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Dresscode: Flipflops. Andrea Buzzi in ihrem "Büro", einem balinesischen Café (Foto: Andrea Buzzi)
New Work Kolumne Internet

Telefonkonferenz um Mitternacht

Ein Arbeitstag hat in der Regel acht Stunden - außer, man schlägt seinen Laptop weit weg von der Firmenzentrale auf. Zum Beispiel auf Bali. LEAD-Kolumnistin Andrea Buzzi über den Arbeitsrhythmus einer Digitalnomadin.

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Heute ist Tag 10 von 88 meines Experiments als digitale Nomadin auf Bali. Die erste Woche habe ich damit verbracht, meine Arbeit und mein Leben hier zu organisieren. Klima- und Zeitumstellung sind nicht so einfach zu bewältigen. Und auch bis die Technik einwandfrei funktioniert, braucht es Geduld und regelmäßig Strom, der hier jeden Tag mindestens einmal für längere Zeit ausfällt. Aber langsam komme ich in den Bali-Flow.

Im Moment erlebe ich mein zeit- und ortsunabhängiges Arbeiten als sehr ungewohnt. Die Routine des Schreibtischjobs mit einer 40-Stunden-Woche ist noch zu tief in den Synapsen meines Gehirns verankert. Fünf Tage arbeiten, am Wochenende frei. Veränderung braucht eben seine Zeit. Das musste ich erfahren, als ich am Montag ambitioniert in den ersten richtigen Arbeitstag startete und versuchte, meinem Ruf als Arbeitstier gerecht zu werden. Ich redigierte fleißig Texte und Konzepte, beantwortete Stunden lang meine E-Mails und hatte einen längeren Facetime-Call mit meiner Geschäftsführerin in Hamburg. Dumm nur, dass ich quasi schon nach dem Aufstehen damit begann meine Arbeitswut aus dem Käfig zu lassen, obwohl zu Hause noch alles schlief. Die virtuellen Konversationen zogen sich dann bis in die späte Nacht. Im Prinzip könnte ich auf Bali von 9 Uhr bis Mitternacht am Schreibtisch sitzen. Hilfe! Aus! Ende! Ich bin ins Paradies geflogen, um meine Akkus aufzuladen. Also habe ich Mitte der Woche meine Arbeitszeit umgestellt und erst um 16 Uhr Ortszeit losgelegt. Auch das war nicht ideal, denn drei Stunden später ist es hier stockduster und Balis aufregendes Nachtleben wartet. (Hier kann man wirklich gut ausgehen.)

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Die Lösung liegt offensichtlich nicht in der Definition einer bestimmten Arbeitszeit, sondern darin, in Aufgaben und Projekten zu denken. Ich weiß, für diese Erkenntnis musste ich erst 12.000 Kilometer reisen. Was gilt es heute wirklich zu erledigen und was kann nur ich bearbeiten? Ich habe daher eine ganze Reihe Newsletter abbestellt und mich bis April von unserer Team-E-Mail-Adresse abgemeldet. Inzwischen weiß ich auch, wie man seinen Slack-Account auf „Snooze“ stellt. Mein Bali-Aufenthalt ist auf jeden Fall eine gute Schule für mein Zeitmanagement und das Finden einer Work-Life-Balance – ganz ohne Weiterbildungsseminare.   

Immer öfter erwische ich mich jetzt dabei, dass ich mir sehr genau überlege, ob ich im Tagesgeschäft der Agentur wirklich mitmischen möchte oder lieber zum Yoga-Kurs gehe. Der ist zwar auch anstrengend für jemanden wie mich, der jahrelang vor dem Schreibtisch hockte. Aber immerhin ist der Yoga-Saal direkt am Strand - und da ist auch eine schöne Strandbar. Dann geht die Sonne unter, ich werde so schön schläfrig und denke mir: Morgen ist ja auch noch ein Tag…

P.S.: Nächste Woche fahre ich in das Inselinnere nach Ubud, um mich mit Marion Kutta, Werbefilmerin und ebenfalls Digitalnomadin, zu treffen. Sie ist gerade nach Ubud gezogen und hat ihre privaten Zelte in München abgebrochen. Mal sehen, was sie einem Newbee wie mir mitgeben kann. 

Andrea Buzzi (46) ist Geschäftsführerin der Agentur Frau Wenk+++ und Herausgeberin von Clutch, dem Gesellschaftsmagazin für die digitale Welt. Mit ihrer Firma berät sie seit 2008 Internet-Unternehmen in Sachen Kommunikation. Ihre Passion für die digitale Wirtschaft treibt sie bis heute an. Sie ist mit dem Journalisten und Buchautoren Gerhard Buzzi verheiratet, der sie nach Bali begleitet. Ihr Hund Lulu muss leider in Deutschland bleiben. 

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