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Führung New Work

Warum wir keine Rockstars sind

Wir wollen als Checker der digitalen Transformation ernst genommen werden, gleichzeitig machen wir in Hoodie und Sneakers einen auf Sponti und klopfen uns auf Rockstar-Festivals gegenseitig auf die Schulter. Beides passt nicht zusammen.

Was passiert, wenn diese Nische plötzlich Mainstream wird? Foto: Picture Alliance
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Berufe und ihr Image. Das ist ja eigentlich ein alter Hut. Freiwillig oder unfreiwillig schleppt jede Berufsgruppe, die so richtig etwas hermachen will, ihre Klischees mit sich rum. Da ist der Porsche fahrende, Golf spielende Schönheits-Doc, der im Maßanzug gekleidete Unternehmensberater und natürlich der koksende  Kreativstar, dem Frédéric Beigbeder (39,90) im Jahr 2001 ein Denkmal setzte. Gähn. Denn zweifelsfrei ist diese Form der Distinguiertheit über subtile und weniger subtile, in jedem Fall aber teuer eingekaufte Statussymbole  ein wenig aus der Mode geraten.

Der Zeitgeist dreht das Wertesystem um: Angesagt ist Anti-Establishment, Subkultur, Straße. Wir sind dojo fucking yeah! Muschi Kreuzberg. Wer etwas auf sich hält, weiß was in den Clubs abgeht. Und das ist schließlich essenziell, um den Kunden die neuesten Trends einzuflüstern.

So weit, so gut, so marktkonform. Doch was passiert, wenn diese Nische plötzlich Mainstream wird? Wenn 50-Jährige in Hoodies und Sneakers ins Büro kommen und das neuste Projekt weltmännisch gutheißen mit den Worten: "Yeah! Das rockt"?

Die OMR oder das Wacken der Branche

Ja, dann ist es an der Zeit einen eigenen Kongress für all die Rockstars unter uns ins Leben zu rufen. Zum Beispiel die Online Marketing Rockstars, das Wacken der Branche sozusagen. Ein buntes Potpourri: von Influencern über angesagte Startups bis hin zu den üblichen Konzernköpfen.

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Dass die OMR so erfolgreich sind, sagt leider auch ein bisschen etwas über unser Selbstbild. Müssen wir uns und unsere Tätigkeit denn wirklich künstlich überhöhen? Und dann gleich so überdreht? Schon klar, wir lesen in Business Punk (Work hard, play hard) über das laute, schnelle Leben in der Branche und setzen uns dann doch am nächsten Morgen für Wohlfühlatmosphäre und Work-Life-Balance ein. Wir trinken Craft Beer, kennen die angesagten Clubs und fahren dann doch in unserem kuscheligen SUV raus nach Suburbia. Wir machen im Büro einen auf Gang und entlassen dann doch turbokapitalistisch Mitarbeiter, wenn die Auftragslage mal nicht so dolle ist.

Und es kommt noch dicker: In Amerika nennen sich Entwickler schon Rockstar-Developer. Wer also immer mal schon mit einem betriebseigenen Kindergarten liebäugelte, sollte sich das nochmal gut überlegen. Ein Piercing- und Tattoo-Studio wäre vielleicht angebrachter.

Was soll das? Wie kaum eine andere Branche stehen wir für Targeting, Abverkauf, Kommerz. Kurz wir sind nicht nur Teil des Establishment, sondern wesentlicher Treiber des Systems. Das ist nicht ehrenrührig, aber eben weit davon entfernt, die Welt aus den Angeln heben zu wollen. Und wir wollen ja eigentlich noch mehr: Wir wollen als Unternehmensberater ernst genommen werden. Wollen bei den CEOs Honorare einstreichen, dass es den Bergers und McKinseys schwindelig wird – als Checker der digitalen Transformation. Gleichzeitig sehen wir uns breitbeinig, laut rülpsend à la Axl Rose durch die Gegend tigern.

Doch genau so wenig ein Arschgeweih eine Sexbombe macht, machen einen Harley und Tattoo zum Rocker.

Alexander Krapp ist Gründer und CEO der Münchner Beratungsagentur für das digitale Business Soulsurf. Seine Verantwortungsfelder sind Sales, Beratung und Strategien für digitale Geschäftsmodelle.
 

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