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Apple will mit Datenschutz einen Vertrauensvorschuss generieren (Foto: © Wang Lei Xinhua / eyevine / laif)
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Wenn Datenschutz zum Feature wird

Während Unternehmen wie Facebook, Google und Amazon das Erheben persönlicher User-Daten sowie deren Weiterverkauf zum Geschäftsmodell erhoben haben, dokumentiert Apple auf der neuen Seite jetzt besonders deutlich, dass die Produkte das Geschäftsmodell des Konzerns sind, nicht die Daten der Kunden.

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Vier große staatliche US-Investoren wollten einfach mal ein Zeichen setzen: Neben dem Rechnungshof New York City begrüßten am späten Mittwochabend auch die Investment-Fonds der US-Bundesstaaten Illinois, Pennsylvania und Rhode Island einen Vorschlag des Hedgefonds Trillium Asset Management, dass Mark Zuckerberg bei Facebook nach den massiven Daten-Skandalen der letzten Wochen und Monate doch bitte seinen Posten als Verwaltungsratchef bei Facebook räumen möge.

Der Facebook-Gründer kontrolliert sein Unternehmen allerdings derart, dass nur Mark Zuckerberg selbst Mark Zuckerberg absetzen kann. Schließlich ist der Mann nicht nur Verwaltungsratschef, sondern in dem Unternehmen auch Vorstandsvorsitzender.

Insofern ist der aktuelle Vorschlag, Zuckerberg abzusetzen, eher ein symbolischer Akt. Er zeigt allerdings auch, wie viel Vertrauen Facebook und sein Gründer inzwischen verspielt haben. Denn neben dem Cambridge-Analytica-Skandal macht Facebook gefühlt im Wochentakt Schlagzeilen mit seinem laxen Umgang mit Daten und Datenschutz.

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Google, Facebook und der Datenschutz

Erst im September hatte Facebook einen neuerlichen Hacker-Angriff auf den Konzern entdeckt und einen „Zugriff“ auf persönliche Daten eingeräumt. Zunächst hieß es, 50 Millionen User seien betroffen. Einige Tage später relativierte Facebook-Produktchef Guy Rosen die Zahl: „Nur“ 30 Millionen Accounts standen im Visier.

Access-Tokens seien entwendet worden. Bei 14 Millionen Nutzern gelang der Zugriff auf persönliche Daten, bei weiteren 15 Millionen wurden „nur“ die Mailadresse und die Telefonnummer kompromittiert. Aus dem „Zugriff“ wurde in Rosens Erklärung dann ein „Abgreifen“.

Die immer neuen schlechten Nachrichten über Sicherheitsprobleme von Facebook fallen zusammen mit einer Nachricht aus dem Google-Konzern, die die Netzgemeinde vor rund einer Woche verstört zurückgelassen hatte: Google hatte bekanntgegeben, dass das soziale Netzwerk Google+ geschlossen werde.

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Hauptgrund war nicht etwa die Erkenntnis, dass 90 Prozent der Sessions bei Google+ im Schnitt nur fünf Sekunden gedauert hatten. Die plötzliche Abschaltung war vor allem einem massiven Sicherheitsleck geschuldet, das es Drittanbietern bereits seit 2015 ermöglichte, auf Daten der Nutzerprofile von Google+ zuzugreifen.

Das Leck wurde allerdings im März 2018 von Google entdeckt. Der wohl erste erwartete Reflex, die Google+-Usergemeinde zu informieren, blieb aus, obwohl Stand jetzt fast 500.000 User-Namen samt Mailadressen, Geburtsdatum, Geschlecht, Profilfotos, Wohnort, Beruf und Beziehungstatus für 438 Drittanbieter von Apps offenlag.

Erst das Wall Street Journal (nicht Google selbst) deckte den Skandal auf. Das WSJ hatte aus hausinternen Google-Meetings zitiert. Dort waren die Verantwortlichen der Ansicht, man sei während des Cambridge-Analytica-Skandals „unter dem Radar“ der Öffentlichkeit geflogen. Eine Offenlegung würde womöglich dazu führen, dass Google neben Facebook oder sogar anstelle von Facebook ins Visier der Datenschützer geraten würde.

