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Früher als Querulanten abgestempelt, bringen Intrapreneure heute unverzichtbare Innovationen ein (Foto: Kristopher Roller on Unsplash)
Unternehmenskultur New Work Leadership

Wenn Innovation keine Chefsache mehr ist

Früher als Querulanten abgestempelt, bringen Intrapreneure heute unverzichtbare Innovationen ein – und zwar aus dem Unternehmen selbst heraus. Denn sie wollen Veränderung - und trauen sich, dafür den Status Quo radikal in Frage zu stellen.

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In vielen Unternehmen sind Innovationen Chefsache, Impulse für Veränderungen kommen aus der Geschäftsführung und Investitionen zielen hauptsächlich auf die Steigerung der Effizienz ab. Doch um im globalen Wettbewerb zu bestehen, Arbeitsweisen wirklich zu ändern und neue Produkte und Services in den Markt zu bringen, muss der Wandel aus der Organisation selbst kommen.

Die Voraussetzungen dafür sind meistens schon da: Intrapreneure, das sind unternehmerisch agierende Mitarbeitende, deren Persönlichkeitsstruktur eher unternehmerisch ist. Warum sie dann nicht selbst gründen? Weil sie ihrem Unternehmen emotional stark verbunden sind und zudem das Umfeld aus bekannter Marke, Zugang zu Ressourcen und Kunden, und nicht zuletzt die damit verbundenen Sicherheiten schätzen, die mit einem festen Anstellungsverhältnis einhergehen.

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Aufgrund ihres starken Markt- und Kundenverständnisses sehen Intrapreneure bereits die entscheidenden Entwicklungsstufen der Industrie voraus. Und nicht nur das; sie sind überdies auch bereit, die notwendigen Strukturen und Prozesse aufzubauen, die die Arbeits- und Wirkweise ihres Unternehmens verändern.

Ihr Drang, das Richtige für die Zukunft ihres Unternehmens zu tun, ist dabei stärker als die Sorge um fehlende Kompetenzen. Neues Wissen eignen sie sich entlang des Weges an oder begeistern Kollegen für ihr Vorhaben. Bei den Persönlichkeitsprofilen der Intrapreneure habe ich in meiner Arbeit zwei Ausprägungen identifiziert: hohe Sozial- und Kommunikationskompetenz auf der einen und hohe Fachkompetenz auf der anderen Seite.

Erstere arbeiten häufig an der Schnittstelle zu Kunden, etwa im Vertrieb oder Marketing. Sie erleben am eindrücklichsten, wie sich die Welt ihrer Kunden verändert und welche neuen Bedürfnisse entstehen. Intrapreneure mit fachlichem Hintergrund dagegen erkennen aus ihrer Kompetenz heraus neue technologische Möglichkeiten oder leben bereits den Lebensstil von morgen.

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Intrapreneure wurden als Unruhestifter abgetan

Diese Merkmale der Intrapreneure sollten im Management mit Blick auf unsere heutige volatile, unvorhersehbare, komplexe und mehrdeutige Welt (VUCA) vermeintlich auf großen Zuspruch treffen.

Leider hat sich aber unter der Prämisse der Effizienzoptimierung der letzten Jahre ein anderes Muster manifestiert: Intrapreneure wurden als kompliziert abgstempelt, teils sogar gemobbt, wenn sie mit ihren Ideen für zusätzliche Schleifen in Projekten und Mehrarbeit für Kollegen sorgten. Das Unternehmen als Organismus stößt Störfaktoren schlicht ab und zwingt sie in die Uniformität.

Es ist nun an der Zeit, diese Entwicklung umzukehren: Die Geschwindigkeit, mit der Veränderungen eintreten, steigt kontinuierlich, ebenso die Dynamik von Märkten und Zielgruppen – Unternehmen müssen handeln und Intrapreneure können die notwendigen Impulse zur Weiterentwicklung geben. Ja, sie erzeugen auch Schmerzen. Und genau darin liegt ihr Mehrwert. Sie sind der Motor, der kontinuierliche Innovationen – tatsächlich verankert im Unternehmen – hervorbringen kann.

