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Kilian Kaminski wurde vom "Forbes Magazin" unter die "30 under 30" im europäischen Retail & ECommerce gekürt. (Bild: Kaminski)
E-Commerce Retail Nachhaltigkeit

"Unternehmen werden nur erfolgreich sein, wenn sie profitabel und nachhaltig sind"

Der Resale-Marktplatz Refurbed vertreibt seit 2017 runderneuerte technische Geräte und will so zu einer nachhaltigeren Welt beitragen. LEAD sprach mit Kaminski über Nachhaltigkeit im Onlinehandel und warum sich nicht nur Angebot und Nachfrage ändern müssen, um nachhaltigeren Konsum zu etablieren.

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Der Resale-Marktplatz Refurbed vertreibt seit 2017 runderneuerte technische Geräte und will so zu einer nachhaltigeren Welt beitragen. Ihre Gründer Kilian Kaminski und Peter Windischhofer wurden 2019 vom "Forbes Magazin" unter die "30 under 30" im europäischen Retail & ECommerce gekürt.

LEAD: Unverpackt einkaufen, Lebensmittel retten, den ökologischen Fußabdruck auch beim Konsum gering halten: Der Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit betrifft nicht nur den stationären Handel. Was für Chancen bietet der ECommerce-Bereich in Bezug auf dieses neue Bewusstsein?

Kilian Kaminski: ECommerce birgt in Sachen Nachhaltigkeit großes Potenzial, weil man zwar Geld ins Marketing investieren muss, es aber grundsätzlich einfacher ist, viele Leute zu erreichen als etwa bei einem kleinen nachhaltigen Modelabel oder einem nachhaltigen Shop im Lebensmittelbereich, die nur auf lokaler Ebene arbeiten. Bisher gestaltete sich das im Bereich der Nachhaltigkeit sehr schwierig, weil nur eine relativ kleine Gruppe nachhaltig orientiert war.

Aufgrund der aktuellen allgemeinen Entwicklungen wie etwa FridaysForFuture suchen jetzt aber vor allem mehr junge Menschen nach nachhaltigen Alternativen zu ihren alltäglichen Produkten. Hier ist der ECommerce-Markt eine passende Option, weil man dort zum Beispiel über klassische Google-Suchbegriffe auf Produkte und nachhaltige Anregungen stößt, die man vorher vielleicht gar nicht im Kopf hatte, aber ganz leicht online bestellen kann.

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LEAD: Ihr Unternehmen Refurbed vertreibt runderneuerte technische Geräte, zudem sind die Produkte auch günstiger als beim Neuerwerb. Dem einen oder anderen Ihrer Kunden ist dabei der gute Preis wichtiger als der nachhaltige Konsum oder?

Kaminski: Das Problem ist allgemein, dass Nachhaltigkeit fast immer noch teurer ist als die nicht-nachhaltige Alternative. Der Preis ist nach wie vor eine Hürde für die Käufer, die, wenn sie nachhaltig einkaufen wollen, irgendwo anders sparen müssen.

Das Schöne an unserem Modell ist, dass wir beides verbinden können: Der Kunde bekommt ein günstigeres Gerät und tut etwas in Sachen Nachhaltigkeit. Er spart also Geld, das er an anderer Stelle wieder einsetzen kann, und leistet gleichzeitig einen Beitrag dazu, dass die Welt ein bisschen nachhaltiger wird.

LEAD: Im Onlinehandel verursachen vor allem der Versand und die vielen Retouren schädliche CO2-Emissionen. Was für eine Lösung kann es dafür geben?

Kaminski: Die entstehenden CO2-Emissionen aufgrund des Versandes sind definitiv eine Herausforderung für den Onlinehandel. Wir haben mit einer neutralen Beratungsagentur für Nachhaltigkeit zusammengearbeitet, die unsere Produkte analysiert hat. Es zeigte sich, dass ein Refurbished-Produkt zu 70 Prozent nachhaltiger ist als das neue Gerät, 30 Prozent der CO2-Emissionen existieren aber leider immer noch. Das liegt neben der Tatsache, dass am Produkt gearbeitet werden muss, im Wesentlichen am Versand an den Kunden.

Die Retouren-Thematik fällt bei uns im Vergleich zu den großen Versandunternehmen glücklicherweise nicht sonderlich ins Gewicht, da die meisten Kunden das Gerät behalten. Wir haben allerdings vom ersten Verkauf an entschieden, pro verkauftem Produkt einen Baum zu pflanzen – mit einer Partnerorganisation in Madagaskar, Haiti oder Nepal – wodurch die 30 Prozent ausgeglichen werden.

LEAD: Der Grundgedanke Ihres Start-ups ist bereits nachhaltig, das Team ist jung. Damit sind Sie vielen Großkonzernen einen entscheidenden Schritt voraus. Tun sich etablierte Unternehmen schwerer, ihre Strukturen in Richtung Nachhaltigkeit umzugestalten?

