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Ceh Johannes Lead Thomas Dashuber Web
LEAD-Kolumnist Johannes Ceh (Foto: Thomas Dashuber)
leadfaces Kolumne Ethik

Warum es sich lohnt, sich Zeit für Begegnungen zu nehmen

Ob beruflich oder privat: In Alltagssituationen werden Menschen häufig nur im Kontext einer Situation wahrgenommen und damit oft falsch eingeschätzt.

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Vor ein paar Tagen habe ich mich bei einer jungen Dame entschuldigt. Ich habe mich bei ihr entschuldigt, weil sie nur wenige Stunden zuvor von meiner Wut überwältigt wurde. Und dies ohne zu wissen, wer ich überhaupt bin und was passiert war. Ich habe mich bei ihr entschuldigt, weil sie in einem Moment neben mir stand, als ich auf eine völlig andere Person wütend wurde.

Wenige Stunden zuvor bekam ich einen Anruf von meinem Mobilfunkanbieter - meine technischen Probleme konnten seit einigen Wochen nicht behoben werden. Auch nach dem gefühlt 100-sten Anruf: keine Besserung in Sicht. Ich fühlte mich ignoriert. Wütend. In diesem Moment stand die junge Dame hinter mir. Ich drehte mich um. Wir rannten ineinander. Ich kann mich nicht einmal an die Worte erinnern, die ich der jungen Dame in diesem Moment gesagt habe. Ich erinnere mich nur daran, dass meine Worte und Emotionen meinem Mobilfunkanbieter galten, es aber die junge Dame war, die ich mit dieser Wutwolke konfrontierte. Eine kleine delikate Situation, wie sie vermutlich 1000-fach täglich in deutschen Büros irgendwo zwischen „kann ich jetzt endlich mal an den Kopierer ran?“ und „wer hat den hier die Spülmaschine wieder nicht ausgeräumt?“ und „warum haben wir unsere Ziele nicht erreicht?“ vorkommt.

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Doch dieses mal war etwas anders. Ich hatte eine Entscheidung getroffen. Ich wollte nicht so weiter machen. Eine Stimme in mir wies mich darauf hin zu würdigen, dass es in diesem Moment noch etwas ganz anderes gab. Einen Menschen. Der überhaupt gar nichts mit meinem Ärger zu tun hatte. Und trotzdem mittendrin stand.

Glücklicherweise hatte ich mir trotz meinem Ärger gemerkt, in welches Café die junge Dame gelaufen war. Ich habe ihr Blumen gebracht. Und Entschuldigung gesagt.

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Als ich zur Schule ging, sagte mir ein Lehrer: „Entschuldige dich niemals!“. Er hatte Unrecht.

Wenn Situationen entstehen, in denen ich Menschen negativ durch Emotionen beeinflusse, die nicht zu ihnen gehören, ist dies gegenüber diesen Menschen ungerecht. Für mich ist es selbstverständlich, nach solchen Momenten noch einmal nachzuspüren. Meine Verantwortung zu übernehmen. Und gegebenenfalls „Sorry“ zu sagen. In dem Moment, in dem ich mich bei der jungen Frau entschuldigte, fühlte ich mich unvollkommen. Mensch. Was für eine Erleichterung.

Wir können die Vergangenheit nicht ändern. Aber wir können unsere Wahrnehmung ändern. Wenn uns etwas Schlimmes passiert, liegt es in unserer Verantwortung, es zu betrachten und zu entscheiden, was wir damit tun wollen. Dabei spielt es zunächst keine Rolle, ob es eine berufliche oder private Begegnung war. Wir begegnen einem Menschen.

Gerade im beruflichen Umfeld sind unsere Begegnungen geprägt von Funktionen und Aufgaben, die wir erfüllen müssen. Umso größer die Gefahr, dass solche Begegnungen und die Auseinandersetzung mit den Menschen dahinter nahezu völlig untergehen. Wir uns nur noch an ein Gesicht und den Stress der Situation erinnern, ohne differenzieren zu können.

Es ist unsere Verantwortung, wenn wir eine andere Person mit dem uns erreichten Ärger überwältigen. Es liegt in unserer Verantwortung, eine Kette von Wut und Gewalt zu brechen, die wir selbst erlebt haben. Es ist unser Verantwortung, die Beziehungen wiederherzustellen, falls diese zerstört wurden. Es ist unsere Verantwortung, menschlich zu sein.

Zum Autor:Johannes Ceh unterstützt Unternehmen, Digitalisierung an Kunden und Mitarbeitern auszurichten. Er ist Keynote-Speaker und Berater für neue Formen der Zusammenarbeit und digitale Verantwortung. Nach Jahren bei Sport1, SKY, Springer & Jacoby, BMW, Daimler, JungvonMatt und Ogilvy schreibt er aktuell an einem Buch zum „Zeitalter des Kunden“ und dem damit verbundenen Wandel in Unternehmen.

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