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Mac App Store Ansicht Freiraum Foto Apple
Der neu designte Mac App Store (Foto: Apple)
Apple App Store Apps

Stilkritik: Der neue Mac App Store

Ende September hat Apple sein neues Mac-Betriebssystem macOS 10.14 Mojave für Nutzer freigeschaltet. Dabei wurde auch der Mac App Store runderneuert.

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Vielleicht liegt es daran, dass bei „Raumschiff Enterprise“ schon zum TV-Start im Jahr 1966 iPad-ähnliche Tablets auf der Kommandobrücke eingesetzt wurden. Irgendjemand bei Apple muss auf jeden Fall großer Fan der Kultserie sein.

„Der Weltraum - unendliche Weiten... Wir schreiben das Jahr 2200. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, das mit seiner 400 Mann starken Besatzung fünf Jahre lang unterwegs ist, um neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt, dringt die Enterprise in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.“

Unendliche Weiten.

Diese legendären Einstiegsworte, jeder Original-Enterprise-Folge vorangestellt, kamen uns schon nach kurzer Zeit in den Sinn, als wir uns mit dem Unternehmen Mac App Store 2018 vertraut gemacht hatten.

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Digitalisierung bringt Wandel – und das nicht nur in die Welt der Fotografie, wie die Titelgeschichte von LEAD 3 beschreibt. Auch im Apps-Universum hat sich so einiges getan. Mittlerweile sind die digitalen Anwendungen und kleinen Helferlein auch aus den Businessplänen von Unternehmen nicht mehr wegzudenken - Selbstläufer sind sie allerdings nicht. Was vor, während und nach der Umsetzung einer App zu bedenken ist, erfährst du im neuen LEAD Bookazine.

Der Anspruch

Apple selbst verspricht im Mac App Store 2018 „einen neuen Look und spannende neue Inhalte (…), interessante Geschichten, kuratierte Sammlungen und sogar Videos“. Sie sollen bei der Suche nach der richtigen App helfen. Das Versprechen: Alle Inhalte seien „ genau nach den Dingen sortiert, die du gerne auf deinem Mac machst. Hier findest du die besten neuen und aktualisierten Apps, jede Woche von unseren Experten ausgewählt.“

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Die Umsetzung

Während das neue macOS 10.14 schon sehr stabil läuft und viele praktische und konsequent umgesetzte neue Features wie Stacks (Stapelverarbeitung) oder den Dark Mode mitbringt, wird diese Konsequenz im Mac App Store (noch) vermisst.

Auf halber Strecke im App-Raum

Mac App Store Freiraum Seitenleiste Screenshot Gronau
Viel grauer Freiraum - zu viel? Die Navigationsleiste links (Screenshot: Apple Mac Store)

Der neue Look wirkt noch etwas unfertig. Große, leere Flächen kennzeichnen den Mac App Store. Viel Weißraum. Keine Überfrachtung, das wäre geschmeichelt. Nun gilt Apples Design-Sprache weltweit als stilprägend. Großartig, wie andere Smartphone-Hersteller beispielsweise die Notch imitiert haben.

Aber wir sprechen ja hier über Software. Schon beim Sprung von iOS 10 auf iOS 11 hat Apple seine Designsprache deutlich verändert. Bereits unter iOS 11 hielten das großflächige Weiß, die sehr große Überschrift Einzug. Ein Jahr später interpretiert der Mac App Store die iOS-Umwälzungen selbstredend ähnlich. Allerdings: Auf kleinen Geräten wie Smartphones oder selbst auf Tablets wirkt Luft und weißer Raum augenfreundlich, entspannend und einladend. Auf dem großen Desktop-Rechner bekommt der Freiraum dann aber noch mal eine andere, zu großzügig gedachte Anmutung.

Ein Beispiel ist die Seitenleiste des Mac App Stores. Wer die horizontale Anmutung der letzten Version schätzte, der dürfte etwa über die Seitenleiste, die nun am linken Rand erscheint, ein wenig verwundert sein. Sieben einzelne Kategorien – Entdecken, Erstellen, Arbeiten, Spielen, Entwickeln, Kategorien und Updates – sind dort platziert. Darunter: etwa 50 Prozent leerer Raum, bevor ganz unten links der angemeldete User-Name zu sehen ist.

Noch mehr Grau-Weiß findet sich auch auf der Startseite, auf den Unterseiten. Kästen, die auf Apps verweisen, atmen. Beinahe die Hälfte weiß.

Stichproben in weiteren Rubriken

Es folgen auf der Homepage des neuen Mac App Stores quergestreckte Charts, die früher am rechten Store-Rand kompakt ihren Platz hatten. Die Top 10 der Gratis- und Kauf-Apps ist dann auch nicht komplett zu sehen: Sie endet auf Platz 9. Mut zur Lücke also auch hier.