Kaminski: Bei großen Konzernen, die seit mehreren Generationen betrieben werden, existierte in der Kernphilosophie häufig kein Nachhaltigkeitsgedanke – es gab ja auch kein Bewusstsein dafür. Jetzt wird das Thema wichtiger und man merkt vielen Firmen an, dass sie diesen Gedanken eher um die Firmenphilosophie herum bauen als die Nachhaltigkeit aus dem Kern heraus zu tragen.

Für ein junges Unternehmen ist es sicher einfacher, weil man von Grund auf ein Konzept entwickeln kann, das auf Nachhaltigkeit ausgelegt ist. Ich persönlich glaube, dass Unternehmen zukünftig nur dann erfolgreich sein können, wenn sie profitabel und nachhaltig sind und beides im Einklang funktioniert.

LEAD: Das Forbes Magazine hat Sie und Ihren Partner Peter Windischhofer kürzlich zu den "30 under 30" im europäischen Retail & ECommerce gekürt. Wie sind Sie in so kurzer Zeit so erfolgreich geworden?

Kaminski: Der Wunsch nach Nachhaltigkeit in der Gesellschaft wächst und ich denke, wir sind mit unserer Plattform für Refurbished-Produkte in der richtigen Zeit aktiv geworden. Wir haben zudem ein sehr diverses Team aufgebaut, das aus verschiedenen Nationen stammt, ganz verschiedene berufliche und studientechnische Backgrounds hat und entsprechend kreative Ideen mitbringt.

Wir haben aktuell zum Beispiel mehr Frauen als Männer in einem sehr jungen Team, gleichzeitig aber auch Mitarbeiter über 50. Was uns außerdem zugute kommt, ist dass wir uns den Bedürfnissen schnell anpassen können, wir haben zum Beispiel gerade E-Bikes in unser Sortiment aufgenommen und versuchen immer möglichst nah am Kunden zu sein, um herauszufinden, was er gerade braucht.

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LEAD: Als Plattform vermitteln Sie Produkte von Händlern an Interessenten: Wie werden die Händler ausgesucht und wie kontrollieren Sie deren Qualität und Nachhaltigkeit?

Die Qualität der Produkte ist der wichtigste Punkt am gesamten Businessmodell, entsprechend ist die Qualitätskontrolle auch ganz essenziell. Wenn man an einen Refurbisher denkt, stellt man sich vielleicht einen kleinen Handyshop vor. Wir arbeiten aber mit großen Firmen zusammen, in denen eher Laboratmosphäre herrscht. Für Refurbished-Produkte gibt es keine Rechtsnorm, deshalb ist es umso wichtiger, dass der Händler unseren internen Kriterienkatalog erfüllt. Bei der Auswahl muss jeder Händler außerdem einen Bewerbungsprozess mit mehreren Stufen durchlaufen, durch den seine Qualität verifiziert wird.

LEAD: Was sind die größten Herausforderungen, denen sich die Commerce-Branche in Sachen Nachhaltigkeit in der nächsten Zeit stellen muss

Kaminski: Eines der größten Probleme ist und bleibt, dass Nachhaltigkeit für viele Menschen immer noch zu teuer ist. Die Lebenshaltungskosten steigen und der einfachste Weg ist es, an Alltagsgegenständen oder minderwertiger Gebrauchtware zu sparen. Da eignen sich Businessmodelle wie unseres, bei dem man Geld spart und nachhaltig konsumiert.

Viele Unternehmen könnten übrigens ein Produkt nachhaltig und nicht-nachhaltig zu gleichen Kosten produzieren. Vielleicht verkauft das Unternehmen dann sogar auch beide Produkte, aber zu einem unterschiedlichen Preis, weil sie die Produkte anders positionieren und verschiedene Zielgruppen ansprechen wollen.

Wenn sich die Firma für ein Modell, nämlich das nachhaltige, entscheiden würden, wäre das eventuell gar nicht so teuer in der Produktion und mehr Leute könnten es sich leisten. Auch die Verpackung zu verringern ist eine Herausforderung, sie steht im Bewusstsein vieler deutscher Kunden noch für Hygiene. Die allgemeine Meinung ist: Eine Gurke in Plastik hält sich länger als eine ohne Verpackung. Hier muss die große Masse der Endkonsumenten „educated“ und erreicht werden, nicht nur die noch relativ kleine Randgruppe der bereits nachhaltig denkenden Konsumenten.

Unsere ganz spezielle Herausforderung ist es entsprechend, im Bereich Refurbished-Produkte zu educaten, diese neue, dritte Zustandskategorie zwischen „neu“ und „gebraucht“ bekannt zu machen und als ernsthafte, nachhaltige Alternative zu Neu- und Gebrauchtware im Bewusstsein der Kunden zu etablieren.

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