopf geschossen wird. Ich habe schon andere Kriegsspiel-Werbung in Spiele-Apps gesehen, die nichts für 4-Jährige sind. Aber der Kopfschuss war der Oberhammer."

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Altersangabe Klug Bus Fahren
Die App "Klug Bus Fahren Schule Testen" ist im App Store "ab 4 Jahre aufwärts" gekennzeichnet (Foto: App Store)

Ähnliche Vorgänge registrieren Eltern immer mal wieder in Apps. Es sind eher seltene Fälle, aber es passiert. Naheliegender Gedanke: den Support kontaktieren und auf den Fauxpas aufmerksam machen. Leser Marcel M. machte genau das.

Apple reagierte umgehend, hakte aber im zweiten Teil der Mail-Antwort auch erst einmal nach: "Weiterhin möchte ich Sie fragen, ob denn eventuell die Kontaktaufnahme zum Entwickler angestrebt wurde und ob Sie dies einmal versuchen möchten, sodass wir eine Stellungnahme erhalten? Wie Sie den jeweiligen Entwickler kontaktieren können, wird hier erläutert."

Auch interessant: Smartphones, Social Media & Co: Nutzen und Gefahren für Kinder

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Ein Weg, der für viele Eltern keine Lösung ist. Auch für Marcel M. nicht: "Apple war nicht sonderlich hilfreich, das Geld bekam ich zurück, aber Infos wollte man mir nicht geben und wie es grundsätzlich funktioniert und wer das kontrolliert auch nicht.“

Also erklärt LEAD, wie das Shooter-Bild in die Kinder-App kam.

So werden Apps nach dem Einreichen geprüft

Obwohl es inzwischen sowohl im Apple App Store als auch im Google Play Store Millionen Apps gibt, nehmen die beiden größten Player die Aufnahme von Apps in die Stores sehr ernst. Keine App gelangt in den App Store, ohne dass sie vorher geprüft wurde. Dazu gibt es in beiden Konzernen eine Review-Abteilung mit tausenden Mitarbeitern, die tagtäglich und rund um die Uhr eingereichte Apps prüfen.

Nicht nur auf die Altersklassifizierung, sondern auch auf Themenkomplexe wie Nacktheit oder politische Propaganda. Erst wenn der jeweilige Reviewer sich mit der App intensiv beschäftigt hat und anhand eines detaillierten Katalogs, den App-Store-Richtlinien, alle Inhalte und die Design-Vorgaben geprüft hat, hebt oder senkt der Reviewer den Daumen. Wenn nichts beanstandet wird, wird der Entwickler dann informiert, dass er seine App über das jeweilige Developer-Portal für den Store freischalten kann. Oder er wird aufgefordert, die App zu verändern, da sie bestimmten Richtlinien nicht entspricht.

Kinder Smartphone I Phone
Die Smartphone-Sucht nimmt auch bei Kindern und Jugendlichen zu (Foto: pixabay.com)

Vor einigen Jahren konnten sich solche Review-Prozesse noch zwei, drei Wochen hinziehen. Inzwischen haben aber beide Firmen, Apple und Google, ihr Potential so stark ausgebaut, dass der Reviewprozess oft nur noch 24 bis 48 Stunden dauert. Die Schnelligkeit sagt aber nichts aus über den detaillierten Review-Prozess. Geprüft wird sogar noch deutlich intensiver als vor einigen Jahren.

LEAD hat bei Apple und Google nachgefragt, wieso Kinder-Apps mit Gewaltszenen in der Werbung trotzdem durchrutschen können. Apple wollte den expliziten Fall nicht kommentieren. Ein Google-Sprecher erklärt gegenüber LEAD: "Die Anzeigen, die in einer App angezeigt werden, müssen für die beabsichtigte Zielgruppe der App geeignet sein, auch wenn der Inhalt an sich nicht unseren Richtlinien entspricht."

Beide Konzerne haben Richtlinien für Werbe-Anzeigen aufgelegt: Bei Google sind sie hier zu finden, bei Apple sind sie sogar in zwei Bereichen nachzulesen: betrifft Kinder-Kategorie und betrifft Werbe-Richtlinien in Apps.

Absicht des Entwicklers oder nur ein Fehler?

