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Prof Forsting Cr Uniklinikum Essen
Prof. Dr. med. Michael Forsting ist Deutschlands erster medizinischer Direkter der IT (Bild: Universitätsklinikum Essen)
IT Jobprofile Gesundheit

Was macht eigentlich... ein medizinischer Direktor der IT?

Normalerweise arbeiten Ärzte am Menschen und IT-ler mit Bits und Bytes. Doch im Rahmen der Digitalisierung kann die Zusammenarbeit von Arzt und IT sinnvoll sein. Dann entsteht ein Berufsbild wie das des medizinischen Direktors. Bislang ist der Job von Prof. Dr. med. Michael Forsting einzigartig in Deutschland.

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Medizinischer Direktor der IT

Name: Prof. Dr. med. Michael Forsting

Alter: 57

Ausbildung: Studium an der RWTH Aachen und der Universität Bern

Unternehmen: Uniklinikum Essen

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Was machst du den lieben Arbeitstag lang?

Neben meinen Aufgaben als Arzt bin ich dafür zuständig, die Digitalisierung im Uniklinikum Essen zu begleiten. Die Uniklinik besteht aus 27 Kliniken – Kardiologie, Onkologie, Kinderklinik, Radiologie oder Frauenklinik, um nur ein paar zu nennen – und 24 Instituten. Die Prozesse zu digitalisieren und zwar so, dass es für alle Kliniken passt, das ist die Herausforderung. Und dazu braucht es einen Arzt in der IT, der abschätzen kann, wie gut eine Softwarelösung den Klinikalltag abbildet. Oder eben nicht.

In der Medizin wie in der Industrie sind die Prozesse zu 80 Prozent standardisiert. Doch wir brauchen es genauer. Ein Beispiel: Bei einem Arzt unterteilt sich eine Untersuchung in acht Schritte, beim anderen Arzt in zwölf. Im Rahmen der Digitalisierung von Patientendaten braucht es jedoch eine einheitliche Grundlage der Datenerhebung. Am schwierigsten ist es daher, alle Prozesse neu zu überdenken. Denn jeder Klinikdirektor will seine Prozesse so dokumentiert haben wie seit 100 Jahren. Meine Aufgabe ist es, eine Lösung zu finden, die für alle passt.

Was findest du an deinem Job am spannendsten? Was macht am meisten Spaß?

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IT hat immer ein Akzeptanzproblem. Und als Arzt kann ich helfen, diese Kluft zu überwinden. Aktuell sind wir dabei, im Uniklinikum Essen die digitale Patientenakte einzuführen. Das hat Auswirkungen auf die Pflege, auf die Patienten und auf die Ärzte. Gegenüber dem Pflegepersonal müssen wir viel Überzeugungsarbeit leisten. Und auch die Ärzte folgen lieber bekannten Pfaden. Es geht also darum, Pilotprojekte in ausgewählten Kliniken durchzuführen und die Mitarbeiter auf die neuen Arbeitsanforderungen einzustellen. So haben wir bei der Digitalisierung der Radiologie von einem Freitag auf Montag praktisch den Stecker gezogen und ab diesem Zeitpunkt durften Ärzte und Pflegepersonal nur noch digital dokumentieren. Denn in der Vergangenheit kam es schon mal vor, dass zwei Ärzte zwei Tage lang die richtigen Röntgenbilder suchen mussten, damit sie für die Chefvisite zur Verfügung standen. Wenn solche Szenarien der Vergangenheit angehören, das macht Freude.

Wie bist du zu deiner Aufgabe gekommen?

Medizinischer Direktor der IT bin ich geworden, weil ich ein Angebot hatte, die Leitung eines ganzen Krankenhauses zu übernehmen. Da wäre es mein Ziel gewesen, ein "schlaues" Krankenhaus mit Hilfe der IT zu entwickeln. Nebenbei hätte ich allerdings auch viele Aufgaben übernommen, die mit meinem Arztberuf dann sehr wenig zu tun gehabt hätten. So kann ich Arzt und Radiologe bleiben und gleichzeitig meine "digitalen Erfahrungen" als Radiologe auf die gesamte Universitätsmedizin übertragen. Also sowas wie "zwei Fliegen mit einer Klappe"…

Schildere möglichst anschaulich ein Projekt, das dich besonders begeistert.

Heute ist es möglich, eine Depression anhand von Instagram oder einer 24-Stunden-Facebook-Analyse sicher zu erkennen. Fitbit kann viel schneller Parkinson diagnostizieren als ein Neurologe. Mit Wearables, die bestimmte medizinische Messwerte liefern, können wir in Zukunft sehr schnell diverse Krankheiten wir z.B. eine Herzrhythmusstörung entdecken. Damit wandelt sich Medizin von einer sporadischen zu einer reaktiven Medizin. Das sollte auch das Ziel sein: Sich in Zukunft nicht mehr auf die Momentaufnahme verlassen, sondern eine gute Datenbasis zu jedem Patienten zuhaben die validere Diagnosen ermöglicht.

DeinJob ist unverzichtbar, weil…

Mein Job ist verzichtbar. Aber mit der Position des medizinischen Direktors der IT können wir die Digitalisierung besser vorantreiben – zum Wohle des Patienten.

Wenn du nicht Mediziner geworden wärst, was wärst du dann gerne von Beruf?

Ich würde mir auf jeden Fall eine Position aussuchen, bei der ich mitgestalten kann.

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Hol' dir die aktuelle LEAD!

Die Digitalisierung wird das Gesundheitswesen auf den Kopf stellen. Das Potenzial, das die digitale Patientenakte und andere intelligente Lösungen bieten, ist hoch. Auch für Start-ups und Zulieferer gibt es neue Marktchancen. Und dann hält die DSGVO auch Ärzte, Krankenhäuser und Patienten in Atem. Mit diesen Themen beschäftigt sich LEAD bei einem Besuch in einer der fortschrittlichsten Kliniken Deutschlands.

LEAD 02/18 erhältst du am Kiosk, als E-Paper oder im Abo. Weitere Online-Geschichten zum Thema findest du unter #Gesundheit.

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