Anzeige
Anzeige
New Work Führung Leadership

Warum wir nicht weniger Führung, sondern bessere Führung brauchen

Alle reden von New Work - tatsächlich aber erleben wir im Arbeitsalltag einen befremdlichen Dualismus aus einerseits Zigarre-paffendem Patriarchentum und andererseits hierarchiefreien Selbstorganisationsexperimenten. Kaum ein Thema polarisiert so wie Führung.

(Bild: Unsplash / Jehyun Sung)
Anzeige
Anzeige

Die New-Work-Bewegung hat den kulturellen Wandel, manifestiert in einer neuen, teilhabeorientieren Führungskultur mit flachen oder gleich gänzlich aufgelösten Hierarchien, ganz oben auf die Agenda der Digitalisierungs- und Change-Programme gesetzt – mit Recht. Derweilen regiert in nicht wenigen kleinen und großen, jungen und alten Unternehmen noch immer ein Führungstypus, der mit dem Adjektiv “vorsteinzeitlich” noch wohlwollend umschrieben ist. Leadership by Fear ist auch im Jahr 2019 noch Teil unserer Arbeitswelt.

Während Anspruch und Wirklichkeit hier also häufig weit auseinanderklaffen, stellt sich die Frage, was moderne Führung überhaupt ausmacht – und ob Führung ohne Führung tatsächlich eine mögliche und wünschenswerte Utopie ist.

Wir brauchen nicht weniger Führung, sondern bessere Führung

Die Leadership-Koryphäe Ralph Stogodil definierte Führung 1974 als “die zielgerichtete Beeinflussung des Erlebens und des Verhaltens von Einzelpersonen und von Gruppen innerhalb von Organisationen.” Dieser Anspruch an Führung, diese Notwendigkeit von Führung, bleibt auch in Zeiten von Home Office, Flex Desks und Scrum-Teams gültig. Denn das, was Stogodil leicht mystifizierend als “zielgerichtete Beeinflussung” beschreibt, ist in Wahrheit genau jene Orientierungsleistung, die gute Führung liefert: Auf ein Ziel ausrichten, ohne den Weg allzu genau vorzugeben.

Anzeige

Versuchen wir uns in einer Negativdefinition, dann zeigt sich die Abwesenheit von guter Führung darin, dass aus der Gemeinschaft vieler kluger Köpfe kein entsprechend kluges Resultat entsteht. Egal ob Startup oder Konzern – wir hatten nie so gut ausgebildete Leute wie heute zur Verfügung. Um dieses Potpourri aus Wissen, Expertise und Motivation in gute Ergebnisse zu kanalisieren, braucht es Führung. Eine Führung jedoch, die sich nicht mehr in dirigistischer Machtdemonstration versteht, sondern als Möglichmacher und Wegbereiter.

Moderne Führung gibt eine Leitidee, einen Handlungsrahmen vor, innerhalb dessen hohe Freiheitsgrade zur Gestaltung herrschen. Es ist Aufgabe einer Führungskraft, einen Raum zu schaffen, in dem Mitarbeitende ihr Potential bestmöglich abrufen können. Moderne Führung ist eine Art Dienstleistung am Team. Stärker als bisher bedeutet Führung im digitalen Zeitalter daher die Fähigkeit, Komplexität zu moderieren, individuelle Interessen auszugleichen und heterogene Fertigkeiten zusammenzuführen. New Work erfordert entsprechend nicht weniger Führung, sondern bessere Führung.

Lead 4 Cta Mock Up 1200X1200 Cover

Das neue LEAD Bookazine Nr. 3 ist da! Diesmal zeigen wir dir, wie du deine Brand richtig boostest! Wir haben 5 Strategien, wie du deine Marke stärkst und erlebbar machst. Brand Trust schaffen, digital denken, Kooperationen ausbauen, Leader für Millennials etablieren und Brand Design neu erfinden – Hol dir jetzt deine LEAD!

Führung legitimiert sich nicht mehr bloß per Organigramm

Klar ist: Unser Verständnis von Führung muss sich radikal verändern. Eine der wichtigsten Veränderungen betrifft hier die Legitimation von Führung: In klassischen Organisationen ist Führung mit formaler Macht gleichgesetzt – Macht, die sich wasserfallartig von oben nach unten entfaltet. Dies ist jedoch ein Führungsansatz, der weder den Bedürfnissen junger, talentierter Arbeitnehmer entspricht, noch im Interesse eines Unternehmens sein kann, da er etwas verhindert, das im digitalen Zeitalter unerlässlich ist: eine Kultur des besseren Arguments, einen fortlaufenden Ideenwettbewerb anstelle von machtpolitischen Entscheidungsmechanismen.