Die Formulierungen der beiden Firmen sind dabei ähnlich. Google schreibt klar vor:

"Werbung in Apps, die am Designed for Families-Programm teilnehmen, darf grundsätzlich keine irreführenden Inhalte aufweisen. Außerdem darf diese Werbung nicht in solcher Weise gestaltet sein, dass Kinder zu unbeabsichtigten Klicks verleitet werden.“

Ein entscheidender Passus, der sich an die gesetzlichen Vorgaben hält und der am Ende die Entwickler in die gesetzliche Pflicht nimmt. Denn Apple und Google ist, auch wenn das nicht offen kommuniziert wird, natürlich klar, dass sich nicht permanent App-Inhalte kontrollieren lassen. Erst recht nicht solche, die immer wieder neue Werbung anzeigen. So gesehen deutet im Falle der kritisierten App "Klug Bus fahren Schule Testen" alles darauf hin, dass der Entwickler die Schuld an der Shooter-Werbung trägt.

Zum Hintergrund: Baut ein Developer Werbung in seine App ein, egal ob in der Kinder-Kategorie oder einer anderen Kategorie, so lädt er sich diese Werbebanner von einem Anzeigenserver, in der Regel handelt es sich um von Google angebotene Werbung. Dort muss der Entwickler laut gesetzlichen Vorgaben eine Altersbewertung für die Anzeigen festlegen.

Nicht zu klären ist, ob der Entwickler der App "Klug Bus fahren Schule Testen“ absichtlich oder unabsichtlich keine Altersbegrenzung für die Werbeclips festgelegt hat. Liegt keine Absicht vor, kann der Entwickler jederzeit auf den Server zurückkehren, der die Anzeige ausliefert und Anzeigen auf der Grundlage der Altersbewertung seiner App, die Apple und Google vorgenommen haben, Anzeigen bestellen.

Wo Eltern Beschwerde einreichen können

Generell gilt sowohl für Apples App Store als auch für den Google Play Store: Eine App kann aufgrund der Schaltung unangemessener Anzeigen gemäß der Richtlinien jederzeit seitens Apple oder Google aus dem Store entfernt werden.

Damit dies geschehen kann, hat LEAD-Leser Markus M. richtigen Weg gewählt, nämlich den Support zu kontaktieren. Bei Apple ist dies unter reportaproblem.apple.com möglich. Für den Google Play Store finden sich Beschreibungen zum Meldungen von unangemessenen Inhalten hier.

Ist ein User-Report mit einer entsprechenden Beschwerde eingegangen, prüfen die Unternehmen die App. Insofern würde Missbrauch geahndet. Bei der beschriebenen App hat Apple offenbar zeitnah interveniert. Nach der Leserzuschrift hat LEAD die genannte App über mehrere Tage regelmäßig geöffnet und überprüft. Die Shooter-Werbung taucht inzwischen nicht mehr auf.

Smartphone Vorm Kopf
Smartphone vorm Kopf: Bei Kindern besteht Suchtgefahr (Foto: pixabay.com)

Weitere Tipps für kindgerechte Apps

Ob der Entwickler angezählt wurde, ist nicht offiziell bestätigt. Allerdings ließe sich in diesem Fall eher Absicht unterstellen, denn in der App wurde teilweise auch Werbung angezeigt, obwohl die Werbung per bezahltem In-App-Kauf deaktiviert worden war.

Wie können Eltern solche vermeintlichen schwarzen Schafe künftig besser erkennen? Neben dem Einschalten der Kindersicherung (jeweils in den Einstellungen der Betriebssysteme iOS und Android) zu finden, hilft es oft auch, ganz simpel zu hinterfragen, ob der Name der App nicht schon einen verdächtigen Hinweis liefert. Seien wir ehrlich: "Klug Bus fahren Schule Testen" klingt nicht unbedingt seriös.

Erschreckende Test-Ergebnisse

Unabhängig von Titel einer App können sich Eltern auch wertvolle Tipps für brauchbare und altersgerechte Kinder-Apps auf seriösen Portalen holen. Eine sehr gute Anlaufstelle ist dabei SCHAU HIN!– der Medien-Ratgeber ist eine Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, den TV-Sendern Das Erste und ZDF sowie der Programm-Zeitschrift TV Spielfilm. Die Seite existiert bereits seit 2003. Sie liefert für Eltern wertvolle Hinweise und Empfehlungen zu den Bereichen Games, Apps, Smartphone, Tablets, Social Media, Medienzeiten und Streaming.

Dies ist umso wichtiger, weil das Portal jugendschutz.net schon 2018 beim Test von 100 Spiele-Apps für Kinder zu dem erschreckenden Ergebnis kam:

"Tatsächlich sind fast alle der vermeintlich kinderfreundlichen Programme problembehaftet. 99 von 100 Spiele-Apps sind hinsichtlich ihres Umgangs mit Kinder-, Daten- und Verbraucherschutz kritisch, mehr als 60 Prozent zeigen sogar so gravierende Mängel, um in mindestens einer Prüfkategorie als sehr riskant eingestuft zu werden."

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