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Marion Sardone hat ein besonders feines Gespür für Sprache (Foto: Marion Sardone/Microsoft)
Yvonne Göpfert Job Microsoft

Was macht eigentlich ein... Personality Designer?

Marion Sardone ist das "Hirn" von Cortana: Sie entscheidet, was Microsofts Künstliche Intelligenz lernt.

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Blonder Lockenschopf. Wache Augen. Freundliches Lächeln. "Hallo. Ich bin die deutsche Cortana." So stellt sich Marion Sardone selbstbewusst vor. Und darin gleicht sie der Persönlichkeit, der sie tagtäglich ein bisschen mehr Wissen in den Mund legt: Cortana, der Künstlichen Intelligenz von Microsoft. Wie alle Sprachassistenten soll auch Cortana möglichst auf alles eine Antwort haben. Und das bedeutet, dass sie viel lernen muss. Was sie lernt und wie sie sich ausdrückt, da hat Marion Sardone ein Auge drauf.

LEAD hat Marion Sardone gefragt, wie ein Arbeitstag bei ihr aussieht und was ein Personality Designer oder Personality Crafter ist.

Was machst du den lieben Arbeitstag lang?

Meine Arbeit ist sehr abwechslungsreich. Zum einen analysieren wir, was die Leute Cortana so fragen. Und wie oft bestimmte Fragen gestellt werden. Am häufigsten soll Cortana den Nutzern übrigens Witze erzählen. Dann beleuchten wir, welche Antworten (und natürlich welche Witze) super funktionieren und welche nicht und überlegen uns, warum.

Weiter machen wir eine Content-Planung. Dafür fragen wir uns, was in den nächsten Monaten ansteht und sprechen uns hier mit unseren internationalen Kollegen ab. Unsere nächsten Themen sind zum Beispiel die Fußball-WM, Ostern oder der Eurovision Song Contest. Dabei definieren wir, ob die Inhalte eher ernsthaft oder auch mal mit Witz versehen sein sollten. Und weil viele Menschen nicht wissen, was sie Cortana fragen könnten, überlegen wir uns Folgefragen zu bestimmten Themen. Hat jemand beispielsweise gefragt: "Wie macht der Hund?" und die Antwort lautet "wauwau", so könnte eine Folgefrage sein: "Und wie macht die Maus?"

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Und schließlich machen wir den Personality-Check: Denn alles, was Cortana sagt, muss zu ihrer Persönlichkeit passen. Und jeder Content wird daraufhin überprüft. Cortana ist höflich. Je nach Land gibt es jedoch unterschiedliche Formen der Höflichkeit.

In Großbritannien beispielsweise sind einwandfreie Manieren und britische Etikette relevant. Sie antwortet beispielsweise auf "Hello" im Englischen mit "Hello to you too" und nicht einfach "Hi". Im Deutschen ist Cortana in ihrer Höflichkeit etwas salopper. Weiter würde Cortana nie etwas Negatives gegen jemanden oder über andere sagen. Leider wird Cortana auch häufig beschimpft. Aber Cortana würde nie zurückschimpfen. Wir wollen niemanden ermutigen, jemanden weiter zu beleidigen. Cortana spricht sich daher deutlich für Höflichkeit aus. Wie Cortana sich hier am besten benimmt – da haben wir lange dran gefeilt. Und wenn der Nutzer schlecht drauf ist, versucht sie ihn aufzumuntern. Sie würde jedoch nie den Pausenclown spielen. Und schließlich unterscheidet sich je nach Land Cortanas Humor. Nur eines ist für alle Länder gleich: Cortana erzählt niemals Blondinenwitze, keine religiösen Witze und auch keine rassistischen Witze.

Aber auch der stimmliche Ausdruck von Cortana fällt in mein Aufgabengebiet. So schicken Sprachdesigner mir regelmäßig sogenannte Ton-Fonts, also kleine Tonschnipsel. Ich beurteile dann, ob die Sprachmelodie passt, die Länge der Betonungen und die Intonation korrekt ist oder ob die Pause nach einem Komma lang genug ist.

Welche Erfahrungen helfen dir in deinem Alltag am meisten? Warum?

Ich habe Sprachwissenschaften, Informatik und Politik an der LMU München und in Barcelona studiert. Während des Studiums hatte ich bei Microsoft einen Studentenjob: Ich war German Terminologist. Ich musste also viel übersetzen. Denn ein Terminologist definiert, wie Übersetzungsbüros Fachausdrücke für ein Unternehmen übersetzen sollen. Für Microsoft musste ich zum Beispiel festlegen, ob „to download“ auf Deutsch „herunterladen“ oder „downloaden“ heißen sollte. Das hat mich für sprachliche Feinheiten sehr sensibel gemacht. Und das kommt mir heute zugute.

Was findest du an deinem Job am spannendsten? Was macht am meisten Spaß?

Am spannendsten ist die internationale Zusammenarbeit. Ich lerne jeden Tag etwas Neues über andere Kulturen. Franzosen sind zum Beispiel viel "hierarchischer" als die Deutschen: In Frankreich siezt Cortana die User, in Deutschland werden die Nutzer geduzt. Und natürlich spielt der Umgang mit der nationalen Identität eine Rolle. Wenn Italiener Cortana nach italienischen Liedern fragen, so erscheint im italienischen Liedrepertoire automatisch auch die italienische Nationalhymne. In Deutschland ist das undenkbar.

Dein Job ist unverzichtbar, weil…

… Sprachassistenten die Zukunft sind. Doch damit sie richtig gut funktionieren, müssen sie für all die schwierigen Fragen dieser Welt fit gemacht werden. Hier kann ich viel Wissen und Erfahrung einbringen und Cortana jeden Tag ein Stückchen besser machen.

Wenn du nicht Personality Designer wärst, was wärst du dann gern von Beruf?

Ich probiere gerne Neues aus und langweile mich schnell, daher wäre ich am liebsten jedes Jahr etwas anderes: Synchronsprecherin, Psychologin, Tierärztin sind die drei, mit denen ich anfangen würde!

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