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Social Media Instagram Vero

Und dann kam Vero?

Keine andere App wird gerade so gehypt wie Vero. LEAD hat sich angesehen, was das soziale Netzwerk wirklich kann und wie es sich entwickeln könnte.

Vero, das ehrliche Social Network? (Bild: Vero)
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Es gibt diese Apps, die kommen in den Store, und erobern in wenigen Stunden die ganze Welt. Und es gibt Vero. Nie gehört? Kein Wunder: Die Social-Media-App für iOS und Android dümpelte seit ihrem Erscheinen Ende 2015 auf den hinteren Plätzen der Charts. In den USA lag sie damals kurz auf Platz 45 der Gratis-Downloads, verschwand dann aber schnell wieder aus den Top 1.500. Ein Flop, so wie Millionen anderer Apps? Von wegen: Jetzt, im Februar 2018, hebt Vero plötzlich ab, und gilt als die angesagteste neue Social-Media-App. In den USA schoss sie innerhalb von vier Tagen von Platz 556 auf Rang 1. Auch in Deutschland liegt Vero jetzt auf dem zweiten Platz der kostenlosen Apps. Und auf Instagram gibt es mittlerweile über 500.000 Beiträge mit dem Hashtag #Vero. Ausgelöst wurde der Hype durch Empfehlungen einiger Influencer wie des kanadischen Musikers Christian Collins, der 30 Millionen Follower auf seinen Kanälen hat. Wenn er und andere Internet-Stars zunehmend genervt von Instagram sind, und eine Alternative empfehlen – dann beginnt eine App wie Vero plötzlich zu fliegen. Wir erklären, was hinter dem "neuen Instagram" steckt.

Das ist Vero

Der Name (angelehnt an lateinisch "verum", also "das Wahre") beschreibt schon, um was es geht. Vero will sozusagen Social Media mit Reinheitsgebot sein. Oder auch: Frischgepresster Bio-Orangensaft im Vergleich zu Konzentrat aus der Chemiefabrik. "Keine Werbung, keine Algorithmen, kein Datensammeln", heißt es im Imagevideo, das die App unter vero.co vorstellt. Die Datensammelwut von Facebook und seiner Konzerntochter Instagram, das Umsortieren der Timeline nach fragwürdigen Kriterien, die viele Werbung – das alles soll es bei Vero nicht geben.

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Die App will nur die Inhalte anzeigen, die der Nutzer tatsächlich sehen möchte, und das in chronologischer, unverfälschter Reihenfolge. Deshalb wird sie auch mit Slogans wie "True Social", "Smarter Social" oder "Weniger Social Media, mehr Social Life" beworben. Quasi zurück zur Natur – so wie Facebook oder Instagram vor vielen Jahren begonnen haben. Motto des Betreibers: "Vero ist ein soziales Netzwerk für alle, die lieben, was sie teilen – und die bestimmen wollen, mit wem sie es teilen. So wie im richtigen Leben." Unbedarfte Idealisten haben Vero aber nicht auf die Beine gestellt, ganz im Gegenteil. Hinter der App steht Ayman Hariri, milliardenschwerer Geschäftsmann aus dem Libanon und Sohn des ehemaligen Ministerpräsidenten Rafiq Hariri, der 2005 bei einem Bombenattentat ums Leben kam. Seine Motivation, Vero zu erfinden: "Ich war frustriert davon, wie die großen Netzwerke mit der Privatsphäre ihrer Nutzer umgehen.

3 Vero Screen
Teilen erwünscht, aber nicht alles und nicht mit jedem. Auch das ist Vero (Bild: Vero)

Das kann Vero

Im Gegensatz zu Instagram, das sich ganz auf das Einstellen von Bildern konzentriert, können Nutzer von Vero auch Empfehlungen zu Musik, Filmen, Serien, Büchern, Restaurants oder Geschäften posten, und spannende Links in ihre Timeline stellen. Diese Inhalte werden dann automatisch in so genannten "Collections" ("Sammlungen") organisiert. Im Gegensatz zu den unüberschaubaren Privatsphäre-Einstellungen von Facebook, die bewusst abschreckend wirken, gibt es bei Vero nur drei verschiedene Arten von Kontakten: Enge Freunde, Freunde und Bekannte. Für jeden Inhalt können die Vero-Nutzer festlegen, welche der drei Kategorien ihn sehen sollen. Die Sammlungen, das Posten und die Einstellungen sind auch aufgrund des geringeren Funktionsumfangs sehr schick und deutlich übersichtlicher als bei Facebook oder Instagram.

Was kostet Vero?

Bisher gar nichts. Für die erste Million Nutzer verspricht Vero eine kostenlose Mitgliedschaft. Doch diese Grenze dürfte angesichts des momentanen Hypes sehr schnell fallen. Wie es danach weitergeht, ist derzeit offen. Werbefrei will Vero weiterhin bleiben. Die Alternative wäre eine Abo-Gebühr, in welcher Höhe auch immer. Spekuliert wird über "wenige Dollar im Jahr". Doch das ist sehr untypisch für Social Media, wird von Usern kaum akzeptiert, und dürfte ein schnelles Ende des Erfolgs bedeuten. Geld könnte Vero mit den Empfehlungen für Musik, Bücher oder TV-Serien verdienen. An den Links, die aus der App in entsprechende Stores führen, ist Vero schon jetzt beteiligt, die Einnahmen dürften aber überschaubar sein. Hier müssen die Betreiber noch viele Fragen beantworten.

Das sind die Schwächen von Vero

Außer dem ungeklärten Preismodell gibt es weitere Probleme und Fragezeichen. Trotz der Versicherung, keine neue Datenfalle zu sein, ist für die Anmeldung derzeit die Eingabe der Mobilfunknummer erforderlich – angeblich aus Sicherheitsgründen. Tenor vieler Interessenten auf Twitter: "Die wollen meine Handynummer, ich bin raus." Wer sich trotzdem anmelden will, braucht häufig Geduld. Denn momentan sind die Server so überlastet, dass sich Vero bereits auf seiner Website entschuldigt: "Wir verzeichnen derzeit deutlich mehr Anfragen als normal. Wir arbeiten daran, dass die App bald wieder wie gewohnt funktioniert." Und noch ein Problem: Follower aus Facebook oder Instagram lassen sich nicht importieren oder problemlos finden. Bei Vero fangen alle Nutzer wieder bei Null an – was aber auch durchaus seinen Reiz haben kann.

4 Vero Klein
(Bild: Vero)

Das sind die Aussichten

Viele Fragen sind noch offen, vor allem zu Finanzierung und Datenschutz. Doch in Sachen Funktionen, Design und der Philosophie, seine Nutzer nicht auszuhorchen, hat Vero durchaus Potenzial. Und der Bedarf für eine neue und vor allem faire Social-Media-App, die nicht von einem der großen US-Datensammler betrieben wird, besteht definitiv. Seit Snapchat vor gut fünf Jahren hat kein neues Netzwerk mehr den Durchbruch geschafft. Damit Vero das ändern kann, müssen die Betreiber aber zeigen, dass sie es mit der „Wahrheit“ im App-Namen auch tatsächlich ernst meinen. Wer mitbekommen will, wie es mit Vero weitergeht, folgt am besten dem Twitteraccount @verotruesocial.

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