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TikTok Musical.ly FC Bayern

TikTok: Lisa und Lena weg, FC Bayern da

Die beiden weltweit meistgeladenen Apps im ersten Quartal 2019 kennt jeder: WhatsApp und der Facebook Messenger. Auf Platz drei liegt eine App, die die meisten Internetnutzer, die über 15 Jahre alt sind, immer noch vor Rätsel stellt: TikTok, die erste weltweit erfolgreiche App aus China. Der Siegeszug der 15-Sekunden-Spaßvideos, die in TikTok zu sehen sind, ist offenbar nicht mehr aufzuhalten.

TikTok ist der erste App-Welterfolg aus China. Doch der Spaß hat seine Schattenseiten (Foto: TikTok)
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Untrügliches Zeichen für die wachsende Bedeutung: Mit dem FC Bayern und Borussia Dortmund haben innerhalb weniger Tage nun auch Deutschlands Fußball-Riesen ihre TikTok-Kanäle gestartet. Und die Vermarktung der App soll jetzt auch in Deutschland Fahrt aufnehmen. LEAD verrät den neuesten Stand in Sachen TikTok.

Der FC Bayern ist da

Fcb Tik Tok
Mia san mia, mia san bei TikTok: Die offizielle FC-Bayern-Seite (Foto: TikTok)

Der FC Bayern, mit weltweit 80 Millionen Followern Deutschlands Social-Media-Meister, hat mit TikTok seinen zwölften Kanal in den sozialen Medien gestartet. Das gaben die Münchner am Freitag bekannt. Als Mini-Clips bereits zu sehen sind die Tore vom 5:0 gegen Borussia Dortmund – oder Serge Gnabry und David Alaba beim Torjubel mit Salzstreuer und Pfeffermühle als bisher erfolgreichster Clip mit über 62.000 Aufrufen. "Für mich ist TikTok eine der spannendsten Plattformen seit Vine", meint Felix Loesner, Social-Media-Chef des FCB, und schwärmt vom "großen Potential für Kreativität, Trends und Community".

Diesmal waren die Bayern aber nicht Erster. Denn Borussia Dortmund startete kurz zuvor. Und die Zweitligisten 1. FC Köln und Hamburger SV sind zumindest in Sachen TikTok bereits wieder erstligareif.

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Lisa und Lena sind weg

Die Zwillinge aus Stuttgart waren seit 2015 mit ihren Musikclips Deutschlands Aushängeschilder bei TikTok und dem Vorgänger Musical.ly. Damit ist jetzt Schluss: Im zarten Alter von 16 Jahren haben Lisa und Lena ihre TikTok-"Karriere" beendet und ihren Kanal gelöscht. Bei über drei Millionen Followern ist damit Trauerarbeit im Kinderzimmer angesagt.

"Wir arbeiten jetzt fokussiert an der Schauspielerei, weil das schon immer unser Traum war", verriet Zwilling Lisa über den TikTok-Abschied. Ärger wegen des mangelhaften Kinder- und Jugendschutzes in der China-App soll auch mitgespielt haben. Außerdem ist Instagram für die beiden mit 14,4 Millionen Followern momentan die noch lukrativere und PR-wirksamere Plattform. Für die Nachfolge ist gesorgt: Die neuen deutschen TikTok-Zwillinge heißen "Lesotwins". Leonie und Sophie kommen auch schon auf 1,5 Millionen Follower.

Zur Erinnerung – das ist TikTok

Tik Tok
"Real Short Videos" – so kurz und knapp beschreibt TikTok sein Erfolgsgeheimnis (Foto: TikTok)

Unter dem Motto "Every Second counts" ("Jede Sekunde zählt") teilen die TikTok-User ihre 15-Sekunden-Clips miteinander. Mit zahllosen Filtern, Sounds, Grafiken und Textelementen lassen sich die Smartphone-Videos kreativ aufhübschen. Es gibt die üblichen Social-Media-Werkzeuge mit Hashtags zum Finden von Inhalten, mit Herzchen zum Liken sowie zum Kommentieren der Clips. Vor allem aber ist TikTok rasend schnell und passt damit perfekt zum Smartphone-Lifestyle der jungen Nutzer. Langeweile fällt aus, denn per Wisch nach oben erscheint sofort das nächste Video. Weiterer Pluspunkt: Wer nur gucken will, aber nicht selbst posten, muss sich nicht einmal anmelden.

So erfolgreich ist TikTok

Tik Tok 2018
2018 war TikTok die viertmeist geladene App der Welt, mittlerweile ging es einen weiteren Platz nach oben (Foto: SensorTower)

Im App Store für iOS war TikTok bereits 2018 die weltweit meistgeladene App, im Play Store von Android waren nur WhatsApp, der Facebook Messenger und Facebook erfolgreicher. 500 Millionen monatlich aktive Nutzer sind mehr als bei Twitter (321 Millionen) und bei Snapchat, das bei über 300 Millionen liegt – und immerhin schon halb so viel wie bei Instagram.

Im Vergleich zu Instagram profitiert TikTok im Übrigen davon, dass Facebooks Foto-Tochter in China verboten ist. Ein wichtiges Indiz für den Erfolg von TikTok ist außerdem, dass sich Facebook bereits an einer 1:1-Kopie versucht hat – doch die Video-App "Lasso" ist bisher krachend gescheitert.