Weiterhin verweist Apple im unteren Teil der Startseite auf „Tolle aktuelle Apps und Spiele“. Das wäre in der Tat ein optimaler Ort, um hier an den sechs Plätzen sehr neue und gute Apps in den Fokus zu rücken. Stichprobe in dieser Rubrik an einem beliebigen Tag im Oktober: Erwähnt werden „Aurora HDR 2019“, die Spiele „Nanuleu“ und „Conduct Deluxe!“ – tatsächlich alle recht frisch erschienen.

Aber auch in der Rubrik „Neue Apps“ zu finden: „Yoink“, der Zwischenablage-Manager. Nicht neu, ein Update der seit sieben Jahren existierenden Version. „Anatomie und Physiologie“ – aktuell in Version 5.1.67 unterwegs.

Neu ist nicht immer neu

Wohlbekannte Apps unter „Neu“, nur weil sie Aktualisierungen erhalten haben, konterkariert die Rubrik etwas. Ähnliches ist in der Rubrik „Wir empfehlen“ zu beobachten: Bei all unseren Aufrufen das gleiche Bild – die Apps sind vielen Usern wohlbekannt, weil schon lange im Store. Ob es nun die Mail-App „Spark“ von Readdle ist oder das mächtige Strategie-Spiel „Civilization VI“ oder djay Pro 2 (released im Dezember 2017 und mittlerweile längst jedem DJ geläufig, der ein solches Tool für sein MacBook benötigt).

Was fehlt

In den Weiten des App-Raums fehlt eine chronologische Liste mit neuen Apps. Nur ausgewählte Apps werden gefeatured. Mit einer Liste der neu erschienenen Programme würden auch Anwendungen kleinerer und unabhängiger Entwickler in den Fokus der User gelangen, von denen sonst niemand Notiz nähme. Schließlich kann Apple auch nicht jede Mac-App-Perle featuren. Mehr Apps im Sichtbereich, das würde im Übrigen auch mehr Einnahmen für Apple bedeuten.

Gleiches gilt für das Thema Rabatte. In den zurückliegenden Jahren hatte Apple bisher noch kein Faible für die Auflistung reduzierter Apps. Tagtäglich setzen viele Developer den Rotstift an, um ihrer vielleicht etwas in die Jahre geratenen App wieder etwas Schwung zu verleihen. Von 9,99 auf 3,99 Euro, von 3,49 Euro auf 99 Cent. Wer will es ihnen verdenken? Nur: Dazu benötigen sie eine Anlaufstelle. Auch an App-Rabatten partizipiert Apple bei den Einnahmen. Täglich fünf interessante Rabatte zu präsentieren, würde also das Gesamtprodukt nicht konterkarieren.

Zuletzt übernahmen Apple-News-Apps die Aufgabe, Rabattlisten zu veröffentlichen. Der Anreiz, dies weiter zu tun, wächst aber nicht. Apple zahlt Betreibern von App- und Apple-News-Seiten, die Apps vorstellen, ob nun neu oder rabattiert, seit 1. Oktober keine iTunes-Affiliate-Provisionen mehr (LEAD berichtete). Apple könnte also an dieser Stelle einen kompakten Deals-Bereich zumindest in Kurzform übernehmen.

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Nun gilt – auch wenn macOS 10.14 Mojave mit seinem neuen App-Store in Beta bereits seit dem Sommer von registrierten Entwicklern auf Herz und Nieren geprüft wurde – auch für Apple immer noch das, was auch für Politiker gilt: 100 Tage Bewährungsfrist. Und mit jedem Update für Mojave ließe sich das eine oder andere nachträglich integrieren.

Eine neue Umfrage der Betreiber von Setapp, einer Plattform, auf der Apps als Flatrate für einen bestimmten Zeitraum geliehen und geladen werden können, zeigt die derzeitige Sichtweise von Mac-App-Entwicklern. Mit der prozentualen Aufteilung des Umsatzes von 70 zu 30 Prozent (letztere gehen an Apple) zeigen sich inzwischen 51 Prozent der Devs zufrieden. 2017 waren es nur 31 Prozent.

Was allerdings auffällt: Immer mehr Entwickler geben an, den App Store nicht mehr vorrangig als erste Vertriebsplattform zu nutzen. Mittlerweile verkaufen rund 32 Prozent ihre Apps nicht mehr über die Plattform und nur 22 Prozent verkaufen bei Apple exklusiv ihre Software. Aus Gründen, die von fehlenden Optionen für Upgrades bis zur nicht vorhandenen Möglichkeit reichen, Testversionen direkt im Store anzubieten.

Der neue Mac App Store ist angetreten, diese und weitere Schwachstellen zu beseitigen. Das ist löblich und auch richtig. Dennoch bleibt weiter Luft nach oben. Es muss und wird sicher nicht bis zum Jahr 2200 dauern, bis Apple seine Mac-App-Angebote in eine Form gebracht hat, die nie zuvor ein Mensch gesehen hat.

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