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Facebook Symbolfoto 2 Credit Pixabay Com
Wäre das Facebook von morgen dann noch das Facebook, wie wir es heute kennen? (Foto: Pixabay.com)
Facebook Daten Datenschutz

Was wäre, wenn Facebook ernst macht?

In seinem neuen 3200-Wörter-Manifest legt Gründer Mark Zuckerberg ein großes Datenschutz-Bekenntnis ab. Mal angenommen, es wird wirklich umgesetzt: Wie verändert sich Facebook, wie wir es heute kennen?

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Am Mittwoch hatte es Facebook-Gründer Mark Zuckerberg tatsächlich mit einer positiven Meldung in die Nachrichten geschafft – und auch weltweit mit einem 3200-Wörter-Manifest Aufsehen erregt.

Eine News ohne (Daten-)Skandal: Messages würden endlich privat, künftig nicht nur Ende-zu-Ende-verschlüsselt, sondern auch nicht mehr dauerhaft zu sehen sein, sich nach einer bestimmten Zeit selbst löschen. Zudem wolle Facebook weniger Metadaten zu Nachrichten-Inhalten speichern und diese dann auch nur für einen möglichst kurzen Zeitraum aufbewahren.

"Religiöse Bekehrung"

Kritiker waren sofort zur Stelle. Und spotteten, wie zum Beispiel der ehemalige legendäre Wall-Street-Journal-Autor und AllThingsD-Mitgründer, Walt Mossberg: Wie lange glaube denn Zuckerberg selbst an seine Aussagen - "einen Tag, eine Stunde?". Und New-York-Times-Autor John Herrman fragte verwundert, warum Zuckerberg der erstaunten Facebook-Gemeinde nicht Details seiner "religiösen Bekehrung" mitteile.

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Zwei Tage später: ein neues Leck

Manchmal geht alles ganz schnell. Bevor Zuckerberg weitere Details präsentieren konnte (falls er es denn gewollt hätte), holte den Konzernführer die Wirklichkeit auch schon wieder ein: Sicherheitsforscher haben eine Privatsphäre-Lücke im Facebook Messenger entdeckt. Das gleiche Leck war schon 2018 aufgetaucht und damals "behoben worden". Der Bugfix aber führte, wie sich jetzt herausstellt, zu einer neuen Sicherheitslücke.

Wird über den Messenger ein Link versendet, kann er dazu genutzt werden, ausfindig zu machen, wer sich gerade mit welchem anderen Nutzer unterhält und ob es Zugriff auf die Kontaktliste gab. Facebook schritt unmittelbar ein und behob den Fehler. Ob daraus eine neue Sicherheitslücke entsteht, wird sich erst in einigen Wochen, vielleicht sogar Monaten herausstellen.

Auch interessant: Facebook-Newsfeed: Kommunizieren, nicht konsumieren

Aber was wäre wirklich, wenn…?

Bis dahin gilt, mal wieder, Zuckerbergs Wort. Schon einmal, 2014, hatte Zuckerberg nach einem Hack der Facebook-Server demonstriert, dass Facebook - bzw. nur er - Nachrichten umgehend löschen kann. Wenn er es denn will. Allein, es fehlt der Glaube, dass er solche Tools allen Facebook-Usern an die Hand geben will.

Und trotzdem! Mal angenommen, Facebook würde endlich, endlich ernst mit der Datensicherheit machen: Wäre das Facebook von morgen dann noch das Facebook, wie wir es heute kennen? Nein, sagt der renommierte US-Blogger Casey Newton und skizziert in seiner spannenden Analyse, was es bedeuten würde, wenn Zuckerberg seinen Plänen Taten folgen lassen würde.

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Kunden lieben es bequem

Längst reicht es nicht mehr, Kunden nur zu begeistern. Man muss sich auf die Gewohnheiten des Nutzers ausrichten, um erfolgreich zu sein. Können dabei Chatbots, Dashbots und Wearables helfen? Ja, aber nicht allein. Die User-Experience muss einfach besser werden. Wie das geht, zeigt das LEAD Bookazine 4/2018!

Facebook bräuchte ein neues Geschäftsmodell

Bisher konzentriert sich Facebook im Kerngeschäft auf den Newsfeed, gerade auch zum Aufspielen von Werbung. Doch Untersuchungen zeigen, dass die Attraktivität der Timeline für viele User geringer geworden ist.

