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Die BBC hat einige VR-Dokumentationen gedreht, unter anderem kann man einen Astronauten begleiten (Bild: BBC Home)
VR Marketing

Warum die BBC in VR investiert und trotzdem zweifelt

Virtual Reality ist eine beeindruckende Technologie. Doch die 360-Grad-Bilder eignen sich nicht für jeden Zweck, Stichwort: Marketing. Worauf es beim Storytelling mit VR ankommt.

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Milliarden Kubikmeter Beton. Hunderte Meter breite Mauern. Und irgendwo in der Ferne schlammbraune Wassermaßen. Wer gern eine der größten Baustellen der Erde besichtigen möchte, kann das mit der VR-Dokumentation der BBC "Damming the Nile" tun. Der Afrika-Korrespondent der BBC, Alastair Leithead, nimmt die Zuschauer mit auf eine faszinierende Reise entlang eines der längsten Flüsse der Welt.

Die Dokumentation erforscht die politischen Auswirkungen und den möglichen Einfluss, den der Bau eines Riesenstaudamms in Äthiopien verursacht. Im Zentrum steht die gigantische Baustelle, die seit fünf Jahren besteht und 4,7 Mrd. US-Dollar (etwa 3,94 Mrd. Euro) verschlungen hat, um Äthiopien mit Strom zu versorgen. Zugleich ermöglicht es die VR-Serie dem Zuschauer, hoch über dem Nil und seinen Wasserfällen zu fliegen oder die antiken sudanesischen Pyramiden zu betaunen.

Dass Virtual Reality das richtige Format für dieses Thema ist - dem wird jeder zustimmen, der den Film gesehen hat. Doch nicht immer passt VR.

VR-Brillen immer noch wenig verbreitet

VR schwankt zwischen Hype und Realität. Viele Werber sahen in der Technologie Anfang des Jahres einen der Top Trends für 2018, um Marke und Produkte näher an ihre Kunden zu bringen. Doch die Realität sieht so aus: VR-Brillen sind immer noch zu teuer und nach wie vor kein Massenphänomen. Selbst eine Oculus Go für etwas mehr als 200 Euro bedeutet ein größeres Investment. Um eine vierköpfige Familie mit Brillen auszustatten, ist ein Tausender weg. Hinzu kommt, dass das Angebot an Content bislang sehr überschaubar ist.

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James Montgomery, Digital Development Director bei BBC News, glaubt: "Hier haben wir das klassische Henne-Ei-Problem: Wenn es mehr Content gäbe, gäbe es auch mehr Grund, sich eine VR-Brille anzuschaffen und VR Content anzuschauen. Es müsste eben kleinere und leichtere Headsets geben. Aber selbst dann stellt sich die Frage, ob der vorhandene Content so gut ist, dass es sich lohnt, ein Headset aufzusetzen. Wir sehen daher aktuell VR-Brillen vor allem im Gaming-Bereich."

Das ist auch Jim Egan, dem obersten Chef von BBC Global News, klar. Auf die Frage, wie viel man in VR investiere, dreht er schüchtern den Kopf zur Seite und sagt: "Unter ein Prozent des Umsatzes." Man habe zwar ein paar 360-Grad-Kameras angeschafft. Doch die Technik verändere sich derzeit noch so schnell, dass eine Massenanschaffung erst mal nicht zielführend sei. Der neueste Trend sind laut Egan aktuell 360-Grad-Stereo-Kameras.

Learning by doing

Und so setzt man bei der BBC nicht auf Schulungen, sondern auf enthusiastische Mitarbeiter, die eine Idee für ein VR-Projekt haben und dieses gern umsetzen wollen. Man unterstützt Leute wie Alastair Leithead, die eine beeindruckende Location mit einer spannenden Story verbinden. Denn der Nil im Allgemeinen und der äthiopische Staudamm sind gigantisch. Und genau wegen dieser gigantischen Ausmaße ist das Thema für VR predestiniert. Und wenn die Story gut genug ist, vergeben die Zuschauer dem Sender auch eine schlechtere Bildauflösung.

Im Oktober 2017 hat die BBC World News ihren sogenannten "VR Hub" gegründet. Er soll herausfinden, wie VR-Produktionen funktionieren. Die erste große Produktion, "Damming the Nile" war in drei Wochen abgedreht. Doch mit Post Production und dem Entwickeln der App dauerte es rund zwei Monate, bis das Ergebnis fertig war.

"VR ist das richtige Mittel, um eine Location in Szene zu setzen. Um Personen ins rechte Licht zu rücken - dafür ist VR in der Regel weniger geeignet. Und VR sollte auch nicht im Fokus stehen, weil man Emotionen wecken will. Die Emotionen kommen, wenn die Geschichte passt." Zillah Watson, Head of BBC VR Hub

Emotionen weckte die VR-Abteilung der BBC in einer VR-Doku über eine Flüchtlingstour übers Meer: "We Wait. A Migrant Story". Da es schlecht möglich war, die Szenen in Wirklichkeit zu filmen, wurden die Flüchtlinge als Zeichentrickpuppen dargestellt. Auch das funktioniert. Der Zuschauer sitzt mit im Flüchtlingsboot, die Gischt peischt ihm ins Gesicht und bekommt den Stress zu spüren – genau wie es die Flüchtlinge erleben. Und obwohl in der Migranten-Doku keine echten Menschen mitspielen, ist die Wirkung überwältigend. Die Filmszenen funktionieren, weil die Location, also das Flüchtlingsboot, ständig von Meerwasser überspült wird und sich die damit verbundene Angst vor dem Ertrinken ausbreitet. Die Emotionen sind also die Folge der Location.

Zillah Watson ist sich übrigens sicher, dass nur wirklich guter Content VR zum Durchbruch verhelfen kann und wird. Dinge, die der Mensch bislang so noch nicht gesehen hat. BBC Global News-Chef Egan ergänzt: "VR funktioniert nur unter bestimmten Bedingungen. Vor allem nimmt dich VR mit an einen Ort, den du noch nie gesehen hast. So wirkt zum Beispiel die VR-Produktion eines Space Walk eines Astronauten entsprechend beeindruckend. Einfach nur auf der Golden Gate Bridge stehen ist jetzt dagegen nicht wirklich ein Mehrwert, der unbedingt in VR umgesetzt werden müsste."

VR im Marketing

Und auch im Marketing gibt es bislang noch keine überzeugenden VR-Konzepte und -Produktionen, findet Jim Egan: "Einfach nur in einem BMW zu fahren oder in der Business Class zu fliegen, ist jetzt nicht gerade packend. Bislang habe ich noch keine wirklich ergreifenden Marketing-Produktionen in VR gesehen. Aber wir sind ja auch noch in einem sehr frühen Stadium."

Einen Schub wird VR sicher bekommen, wenn mehr soziale Interaktion möglich ist. Wer auf Reichweite aus ist, für den ist VR - Stand heute – sowieso nicht die richtige Technik, meint Zillah Watson, der Head of BBC VR Hub. Gut funktioniert VR dagegen als Premium Content. Und daher ist der Einsatz von VR bislang vor allem auf Events sinnvoll – einfach, weil die Brillen noch nicht weit verbreitet sind.

Lust auf mehr VR?

Eine Übersicht über alle VR-Produktionen der BBC gibt es hier.

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