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Apple Smartphone iPhone

Stirb langsam 5.0 - die Kehrseite des Apple Events

Neues iPhone Xr, neues Xs, neues Xs Max, Apple Watch der 4. Generation – das sind die neuen Produkte von Apple, die sich ab heute vorbestellen lassen. Genauso interessant: Das, was nicht (mehr) gezeigt wurde. Diese Produkte liefern gute Hinweise darauf, wie Apple sein Portfolio strategisch umbaut.

(Bild: Apple)
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Das iPhone Xs Max wird außerdem in einer schmaleren Version erhältlich sein, bekannt als iPad mini…"

Was Ina Fried, angesehene Technik-Korrespondentin des US-Portals Axios, da Mittwochnacht twitterte, war natürlich ein Scherz. Doch in jedem Witz steckt bekanntlich auch ein bisschen Wahrheit: Natürlich kommt das iPhone Xs Max nicht in einer kleinen iPad-mini-Version heraus. Das iPad mini, zuletzt im September 2015 in der 4. Generation aktualisiert, wird eingestellt. Nichts deutet darauf hin, dass Apple bei der Vorstellung der nächsten neuen iPads (wohl noch im Oktober auf einem separaten Event im Apple Park) eine Neuauflage des iPad mini zeigt. Das iPhone Xs Max mit 6,5-Zoll-Display ist so gesehen das neue iPad mini, das es auf einen 7,9-Zoll-Bildschirm bringt.

Die 1,4 Zoll Unterschied, diese wenigen Zentimeter: Teil einer neuen und vor allem notwendigen Strategie von Apple.

Je größer der Bildschirm, desto größer der Umsatz

Phablets, also riesengroße Smartphones, stehen derzeit bei den Anbietern hoch im Kurs. Größere Bildschirme sorgen für größere Verkaufspreise – und damit für größeren Umsatz. Während die Zielgruppe für ein iPad mini immer spitzer wird und unterwegs eher schlecht telefonieren kann, wird auch die Sättigungsrate im Smartphone-Markt immer größer.

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Immer bessere Specs. Immer "50 percent faster, it’s the fastest iPhone ever", amazing, klar. Aber nur wenige User kaufen jedes Jahr ein neues Smartphone. So ist das iPhone 7 aus dem Jahr 2016 aktuell das weltweit meistverkaufte Smartphone.

Weniger Abverkäufe müssen also kompensiert werden – zum Beispiel über höhere Preise. Das iPhone Xs Max verkauft Apple etwa in der größten Konfiguration mit 512 GB in Deutschland für 1649 Euro. Zum Vergleich: Das aktuelle iPhone X kostete zum Start im Herbst 2017 in der Top-Konfiguration mit 256 GB bei Apple 1349 Euro.

"Big, big, big"

So gesehen ist es also nur folgerichtig, dass Apple mit 1649 Euro eine neue Premium-Preismarke setzt, das iPad mini 4 verschwindet und mit ihm auch iPhone 6 und 6 Plus sowie das durchaus populäre iPhone SE (für zarte Damenhände, nur 4,1 Zoll) aus dem Apple-Regal genommen wurden. Ein iPhone SE, zuletzt für knapp 300 Euro zu bekommen, kann langfristig nicht den Smartphone-Umsatz konsolidieren.

I Pad Mini 4
(Bild: Apple)

Im Vorfeld von wohl schon 2019 erscheinenden faltbaren Smartphones, die eine neue Innovationsstufe einleiten sollen (wollte irgendjemand von uns neulich mal sein Smartphone, äh, falten?), ist big beautiful. Natürlich zum Surfen, Mailen und Produktiv-Arbeiten, aber eben auch für den Umsatz. Nicht umsonst dürfte Apple seine selbstproduzierte 108-Sekunden-Video-Zusammenfassung der Keynote "This is big" nennen. Big, big, big. Zitat: "Here’s all the big news from Apple’s big event in less than two minutes."

Stirb langsam 5.0 – es erwischt nicht nur das iPhone SE (zählen wir mal durch, 1.0) und das iPad mini (2.0) aus den genannten Gründen. Apple strafft sein Produktportfolio auch an anderer Stelle deutlich erkennbar.