Wenn wir stattdessen von flachen Hierarchien als Zielzustand sprechen, dann ist das Gegenstück zu so einem antiquierten Führungsmodell jedoch mitnichten in der Abwesenheit von Führung zu suchen, sondern in ihrer veränderten Legitimation. Es führt nun, wer situativ die besten Fähigkeiten oder manchmal schlicht das beste Gespür für die Lösung einer Situation mitbringt.

Die Legitimation für Führung speist sich aus dem Team, das fallabhängig Verantwortung und Führung an ein Mitglied delegiert. Führung leitet sich entsprechend kontextbezogen ab und ist nicht länger in bleiernen Organigrammen festgeschrieben. Im Ergebnis bin ich in einer Situation Führender und in einer anderen Geführter. Der Zielzustand modernen Leaderships ist daher nicht Führung ohne Führung, sondern der fließende Wechsel zwischen Führen und Geführt werden. In der Konsequenz bricht so die einst unumstößliche Einheit aus Führung und Führungskraft auf.

Der CEO wird zum Community Manager

Auch im fluiden Übergang von Führen und Geführt werden bleibt die Mechanik des Führens weitgehend unberührt: Wer führt, der hat Entscheidungen zu treffen. Wer führt, der hat Verantwortung zu tragen. Entscheidungen in einer immer komplexeren und zunehmend beschleunigten Welt sind jedoch kaum mehr von einer einzelnen Führungskraft durch Erfahrung und intelligentes Nachdenken zu treffen.

Moderne Führung aggregiert daher, einem Schwamm gleich, die Expertise und die Perspektiven unterschiedlichster Mitarbeiter, um so uneitel und sachgerecht zu einer bestmöglichen Entscheidung zu finden. Ein so gewandeltes Verständnis von Führung erfordert ein entsprechendes Empowerment aller Beteiligten.

Je mehr wir uns von der dirigistisch-asymmetrischen Chef-Untergebenen-Beziehung hin zu einem Miteinander auf Augenhöhe bewegen, desto mehr verändert sich auch das Skillset, das unsere Mitarbeiter benötigen. Wer eigenständig und -verantwortlich wichtige Entscheidungen treffen soll, der muss andere Dinge beherrschen, als der, der bloß Tag ein, Tag aus, ellenlange To-Do-Listen wegschrubben soll. Entscheidend ist dabei, dass mit der fachlichen Befähigung eine methodische Befähigung einhergeht, denn wer – wenn auch nur situativ – führen soll, der muss das nötige Handwerkzeug dazu besitzen, um Komplexität zu moderieren und in Ergebnisse umzuwandeln.

Ferner braucht Selbstorganisation ein flächendeckend anderes Mindset als die verbreitete Cover-My-Ass-Attitüde, mit der Verantwortung bis dato munter von links nach rechts und wieder zurück delegiert wird. Wer Selbstorganisation will, der muss seine Mitarbeiter in gewisser Weise zu Mitunternehmern machen: Er muss sie befähigen, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung für die getroffenen Entscheidungen zu tragen und Möglichkeiten zu Fehlern einräumen. Die Führungskraft qua Organigramm, etwa der CEO, fungiert so zunehmend als eine Art Community-Manager, der viele kleine Ich-AGs und Mikrounternehmen mit einer klaren Leitidee und methodischer Unterstützung zusammen und bei Laune hält.

Björn Waide ist CEO von smartsteuer. Gemeinsam mit seinem Team digitalisiert er den analogsten Prozess Deutschlands – die Steuererklärung – und versucht so, Menschen die Angst vor dem Thema Steuern zu nehmen.

Newsletter & Messenger

Mit dem LEAD Newsletter und dem LEAD Tech Newsletter immer top informiert zu allen Themen des digitalen Lebens. Egal ob beruflich oder privat. In deiner Inbox oder per Messenger.

Anzeige
Verlagsangebot
Anzeige
Aktuelle Stellenangebote
Alle Stellenangebote
Anzeige