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Das gute, alte Radio hat für den User ein zunehmend weniger lukratives Angebot zu machen (Foto: iStock - Sasi iStock)
Radio Apple Podcast

Warum das Radio in den sauren Apple beißen muss

Apple plant laut Medienberichten, exklusive Podcasts anzubieten - und tut es damit seinen Konkurrenten wie Spotify gleich. Diese neuen Entwicklungen im Podcast-Geschäft führen zu einem Paradigmenwechsel, der vor allem das Radio hart treffen wird, schreibt LEAD-Autor Christian Jakubetz.

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Öffentlich-rechtliche Sender und nicht wenige Medienpolitiker in Deutschland sind sich einig: Die Zukunft des Radios sei ein Standard namens DAB+. Er soll mittelfristig UKW ersetzen und - so hieß es früher in der Werbung - Radio in CD-Qualität bieten.

Und damit schalten wir um in die Medien-Realität 2019.

In Deutschland gibt es knapp 60 Millionen Smartphones. Nahezu jeder Haushalt nutzt das Netz und allen Unkenrufen zum Trotz gibt es über 30 Millionen Breitband-Anschlüsse. Mit etlichen Apps lassen sich tausende Programme mühelos und kostenlos streamen. Daneben verfügen Millionen Handys über eine Podcast-App.

Die DAB-Abdeckung in Deutschland ist dagegen bei Weitem noch nicht vollständig. In meinem Wohnort prophezeit mir DAB 55 Programme für den mobilen Empfang, 20 für den Innenempfang. Möglicherweise hätte ich das in den 80er-Jahren beeindruckend gefunden. Heute? Schulterzucken, was soll’s. Das ist ungefähr so, als würde jemand behaupten, die Zukunft des Fernsehens sei der Kabelanschluss.

Und jetzt schalten wir in die Medien-Realität der nahen Zukunft.

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Das gute, alte Radio hat für den User ein zunehmend weniger lukratives Angebot zu machen

Das amerikanische Business-Nachrichtenportal Bloomberg schreibt, Apples Management-Team solle damit begonnen haben, Kontakt zu Medienfirmen aufzunehmen, um Exklusivrechte für Podcasts einzukaufen. Das wäre eine komplette Neuausrichtung von Apples Strategie. Aktuell ist Apple nur eine Plattform für Podcasts – und gibt sich dabei neutral.

Wenn der Tech-Konzern sich exklusive Rechte sichert, würde Apple schlagartig zum Content-Anbieter und zum "Radio-Sender". So wie es Spotify, Deezer oder Audible schon seit geraumer Zeit vorexerzieren: Content als Kundengewinnungs-Tool. Exklusiver Content, um sich von anderen abzusetzen. Weg mit der neutralen Beliebigkeit, her mit dem inhaltlichen Profil!

Das mag für Radio-Sender auf den ersten Blick wenig beunruhigend klingen, schließlich sind Podcasts ja kein Radio. Bei näherem Hinsehen sollten sich sowohl die Sender, als auch Vermarkter und die werbende Industrie ein paar Gedanken über einen bevorstehenden Paradigmenwechsel machen.

Das hat viele Gründe: Das gute, alte Radio hat für den User ein zunehmend weniger lukratives Angebot zu machen. Im Zeitalter mobiler und individuell-personalisierter Nutzungsformen ist ein lineares, starres Programm immer im Nachteil, es sei denn, man lässt es nebenbei laufen.

Mit der einstmals angepriesenen "CD-Qualität" von DAB+ und der vermeintlichen Vielfalt lässt sich niemand mehr hinter dem Smartphone herlocken. Das kann das Netz auch und sogar noch mehr: Wer ernsthaft einen auf Free-Jazz spezialisierten Nischensender aus Finnland hören will, hat im Netz die Chance dazu. Da wirkt das Versprechen von 50, 100 oder 150 Sendern via DAB eher hausbacken.

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Hergehört!

Das gesprochene Wort ist auf dem Höhenflug. Was für Musikfans früher der Plattenladen war, ist heute der Podcast-Anbieter. Das Potenzial des neuen alten Formates haben auch die Big Player erkannt. Podcasts gibt es mittlerweile viele, aber wo kann man sie am besten anhören? Im LEAD Bookazine 3/2018 findest du sechs Podcast-Plattformen im Vergleich.

Die Podcast-Branche hat sich professionalisiert

Dazu kommt eine Entwicklung, die schon die Tageszeitungen seit Jahren schmerzhaft zu spüren bekommen: Die Idee, dass man mit einem Produkt möglichst viele abdeckt, ist antiquiert, ein Überbleibsel aus analogen Tagen. Mit ein paar Klicks stellt sich heute jeder mühelos sein individuelles und jederzeit verfügbares Programm zusammen. Wer Aktuelles will, wird das in Zukunft eher über einen Smartspeaker machen, als über ein Radio, das zur vollen Stunde Nachrichten sendet.

Die Podcast-Branche hat sich in den letzten Jahren hingegen enorm professionalisiert. Es gibt vermutlich kein einziges Thema mehr, zu dem nicht auch ein ausgezeichneter Podcast existiert. Podcasts sind zudem befreit von Formatzwängen. Bei nicht wenigen Radiosendern würde man sich über so viel überschäumende Kreativität, wie sie bei guten Podcasts zu finden ist, freuen.

Die Geschichte wiederholt sich

Das alles haben die Digital-Strategen der großen Plattformen erkannt - darunter offenbar auch Apple. Für viele Sender beginnt damit aber eine langsame Abwärtsspirale, deren Verlauf prognostizierbar ist: Erst negiert man die neue digitale Konkurrenz, um sich Jahre später über den Machtmissbrauch großer Konzerne zu erregen.

Dabei hätte man es – noch – selbst in der Hand, auf diesen absehbaren Paradigmenwechsel zu reagieren. Ich wage allerdings nicht zu hoffen, dass das passieren wird.

Geschichte wiederholt sich eben doch. Und speziell die Geschichte der Digitalisierung von Medien ist anscheinend eine Geschichte voller Wiederholungen.

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