Eine absurde Begründung einerseits. Andererseits der wohl letzte Beweis, den sich User von Facebook und/Google vor Augen halten müssen: Sicher ist nur, dass beide Unternehmen generell ihr Geld mit Daten verdienen, die sich an Drittanbieter auch weiterverkaufen lassen, um die Umsätze zu steigern. Und Google+ war 2011 einst als „Antwort auf Facebook“ entstanden.

Der Datenschutz wird bei Apple zum Feature

Dies alles muss sich die Netzgemeinde sicher noch einmal vergegenwärtigen, um den Schritt zu verstehen, den Konkurrent Apple jetzt geht. Hatte das Unternehmen aus Cupertino zwar auch schon seit Monaten mit einer kleinen, aber recht braven Webseite über seine Art des Datenschutzes informiert, nimmt Apple die neuerlichen Vorgänge um Facebook und Google aktuell zum Anlass, eine komplett neue Seite zum Umgang mit dem Datenschutz in dem Konzern zu veröffentlichen – auch in Deutschland ist die Seite jetzt an den Start gegangen.

Zwar ist man intern bei Apple weiterhin der Ansicht, den User nicht mit Kleingedrucktem zum Datenschutz zu überfrachten, allerdings hat in der Konzern-Zentrale schon ein Umdenken stattgefunden: Der Datenschutz wird bei Apple zum Feature!

Während Unternehmen wie Facebook, Google und Amazon das Erheben persönlicher User-Daten sowie deren Weiterverkauf zum Geschäftsmodell erhoben haben, dokumentiert Apple auf der neuen Seite jetzt besonders deutlich, dass die Produkte das Geschäftsmodell des Konzerns sind, nicht die Daten der Kunden.

In Zeiten unsicheren Datenschutzes, im dem führende Unternehmen zum Einfallstor für kriminelle Datenhacker werden können und die Lücken teils über Jahre nicht einmal selbst entdecken, wirkt der Schritt von Apple mehr als überfällig, da er gute zusätzliche Verkaufsargumente für die Apple-Produkte liefern kann, vor allem bei bisher eher gleichgültigen Usern.

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Apple will sich einen Vertrauensvorschuss erarbeiten

Wie ernst Apple den Schritt nimmt, den hauseigenen Datenschutz offensiver zu proklamieren, verdeutlicht auch, dass Apple-CEO Tim Cook am kommenden Mittwoch als Keynote-Speaker in Brüssel die Eröffnungsrede auf der Datenschutzkonferenz der EU („40th annual International Conference of Data Protection and Privacy Commissioners“) halten wird.

Passend dazu hatte Apple schon in der vergangenen Woche eine Erklärung vor dem australischen Parlament abgegeben, in der der Konzern die Bedeutung einer starken Verschlüsselung und das Risiko von Hintertüren auf sieben Seiten dokumentiert hat.

Währenddessen brüten US-Politiker in Washington noch immer über einem Bundesgesetz, das Datenverstöße mit hohen finanziellen Strafen ahnden soll. Europa ist da schon weiter: Datenlecks müssen innerhalb von drei Tagen gemeldet werden, Verstöße können mit bis zu vier Prozent des weltweiten Umsatzes geahndet werden.

Mit seinen Initiativen könnte sich Apple auch in Europa einen Vertrauensvorschuss erarbeiten, den Google und Facebook wohl nie wieder erreichen können. So weist Apple etwa darauf hin, man könne zum Beispiel bei Apple Music Nutzerprofile erstellen und diese dann auch weiterverkaufen, doch man verweigere sich dieser Art von Geschäft. In den USA ist eine solche Praxis bei konkurrierenden Streaming-Diensten wie Spotify, Google Play Music oder Pandora schon länger üblich.

Datenlecks in den zuletzt gesehenen Größenordnungen, betonte Tim Cook in einem VICE-Interview, seien bei Apple überhaupt nicht möglich, da der Konzern persönliche Daten des Users nur auf dem Gerät des Kunden belasse. Apple selbst könne darauf gar nicht zugreifen. Cook erzählte, er fordere seine Ingenieure sogar permanent „zur Datensparsamkeit“ auf, und dazu, „bereits während des Produktdesigns so wenig wie möglich Daten zu erheben“.