Beats (3.0) in unsicherem Terrain

"Kümmert sich Apple eigentlich um die Marke Beats?", fragte ein besorgter Micah Singleton, Autor des US-Portals TheVerge, bereits einen Tag vor der Keynote rhetorisch. Beats, größte Kopfhörer-Firma der Welt und seinerzeit für 3 Milliarden Dollar von Apple akquiriert, bekam keine neue Hardware zum Apple-Event spendiert. Die Sorge scheint also berechtigt. Auf den ersten Blick. Auf den zweiten nicht: Der Beats-Zukauf hat die Marke Apple inzwischen längst bei der jüngeren Zielgruppe gestärkt, das war einer der Hauptantriebe des Zukaufs. Und Apple hat seinerzeit das Knowhow von Beats benötigt, um Apple Music dahin zu bringen, wo es heute ist. In kurzer Zeit Marktführer in den USA, vor Spotify, obwohl die Skandinavier schon viele Jahre in den Staaten am Start sind. Die Investition von 3 Milliarden Dollar wurde so gesehen also längst wieder eingespielt.

Beats Solo3 Wireless
(Bild: Apple)

Jetzt also Down-Beats? Ohne es auf dem Event zu verkünden, gibt es für die urBeats noch im Herbst drei neue Farben, für die Beats Solo3 Wireless zwei neue Farben.

Moderate Aktualisierungen nur. Warum? Der Überraschungs-Erfolg der AirPods motiviert Apple, mehr in die Eigenmarke zu investieren. Die AirPods der 2. Generation könnten noch vor Weihnachten kommen und immer wieder wird spekuliert, dass 2019 ein eigener HiFi-Premium-Kopfhörer unter dem Markendach Apple erscheinen könnte. Die Stärkung der Marke Apple im Zubehörbereich wurde bereits im Februar 2018 mit dem Launch des HomePod in den USA, Australien und Großbritannien eingeleitet.

Air Power
(Bild: Apple)

Power matt

Der Anpassungsprozess macht offenbar auch vor anderem Zubehör nicht halt. Die vor einem Jahr auf dem iPhone-8-Event angekündigte revolutionäre Apple-3-in-1-Ladestation "AirPower" hat Apple Mittwochnacht nach dem Xs-Event heimlich von der Website genommen. Fast nichts deutet mehr auf den Marktstart hin, der eigentlich 2018 erfolgen sollte. Stirb langsam 4.0? Insider haben über große technische Probleme bei der Implementierung der Lade-Optionen referiert. Das stille Ende der "AirPower" ist nicht mehr ausgeschlossen. Stichwort Fokussierung: Damit betraute Ingenieure könnten abgezogen werden, um in der iPhone-Generation 2019 eine schnellere Lade-Option zu implementieren.

Von macOS hin zum Schwerpunkt iOS?

Bliebe zu guter Letzt die Frage: Erleben wir hinter den Kulissen derzeit einen generellen Strategiewechsel hin zu iOS, weg von macOS? Apple beteuert, man pflege die anspruchsvolle Mac-Kundschaft nun wieder besser. Vieles deutet tatsächlich darauf hin, der neue iMac Pro etwa. Andererseits: Auch am Mittwochabend gab es wieder keine neuen Macs. Ein Mac-mini-Refresh steht längst aus. Stirb langsam 5.0: Seit vier Jahren ist der Mac mini ohne jedes Update, auch das MacBook Air könnte als Einstiegsmodell schon lange ein Retina-Display vertragen.

Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Im Oktober dürfte Apple ein weiteres Event in Cupertino präsentieren, mit neuen iPads und Upgrades für die Mac-Reihe. Schon Ende September könnte die Ankündigung erfolgen.

Apple ist lebendig wie nie, zweifellos: drei neue iPhones, neue Apple Watch 4, bald neue iPads. DigiTimes Research erwartet, dass Apple alleine in der zweiten Hälfte 2018 127 Millionen Geräte verkaufen wird. Die Einnahmen für all diese iPhones sollen bei 100 Milliarden US-Dollar liegen. Dies wäre ein Plus von 10 Prozent, Jahr für Jahr.

Mit einer straffen Strategie stirbt jedenfalls nicht der Umsatz…

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