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Unternehmen können es sich schlichtweg nicht mehr leisten, sich auf Effizienzsteigerungen im Geschäftsmodell und moderaten Weiterentwicklungen von Jahrzehnte alten Produkte auszuruhen. Das widerspricht den Erfolgen, die disruptive Startups in traditionellen Branchen aufweisen, ebenso wie den durch den Markt beflügelten Erwartungen von Kunden.

Diese setzen heute die innovative Weiterentwicklung von Angeboten voraus und wandern ab, wenn Unternehmen dem nicht nachkommen. Loyalität zu alten Marken mit enttäuschenden Produkten und Services existiert nicht mehr.

Statt also Intrapreneuren den Weg zu versperren, sollte das Management sie mitsamt ihrer Arbeitsweise zelebrieren. Doch dafür ist ein Kulturwandel notwendig, den es bewusst zu gestalten gilt. Die Organisation muss von oben aufgerüttelt, Prozesse und Strukturen aufgebrochen und die Effizienzoptimierung zumindest zeitweise unterbunden werden.

In dieser herbeigeführten Intervention lautet die Botschaft an Intrapreneure: Um den mit Unwissenheit und Unsicherheit gepflasterten Weg Richtung Zukunftsfähigkeit zu gehen, steht der Raum für neue und radikale Lösungen weit offen. Dafür gilt es einen klar strukturierten und schnellen Innovationsprozess zu etablieren oder – wenn die Organisation zu starr und verkrustet ist – Hilfe von Außen zu holen, sodass sich Intrapreneure zeigen können.

Voraussetzungen für Intrapreneurship

Die beschriebene Persönlichkeit können wir niemandem beibringen. Sie ist da oder nicht. Was das Management jedoch tun kann, ist, diese Personen zu unterstützen; sie nach vorne bringen, es ihnen ermöglichen, Ergebnisse zu erzeugen und entlang des Prozesses Räume kreieren sowie die Teamkonstellation ergänzen, um damit eine ergebnisorientierte Arbeitsweise zu orchestrieren. Drei Dinge braucht es, um die Aktivitäten von Intrapreneuren gezielt zu fördern:

1. Die notwendigen Freiräume

Intrapreneure müssen abseits ausgetretener Pfade neue Arbeitsweisen explorieren und Annahmen über Markt und Nutzer in Wissen umwandeln. Dabei sollten sie nicht von lang gewachsenen Prozessen und Strukturen – wie etwa Reporting-Pflichten, Vorgaben des mittleren Managements, oder das Verharren in Tools, die schon immer genutzt wurden – behindert werden.

2. Echte Perspektiven

Mit Blick auf die Niederlagen, welche Intrapreneure durch das Hervorbringen ihrer Ideen in der Vergangenheit erlebten, ist es nur logisch, dass ihnen neue Perspektiven aufzuzeigen sind. Es muss ihnen möglich sein, die nächsten Schritte ihrer Projekte selbst weiterzugehen und dabei nicht von dem Unternehmen ausgebremst zu werden. "Unser Unternehmen ist noch nicht so weit", ist einer der Sätze, die in diesem Kontext nicht fallen sollten.

3. Das richtige Team

Intrapreneure sind keine Lonely Rider. Sie brauchen Menschen, die ihnen bei der Erreichung der Vision zur Seite stehen. Das ideale Team vereint drei Funktionen:

1) Intrapreneure als Macher und Treiber eines Projektes

2) Netzwerker mit hoher Sozial- und Kommunikationskompetenz

3) Machtpromotoren als Schutzschirm und zum Stellen politischer Weichen

Der Weg zu Intrapreneurship und einem hohen Reifegrad an Innovationsfähigkeit im Unternehmen zieht massive Veränderungen mit sich. Er sollte bedacht gegangen werden – mit Methodik und Offenheit. Methodik, was neue Arbeitsweisen und Rollen angeht. Und Offenheit, als Unternehmen ständig Neues über sich selbst zu lernen, auf Feedback zu reagieren und den Prozess entsprechend anzupassen.

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Über den Autor: Lukas Golyszny ist einer der Gründer und Geschäftsführer von Service Innovation Labs. Die Berliner Innovationsberatung entwickelt neuartige Services mit innovativen Geschäftsmodellen und unterstützt Unternehmen bei der Transformation ihrer Organisation.

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