Dieses Unternehmen steckt hinter TikTok

Byte Dance
Das Epizentrum des TikTok-Fiebers: Zentrale von Hersteller ByteDance in Peking (Foto: CNN)

Der chinesische Technologiekonzern ByteDance hat Ende 2017 für 700 Millionen Euro die Video-App Musical.ly übernommen und mit seinem eigenen Programm TikTok zusammengelegt. Kernelemente von TikTok, das in China "DouYin" heißt, stammen nach wie vor aus Musical.ly, einer Art Mini-Playback-Show für Musikvideos, der viele eingeschworene User bis heute nachtrauern.

Eigentlich ist ByteDance trotz seines Namens kein Spezialist für Unterhaltungs-Apps, sondern für künstliche Intelligenz. Die clevere Auswahl der Videos, die die Nutzer zu sehen bekommen, basiert denn auch auf KI. Dabei geht TikTok so geschickt vor, dass es den Nutzergeschmack beinahe perfekt trifft. "Sie lösen das Rätsel, das Twitter lösen wollte, und das jeder lösen wollte: Wie halte ich die Nutzer in der App?", staunt Ankur Thakkar, Ex-Chefredakteur von Twitters Video-Tochter Vine.

So viel Spaß macht TikTok

"TikTok bringt den Spaß zurück in die sozialen Medien", schreibt die New York Times. Und für das US-Technikmagazin The Verge ist TikTok "die perfekte Zeitverschwendung". 46 Minuten pro Tag verbringen die Nutzer durchschnittlich mit den Videohäppchen, mit Wettbewerben im lippensynchronen Singen, mit virtuellen Duetten, mit albernen Versuchen, sich absichtlich danebenzubenehmen (Cringes) oder mit Herausforderungen (Challenges) wie dem Tanzen auf Treppen. "Das Ergebnis", so die New York Times, "ist eine endlose Reihe von Videos, die die meist jungen Nutzer auf anderen Plattformen niemals posten würden. Das kann manchmal schwer anzuschauen sein, oder auch charmant, oder sehr sehr lustig".

In TikTok muss niemand lange nach "Freunden" suchen, denn hier gibt’s Unterhaltung an jeder Ecke. TikTok-Influencer Billy Mann erklärt es so: "Es ist eine Art Flucht. Es ist ein sicherer Hafen für Menschen, die die Welt in Flammen aufgehen sehen, und die sagen, ich brauche jetzt einfach etwas Verrücktes." Für die New York Times hat TikTok den Zeitgeist damit so gut getroffen, dass sie schreibt: "TikTok verändert die Art, wie Social Media funktioniert – sogar, wenn man es gar nicht nutzt."

So problematisch ist TikTok

Tik Tok Mobilsicher
Solche Videos haben die Experten von "Mobilsicher" bei TikTok gefunden. Je mehr nackte Haut, desto mehr Herzchen von anderen Nutzern gibt es (Foto: Mobilsicher)

Wie bei jeder Plattform, die sich primär an Kinder und Jugendliche richtet, ist Missbrauch ein zentrales Thema. Bereits den Vorgänger Musical.ly haben solche Vorwürfe begleitet. In Indien, einem seiner wichtigsten Märkte, hat TikTok gerade sechs Millionen Videos gelöscht, die nicht den „Gruppen-Standards“ genügten. Aktueller Vorwurf der BBC: Nutzer, die problematische Inhalte posten oder die die App missbrauchen, werden von TikTok nicht einmal gesperrt, es werden lediglich ihre Videos gelöscht. Mittlerweile hat TikTok Filter für Hass-Posts und für unerlaubte Stichworte in Kommentaren eingeführt, und will problematische Inhalte innerhalb von 24 Stunden löschen. Doch das funktioniert noch längst nicht wunschgemäß.

Das vom Bundesjustizministerium geförderte Datenschutzportal "Mobilsicher" spricht von einer "unheimlichen Parallelwelt im Kinderzimmer" und warnt vor TikTok, dessen Altersgrenze von 13 Jahren sich nicht kontrollieren lässt: "Wie schon beim Vorgänger Musical.ly finden sich auch hier zahllose Videos von sehr jungen Mädchen in aufreizenden Posen und ein Netzwerk von Nutzern, die sie ansprechen und mehr Haut sehen wollen. Wirksame Gegenmaßnahmen des Anbieters fehlen noch immer." Der Tipp der Experten: "Wir können Eltern nur raten, ihre Kinder bei der Verwendung von TikTok aufmerksam zu begleiten und genau abzusprechen, unter welchen Voraussetzungen der Dienst genutzt werden darf."

Das plant TikTok

500 Millionen aktive Nutzer pro Monat sollen mittelfristig auch zu entsprechenden Einnahmen führen. Laut der App-Analysten von SensorTower hat ByteDance bisher nur rund 75 Millionen Dollar mit In-App-Käufen eingenommen. Im Angebot sind dabei Münzen für virtuelle Geschenke, die sich die Nutzer gegenseitig zuschanzen. 100 Münzen kosten 1,09 Euro, 10.000 Münzen gibt’s für 109,99 Euro. Dieses Geschäft will ByteDance drastisch ausbauen. Zudem ist die Vermarktung der App als Werbeplattform in Deutschland gerade angelaufen. Zu den ersten Unternehmen, die hierzulande in TikTok werben wollen, gehört McDonald’s.

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