Bewegungsprofile ade

Das Datenschutz-Versprechen von Apple wird (detailliert ausgebreitet auf der neuen Sonderseite und auch einem 36-seitigen Whitepaper) in zahlreichen Bereichen untermauert. So haben Apple-Anwender dank „Intelligent Tracking Prevention“ beispielsweise die volle Kontrolle über Buttons zum Teilen und Kommentar-Widgets, die Firmen nutzen, um Browser-Verläufe im Internet zu verfolgen.

Das neue macOS Mojave erschwert Werbungtreibenden zudem das Fingerprinting ungemein. Normalerweise lässt sich beim Surfen im Netz etwa die Geräte-Konfiguration identifizieren. Mojave entfernt diese eindeutigen Identifizierungen. Mit einem neuen Passwortsystem erkennt die Software, wenn du auf einer neuen Webseite ein Passwort eingibst, das du schon mehrfach verwendet hast.

Die Software kann dieses Passwort dann durch ein sicheres und starkes Passwort direkt auf der Webseite ersetzen. Und in Apple Maps gibt es natürlich die Routenführung, diese speichert dein Bewegungsprofil aber nicht. Die Route wird zuvor in mehrere Teile zerlegt. So ist für Apple nicht zu erkennen, wo du langgelaufen oder langgefahren bist. Kurzum: Bewegungsprofile ade – im Gegensatz etwa zu Google Maps.

Apples Datenschutz-Offensive basiert auf interessanten Studien, die zeigen, dass gerade User in den USA die unsichere Datenlage speziell bei Facebook in den letzten Jahren eher gleichgültig registrieren, ohne dass in großer Zahl Accounts gelöscht würden. Mit dem Cambridge-Analytica-Skandal hat sich das Blatt aber offensichtlich bei vielen US-Usern gewendet. Assets wie Datenschutz könnten bei Kaufentscheidungen immer wichtiger werden.

Und Portal? Ist halt Facebook

Und die Konkurrenten, so sieht es auch aktuell aus, dürften Konzernen wie Apple, die versprechen, deine Daten nicht zu einem Produkt zu machen, weiter in die Hände spielen. Gerade erst hatte Facebook seinen Echo-Show-Konkurrenten Portal (LEAD berichtete) mit den Worten vorgestellt, das Gerät solle Freunde und Verwandte durch einen Videochat verbinden und, so zumindest Facebooks Hoffnung, bald in jedem Haushalt stehen.

Zur Präsentation erklärte Facebook das smarte Gerät, das auch den Bewegungen im Raum folgen kann und automatisch zoomt, um alle Anwesenden im Blick zu behalten, noch als ein Beispiel dafür, dass Facebook bei Portal „alles für die Sicherheit und Privatsphäre“ unternommen habe. Man speichere keine Chats, verschlüssele Video-Chats, identifiziere keine Personen und – das Entscheidende – keine von dem Gerät gesammelten Daten würden für Werbung genutzt.

Wenige Tage später musste Facebook einräumen, dass ein Tracking entgegen ersten Ankündigungen doch möglich sei. Portal zeige zwar selbst keine Werbung, doch das Produkt könne Infos zu geöffneten Apps auf Portal abrufen und an Werbungtreibende zum Personalisieren von Werbung verkaufen. Unterm Strich sammelt Portal nun die gleichen Nutzerdaten wie der Facebook Messenger, mit dem Portal verknüpft ist, um Freunde zu finden.

Die Erklärung, dass doch getrackt werden könne, war kaum raus, da ebbte der Sturm der Entrüstung auch wieder ab. Ist halt Facebook.

Doch der Konzern weiß, wie er seine Produktwelle weiter reitet: Jüngsten Gerüchten zufolge plant Facebook nach Portal jetzt auch noch ein eigenes Fernseh-Gerät. Das „Project Ripley“ könnte bereits im kommenden Frühjahr präsentiert werden – mit eigener Kamera…

Auch interessant: Warum Facebook noch lange nicht am Ende ist

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