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Karsten Lohmeyer Klein
LEAD-Kolumnist Karsten Lohmeyer (Foto: privat)
leadfaces Kolumne Content Marketing

Warum Facebook noch lange nicht am Ende ist

Ist Facebook am Ende? Nein, sagt LEAD-Kolumnist Karsten Lohmeyer. Die Bequemlichkeit der Nutzer und der Bedarf der Advertiser an Reichweite werden dem Netzwerk weiter hohe Gewinne und ein langes Leben bescheren.

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Martin Giesler ist nicht mehr da. Bereits im Mai hat der Gründer des Social Media Watchblogs und einer der wichtigsten Facebook-Experten in Deutschland seinen Facebook-Account und seine Facebook-Gruppe stillgelegt. Und jetzt geht auch noch Sascha Pallenberg. Zu Ende Juni will der Mobilegeeks-Gründer und Head of Digital Content der Daimler AG sein Facebook-Profil "auf unbestimmte Zeit" deaktivieren.

Dann fand auch noch in München die Beef4Brands nach dem Motto "Day after Facebook" statt, wurde erneut eine Panne bei Facebook bekannt, bei der private Posts von Millionen von Nutzer öffentlich sichtbar waren. Nicht zu vergessen, das EuGH-Urteil, das Betreibern von Facebook-Fanpages eine Mitverantwortung beim Datenschutz zuschreibt.

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Folgt Facebook MySpace in die ewigen Jagdgründe?

Es kommt also dicke für Mark Zuckerberg. Aber war es das auch mit Facebook? Wird das soziale Netzwerk ehemaligen Giganten wie MySpace, Geocities, Altavista, Second Life, Netscape und StudiVZ in die ewigen Jagdgründe folgen? Ich denke nicht. Es wäre naiv zu glauben, dass Facebook ohne staatliche Regulierung von sich aus untergehen oder zumindest an gesellschaftlichem und wirtschaftlichem Einfluss verlieren wird. Zum Beispiel weil plötzlich Millionen von enttäuschten Nutzern das Netzwerk verlassen und gleichzeitig die Advertising-Milliarden versiegen.

Längst schon ist Facebook mit der Infrastruktur des Internets verwachsen, sind auch die Facebook-Töchter Instagram und WhatsApp fester Bestandteil des digitalen Ökosystems, als dass es jetzt ganz schnell vorbei sein könnte. Zu groß ist die regelrechte Abhängigkeit der Nutzer von Facebook, zu groß die Media-Etats, die Tag für Tag bei Facebook landen. Zu sehr ist Facebook für viele Menschen bereits zum Synonym für das Internet geworden.

Facebooks Aktienkurs zeigt nach oben

"To big to fail" gibt es zwar im digitalen Raum eigentlich nicht, wie die genannten Beispiele zeigen. Doch Facebook hat aus den großen Fails der vergangenen Jahre gelernt, verhält sich in aller Regel genauso schlau wie kaltschnäuzig – und dass es keineswegs am Ende ist, zeigt schon ein kurzer Blick auf den Aktienkurs. Ja, ich sehe gerade einen kleinen Knick, den man vielleicht auf die aktuelle Datenpanne zurückführen kann. Aber schon kurz nach einem deutlichen "Cambridge-Analytica-Absturz" war die Facebook-Aktie wieder mehr wert als je zuvor in ihrer Geschichte.

Investoren scheinen also weiter an den Erfolg von Facebook zu glauben. Und ich tue es auch, völlig ohne Wertung, ob das nun gut oder schlecht für die Gesellschaft ist. Denn selbst wenn ein paar Meinungsführer der Medienblase genug haben von Facebook, dem rauer gewordenen Ton, der Hatz nach Likes und Daten – die große Masse hat die Skandale schon beim nächsten Katzenvideo wieder vergessen, freut sich über die vielen Glückshormone bei jedem Like auf ihren Selfies. Das gleiche gilt für die Anzeigenkunden: Auch wenn es hier den einen oder anderen Budget- und Strategieshift gab - aus Mangel an echten Alternativen (oder auch Bequemlichkeit) schaufeln sie ihre Advertising-Milliarden weiterhin in die tiefen Taschen von Mark Zuckerberg.

Wer Reichweite braucht und keine hat, ist abhängig von Facebook

Tatsächlich sind wir alle, die Traffic und Engagement einkaufen müssen, abhängig geworden von Mark Zuckerberg und seinem Anzeigen-Imperium. An fast keiner anderen Stelle im Netz können wir so günstig und (angeblich) so zielgenau Nutzer erreichen. Was Publisher an eigenen Lösungen anbieten, ist meist so weit hinter der datengetriebenen Facebook-Technologie wie eine Pferdekutsche hinter einem Formel1-Wagen.

Und während Blogger aus Angst vor den Folgen der Datenschutzgrundverordnung reihenweise ihre Blogs schließen, die deutsche Newsletter-Szene gerade ein Reichweitenkettensägenmassaker erlebt hat (oder habt Ihr alle Newsletter-Abos rückbestätigt?) und viele Publisher in den Blindflug übergegangen sind, sitzt Facebook weiterhin wohlgelaunt auf seinem Datenschatz und verdient sich eine goldene Nase.

Ob privat oder beruflich: An Facebook führt für mich nichts vorbei

Also werde auch ich weiterhin auf Facebook setzen – privat und beruflich. Privat, weil ich auch bequem bin und es für mich nun mal die bequemste Möglichkeit ist, mit meinen weit über die Welt zerstreuten Freunden und Verwandten Kontakt zu halten. Vielleicht auch, weil ich längst süchtig nach der Berieslung durch den Algorithmus bin und Facebook einfach zum Teil meiner täglichen Routine geworden ist (wie übrigens seit einiger Zeit auch LinkedIn).

Beruflich, weil ich als Content Marketeer meine Inhalte möglichst effektiv und zielgenau ausspielen möchte – und Facebook dabei zwar nicht das einzige, aber doch eines der wichtigsten Werkzeuge ist. Ich weiß aber genau, sollte es irgendwann ein Netzwerk geben, dass mir die gleichen Vorteile (Reichweite, Targeting) wie Facebook bietet, bin ich genauso schnell bei diesem Angebot, wie ich damals von Altavista zu Google gewechselt bin. Und mit Sascha Pallenberg unterhalte ich mich jetzt eben auf LinkedIn.

Du bist anderer Meinung? Ich habe was vergessen? Dann kontaktiere mich gerne auf LinkedIn, Xing oder Twitter.

Wer sich mit dem Thema digitales Content Marketing beschäftigt, kommt dabei kaum an Karsten Lohmeyer vorbei. Der 45-Jährige arbeitete lange Jahre als Journalist, gründete das bekannte Medienblog LousyPennies.de und baute von 2014 bis 2018 als Chief Content Officer und Mitglied der Geschäftsleitung die Telekom-Content-Marketing-Tochter The Digitale mit auf. Heute ist er als freier Berater und Realisator von komplexen Content-Marketing-Projekten tätig.

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