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Karriere Gesundheit Stress

Wenn die Arbeit den Schlaf raubt

Anspannung, Unruhe, Schlafstörungen: 82 Prozent der Arbeitnehmer spüren laut einer Umfrage die Folgen von Stress am Arbeitsplatz – und nur 25 Prozent glauben, dieses schwierige Thema mit dem Chef besprechen zu können. Wie betriebliches Gesundheitsmanagement helfen könnte - und warum die Maßnahmen für den Mitarbeiter oft unsichtbar sind.

82 Prozent der Arbeitnehmer spüren laut einer Umfrage Stress am Arbeitsplatz (Bild: Fotolia)
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Die Ergebnisse der Studie, die das Karrierenetzwerk LinkedIn in Auftrag gegeben hatte, sind alarmierend: Vier von fünf Arbeitnehmern leiden an den Auswirkungen von Stress im Büro – von Anspannung (57 Prozent) und Unruhe (44 Prozent) bis hin zu Schlafstörungen (40 Prozent). Und noch erschreckender: 40 Prozent der online Befragten gaben an, dass ihre Arbeitgeber keinerlei Präventionsmaßnahmen anbieten. Wird das mentale Wohlbefinden in deutschen Unternehmen wirklich als so unwichtig angesehen?

Jerobeam Rückert verantwortete in den vergangenen Jahren das betriebliche Gesundheitsmanagement in verschiedenen Unternehmen – den Teilbereich also, der sich um die "gesundheitsförderliche Gestaltung von Strukturen und Prozessen und […] die gesundheitsförderliche Befähigung der Beschäftigten" bemüht, so die Definition einer Expertenkommission.

"Der offene Austausch zwischen Mitarbeiter und Führungskraft ist sehr schwierig"

Rückert unterscheidet zwischen sichtbaren und unsichtbaren Maßnahmen im betrieblichen Gesundheitsmanagement: "Die Maßnahmen, die von den Mitarbeitern wahrgenommen werden, sind aus meiner Sicht oft nicht diejenigen Maßnahmen, die darauf einzahlen, dass man den Stresszustand lindert", sagt Rückert, der heute selbst ein Unternehmen leitet.

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Hinter den Kulissen werde in vielen Firmen bereits viel getan – Stichwort psychische Gesundheit und Führungskräfteentwicklung: „Das beginnt mit der eigenen Vorbildfunktion, geht über gegenseitige Wertschätzung und Feedback bis hin zum tatsächlich offenen Austausch über die jeweils wahrgenommenen Belastungen in der Arbeit. Letzteres ist sehr schwierig und bedarf eines hohen Vertrauens zwischen Mitarbeiter und Führungskraft."

Ein Vertrauen, das offenbar in vielen Fällen nicht besteht: 42 Prozent der online Befragten gaben an, dass die Führungsebene kein Interesse an der Thematik zeige. Auch Stress und psychische Probleme bei Kollegen oder dem Chef zu thematisieren, scheint vielen Mitarbeitern schwerzufallen: Nur 25 Prozent gaben an, das Thema mentales Wohlbefinden am Arbeitsplatz mit der eigenen Führungskraft anschneiden zu können.

Oft herrscht Angst, nach Ansprechen des Themas beruflich benachteiligt zu werden. Rückert glaubt allerdings nicht, dass es sich dabei um Desinteresse von Führungsseite handelt – vielmehr um Unsicherheit, mit der Situation umzugehen.

Auch die Führungskraft hat Anspruch auf Handlungshilfen

"Von Managementseite her fehlt aus meiner Sicht allerdings zum Teil noch die Einsicht, dass Führung heute 'mehr' bedeutet. Um dieser komplexer werdenden Verantwortung gerecht zu werden, wird auch mehr Zeit benötigt – Zeit, die heute angesichts von großen Führungsspannen, dezentralen Teams und dergleichen noch nicht durchgängig berücksichtigt wird. Viele Führungskräfte haben noch zu viele operative Themen auf dem Tisch."

Neben ausreichend Zeit, um sich mit der Thematik zu beschäftigen, sind es vor allem Feingefühl und das nötige Handwerkszeug, die Führungskräfte für Gespräche mit einem gestressten Mitarbeiter benötigen – denn ebenso wie der Untergebene das Recht hat, ein Gespräch zu suchen, hat die Führungskraft Anspruch auf Handlungshilfen für den Akutfall.

"Für jemanden, der selbst noch nie in der Lage einer akuten psychischen Belastung war, ist es vermutlich sehr schwer nachzuvollziehen, wie es dem anderen geht", sagt Jerobeam Rückert. Er empfiehlt, dass praktizierende Psychologen die Schulungen der Führungskräfte übernehmen: "Das ist authentisch und macht eine sowieso schon sehr schwierige Sache einigermaßen begreifbar."

Vorrangiges Ziel der Schulung sei dabei für die Führungskraft, rechtzeitig zu erkennen, wenn Hilfe benötigt wird. Im besten Fall kommt es jedoch nicht zu diesem Worst Case: „Einen Schritt vorher greifen aus meiner Sicht die Führungsprogramme der jeweiligen Arbeitgeber – das ehrliche Interesse am Mitarbeiter sollte in solchen Programmen immer enthalten sein“, sagt Jerobeam Rückert. Wenn der Chef sich – Stichwort stärkenorientierter Einsatz und Sinnstiftung - auch dafür verantwortlich fühlt, dass die Mitarbeiter gut arbeiten können und sich im Job wohl fühlen, können Stress und fehlendes Wohlbefinden am Arbeitsplatz zeitnah erkannt und dagegen angegangen werden.

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Mehr Frauen fühlen sich häufig oder immer gestresst

Bedarf an geschulten Chefs und Verbesserungen am Arbeitsplatz gibt es, keine Frage: So fühlen sich 30 Prozent der männlichen und gleich 37 Prozent der weiblichen Arbeitnehmer sogar häufig oder immer gestresst.

Ein geschlechtsspezifischer Unterschied, der zumindest bei arbeitenden Müttern auf gesellschaftliche Ungleichheiten zurückzuführen sein könnte, so Jerobeam Rückert: „Wir sprechen zwar immer über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, leben dies aber noch nicht durchgängig. Oft bleiben viele der Aufgaben im privaten Umfeld bei der Frau hängen, weil der Mann den Vollzeit-Job hat. Versteht man diese Aufgabe als Job, so liegt doch auf der Hand, dass es viel herausfordernder ist, zweimal einen guten Job zu machen als nur einen."

Zur Studie: Die Umfrage wurde auf Auftrag des Karrierenetzwerks LinkedIn vom Marktforschungsinstitut YouGov durchgeführt. Die Antworten wurden in einer Online-Befragung ermittelt, an der 1.056 Berufstätige mit fester Anstellung (sämtlicher Branchen und ausgenommen Selbstständige und Freiberufler) teilnahmen.

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