Viele jüngere Nutzer weichen auf Twitter und Instagram (eine Facebook-Tochter) aus oder tauschen sich über die andere Facebook-Plattform, den WhatsApp-Messenger, aus. Dieser neue Dezentralismus gefährdet den Erfolg von Facebook. Und mehr Privatheit macht es schwerer, zielgerechte Werbung auf Facebook zu präsentieren, um Werbe-Umsätze zu halten oder im besten Fall zu steigern.

Facebook würde sich zur Handels-Plattform entwickeln

Bereits jetzt, so Newton, seien Handel und Zahlungen "in Facebook allgegenwärtig". Instagram werde immer mehr zur E-Commerce-Plattform und Facebook selbst entwickle eine eigene Kryptowährung. So könnte Zuckerberg Facebook tatsächlich zu einer "Dienstleistungs-Plattform für private Dienste und Geschäftsleistungen" ummodeln. Eine Aufgabe, die aber Jahre in Anspruch nehmen könnte. Jahre, die die Aktionäre Zuckerberg wohl nicht geben würden.

Facebook würde in einigen Ländern verboten werden


Würde der Konzern die Datensicherheit wirklich umsetzen, gäbe es Probleme in Ländern mit diktatorischen Attitüden wie Russland oder China. Staatliche Stellen mahnen schon lange an, dass große Unternehmen ihre Daten lokal auf Servern der jeweiligen Länder speichern müssen. Strafverfolgungsbehörden in den genannten Ländern wollen so einfacher Zugriff auf Daten ihrer Bürger erlangen. Eine „Privatisierung“ von Facebook ließe sich in diesen Ländern also eigentlich nicht vollziehen. Beharrt Facebook aber auf seinen neuen Regeln, droht ein Verbot der Plattform und damit der Verlust von Millionen Usern.

Andererseits: Gewinn an Glaubwürdigkeit

Andererseits würde ein Verbot in solchen Ländern auf die (neue) Glaubwürdigkeit des Unternehmens, auch in den USA, einzahlen. Aktuell positioniert sich beispielsweise Apple als DAS US-Unternehmen, das für den Schutz privater Daten steht.

Der Konzern aus Cupertino lehnt sich permanent gegen Strafverfolgungsbehörden wie das FBI auf, das iPhones von Kriminellen knacken will – aber nicht kann (nur mit Hilfe spezieller Tools, die sich zum Beispiel Firmen wie das israelische Sicherheitsunternehmen Cellebrite teuer von den US-Regierungsbehörden bezahlen lassen).

Facebook könnte an Apples Seite rücken, als Verteidiger der Freiheit des Einzelnen. So ließen sich auch User zurückgewinnen. Denn allein in den USA verlor Facebook 2018 im Vergleich zum Vorjahr 15 Millionen User, gerade in der werberelevanten Zielgruppe der 12- bis 34-Jährigen kehrten viele Facebook den Rücken.

Und was kommt wirklich?

Zuckerberg jedenfalls muss wieder einmal an seinen eigenen Worten gemessen werden. Zu oft erwiesen sich seine Aussagen in den letzten Jahren als unglaubwürdig. Autor Newton erinnert daran, dass Zuckerberg vor vier Jahren versprach, der Newsfeed werde bald zur Hauptsache durch Videos bespielt.

Das hat sich ebenso wenig bewahrheitet wie Zuckerbergs Ankündigung 2016, Facebook werde "eine soziale Infrastruktur" entwickeln. Was damit gemeint war, erschließt sich bis heute niemandem.

Das Dilemma mit "Clear History"

Schon länger hat der Facebook-Gründer auch das Datenschutztool "Clear History" versprochen. Damit sollen User die Option erhalten, Informationen zu löschen, die Facebook aus der Nutzung von Drittanbieter-Apps und -Webseiten für die Personalisierung von Werbung herausfiltert.

Ende Februar aber hat Facebook auf einer Konferenz des Bankhauses Morgan Stanley einräumen müssen, das Tool komme "erst später im Jahr". Der Grund: Die Clear-History-Funktion schränke Facebooks Fähigkeit ein, passende Werbung einzuspielen.

An diesem Beispiel zeigt sich wieder der große Zwiespalt, in dem der Facebook-Konzern steckt.

Womöglich noch für Jahre. Womöglich für immer.

Auch interessant: Facebook: Dreckiges Spiel hinter den Kulissen

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