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(Bild: Unsplash)
Freelancer New Work HR

Vor diesen Herausforderungen steht der Markt durch den starken Anstieg von Freelancern

In Deutschland hat sich die Zahl der Freelancer zwischen 2000 und 2014 verdoppelt. Daraus ergeben sich neue Chancen, aber auch Herausforderungen für den Arbeitsmarkt. Darüber hat LEAD mit Falko Kremp, Deutschlandchef von Fiverr, dem weltweit größten Marktplatz für digitale Dienstleistungen, gesprochen.

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LEAD: Was sind die wesentlichen Gründe für den starken Anstieg von Freiberuflern, Selbstständigen sowie Gig- und Crowd-Arbeitskräften als alternative Arbeitsformen?

Falko Kremp: Es gibt einen wesentlichen Grund: der Wunsch, frei zu sein. Die Digitalisierung erlaubt es Menschen, die Form, den Raum und die Zeit ihrer Arbeit frei zu wählen. 9-to-5 im stickigen Großraumbüro wird durch flexible Arbeitszeiten in wechselnden Workspaces abgelöst.

LEAD: Welche Herausforderungen ergeben sich aus diesem Anstieg?

Kremp: Über Jahrhunderte erstrittene Arbeitnehmerrechte dürfen in Zeiten digitaler Arbeiten natürlich nicht auf der Strecke bleiben. Die Antworten, die Gewerkschaften und viele Politiker geben, sind rückwärtsgewandt, trauern der "guten alten Zeit" nach und greifen daher zu kurz. Neue Formen der Arbeit rund um Selbstständigkeit und Existenzgründung müssen endlich regulatorisch wie auch gesellschaftlich klassisch angestellter Arbeit gleichgestellt werden.

LEAD: Was bedeutet diese Entwicklung für Führungskräfte?

Kremp: Führungskräfte mit Personalverantwortung müssen sich sowohl in der Anstellung als auch im täglichen Management der neuen Arbeitswelt bewusst sein und Flexibilisierung unterstützen statt sie zu verhindern. Einem Mitarbeiter Homeoffice zu ermöglichen oder die Möglichkeit, für längere Zeiträume remote zu arbeiten, verhindern nicht, sondern vielmehr fördern oftmals Mitarbeitermotivation und die Bindung ans Unternehmen.

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LEAD: Wie wird sich der Markt in den nächsten Jahren weiterentwickeln?

Kremp: Der Arbeitsmarkt befindet sich im grundlegenden Umbruch und ist in etwa dort, wo der Handel sich Ende der 1990er-Jahre befunden hat: Amazon war gerade an die Börse gegangen und hatte beschlossen, mehr als nur Buchhändler sein zu wollen. Barnes & Nobles war noch eine große Sache – und, nun, der Rest ist Geschichte. Der Arbeitsmarkt wird sich genauso digitalisieren, wie der Markt für digitale Produkte.

LEAD: Werden Human Resources (HR) durch die rasante Weiterentwicklung von Künstlicher Intelligenz, kognitiver Technologie und Robotics nicht sowieso bald überflüssig?

Kremp: Nein, menschliche Kreativität und Empathie werden immer gefragt bleiben. Menschliche Kernkompetenzen werden aber mit neuen Technologien verschmelzen und viele Jobs überflüssig machen. Aber auch neue entstehen lassen. Die Frage wird in Zukunft sein: Was kann ich besser als ein Algorithmus?

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Falko Kremp ist Deutschlandchef von Fiverr, dem weltweit größten Marktplatz für digitale Dienstleistungen. (Bild: Fiverr)

LEAD: Wie wichtig ist die Verbesserung von Rahmenbedingungen, die den Arbeitsalltag von Mitarbeitern prägen? Warum sollte man in diesen Bereich investieren?

Kremp: Wir befinden uns derzeit in einem zehnjährigen Wirtschaftsaufschwung mit enorm niedrigen Arbeitslosenzahlen. Unternehmen haben derzeit, insbesondere im Bereich digitaler Technologie Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal zu finden.

Wer da nicht die Rahmenbedingungen von Beschäftigungsverhältnissen verbessert, schießt sich selbst ins Abseits. Nicht nur gegenüber der direkten Konkurrenz, sondern ebenso gegenüber neuen Formen der Arbeit, wie Freiberuflichkeit.

LEAD: Wird sich die Umstellung weg von Hierarchien hin zu funktionsübergreifenden Teams durchsetzen und warum?

Kremp: Hierarchien sind 20. Jahrhundert und stammen aus einer Zeit, als Informationen noch einigen wenigen Auserwählten vorbehalten waren. Im Informationszeitalter sind Menschen an Transparenz und Teilhabe interessiert und setzen diese auch zunehmend durch.

Das äußert sich nicht zuletzt am Erstarken dezentraler Technologien wie beispielsweise Blockchain. Eine prominente Anwendung in diesem Bereich, der Bitcoin, hat Stand Juli 2019 einen Marktwert von 170 Milliarden Dollar und wird komplett dezentral von einer Vielzahl von Menschen non-hierarchisch organisiert.

Dieser Marktwert entspricht etwa 8% des Marktwertes der Deutschen Bank, die zentral und hierarchisch aus Frankfurt heraus gesteuert wird. Die Frage ist, wie lange noch.

LEAD: Wie sieht das Recruiting der Zukunft aus?

Kremp: Recruiter müssen sich neuer Technologien bedienen, um die besten Talente weltweit zu finden, aber auch um den bestmöglichen Fit zwischen Stelle und Kandidaten herzustellen.

Flexible Arbeitsweisen wie Freelancing werden auch hier im "Personalmix" immer wichtiger. Vollzeitstellen werden im Zuge der Flexibilisierung des Arbeitsmarktes mehr und mehr an Wert verlieren, da sie für Unternehmen teuer und für Arbeitnehmer zunehmend verhasst sind.

LEAD: Welche Probleme gibt es noch in Sachen HR-Cloud und wie könnte man diese lösen?

Kremp: Der Bedeutungsverlust der Institutionen macht auch vor klassischen Bildungseinrichtungen wie der Universität nicht halt. Universitäten tragen aber auch selber dazu bei, indem sie ihre Marken zum Beispiel durch MOOCs verwässern.

Nutznießer dieser Entwicklung sind Onlineplattformen wie YouTube auf denen Wissen demokratisiert und global sowie kostengünstig verfügbar gemacht wird. In Zukunft wird es weniger um ein oder zwei prestigeträchtige Titel auf dem Lebenslauf gehen, sondern vielmehr um nachweisbare Skills, die dank digitaler Technologien tatsächlich nachweisbar sind.

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