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Johannes Ceh (Foto: Thomas Dashuber)
DSGVO Datenschutz Daten

DSGVO: Starthilfe für ein neues Internet?

Das Ende von Google Plus wurde durch weltweit verstärkte Datenschutz-Bemühungen beschleunigt. Die DSGVO ist aber auch eine Chance für einen Neustart - wie Unternehmer Jürgen Litz im Interview mit LEAD-Kolumnist Johannes Ceh erklärt.

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Als sich vor zwei Jahren die DSGVO ankündigte, deutsche Unternehmen überfordert reagierten und viele US-Datendienstleister die Tragweite der Auswirkungen für die europäischen Märkte nicht vorhersehen konnten, ging der Konstanzer Unternehmer Jürgen Litz in die Offensive.

Mit dem Wissen, dass die damit verbundenen Änderungen gerade Klein- und Mittelständler vor immense Herausforderungen stellen würden, entschied sich der Geschäftsführer des CRM-Anbieters cobra, eine mit der DSGVO konforme Plattform für seine Kunden auf die Füße zu stellen.

Litz sieht Kritik an der Umsetzung der DSGVO als absolut berechtigt. Er wird jedoch nicht müde, auf Chancen hinzuweisen. Ich habe mich mit ihm ausgetauscht.

Die DSGVO als globaler Mahner

Jürgen Litz: Die DSGVO ist nicht nur Totengräber für Unternehmen, die den Datenschutz nicht ganz so ernst genommen haben. Man glaubt es kaum: Die DSGVO kann auch Geburtshelfer und Export-Produkt sein. Wenn man dem Spiegel glaubt, dann hat sich gerade der Silicon-Valley-Staat die DSGVO als Vorbild für die eigenen Optimierungen des Datenschutzes gewählt - und das gegen den Widerstand vieler Unternehmen im Silicon Valley. Vielleicht sieht mancher Kalifornier in der DSGVO etwas, was wir nicht sehen. Die DSGVO könnte in noch größerem Rahmen ins Spiel kommen. Sie könnte die Bemühungen um ein neues Internet und eine höhere Datensouveränität unterstützen.

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Johannes Ceh: Die DSGVO wird als globaler Mahner für sensiblen Umgang mit Daten spürbar.

Jürgen Litz: Selbst Hit-Radio FFH berichtete über das Ende von Google Plus: Google Plus als Walking Dead ist nun wirklich tot und die Totengräber waren eben neben den eigenen Misserfolgen und Pannen sicherlich auch die weltweit verstärkten Bemühungen zur Regulierung des Datenschutzes. Die DSGVO hat also schon ihre Wirkungen, auch gegenüber den Datenkranken.

Auch interessant: Google verschwieg Datenpanne - jetzt ermittelt der Datenschutz-Beauftragte

Das Projekt Solid

Johannes Ceh: Mit seinem Projekt Solid will Web-Erfinder Tim Berners-Lee die Datensilos der GAFA aufbrechen. Ist das realistisch?

Jürgen Litz: Die Idee ist gut und der Anspruch sowieso, berichtet doch Internet-Urgestein Tim Cole in seinem nächsten Buch „Wild Wild Web“ ausführlich, wie die Räuberbarone der Gegenwart ähnlich wie die Räuberbarone des Wilden Westens ihre Quasi-Monopol-Gewinne gegen die Interessen der Allgemeinheit realisieren. Leider gibt es zu Solid aktuell wohl noch zu wenig „echte Projekte in freier Wildbahn“. Im Worst Case wird eine neue Insel-Landschaft der kurzzeitigen Hoffnungen und Glückseligkeiten geschaffen, die aber nie die wirklich notwendige Skalierung schafft.

Johannes Ceh: Wie hilft nun die DSGVO dem Bemühen um ein „neues Internet“ in Richtung der Solid-Ideen beziehungsweise gegen die Silos für eine neue Datensouveränität?

Jürgen Litz: Die DSGVO weist einen potenziell mächtigen Artikel auf, den Artikel 20. Er räumt den betroffenen Personen gegen den Lockin-Effekt das Recht ein, ihre personenbezogenen Daten, die sie einem Unternehmen bereitgestellt haben, in einem strukturierten, gängigen und maschinenlesbaren Format zu erhalten. Das macht Hoffnung.

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Johannes Ceh: Was braucht es, um das Potential zu nutzen?

Jürgen Litz: Unklar ist bislang noch, was unter einem strukturierten, gängigen und maschinenlesbaren Format zu verstehen ist. Das Recht auf Datenübertragbarkeit ist deshalb ein zahnloser Tiger beziehungsweise ein stumpfes Schwert, solange keine Standards oder ein standardisiertes Austauschformat und standardisierte API existieren.

Johannes Ceh: Artikel 20 und Datenübertragbarkeit. Reicht das aus gegen die GAFA?

Jürgen Litz: Es bedarf neben Artikel 20 gemeinsamer Standards und zusätzlich eines Ökosystems von Intermediären, Personal-Information-Management-Systems, alternativen Plattformen und Aggregatoren, um die Silos zumindest ein wenig zu sprengen und den freien Fluss von Daten im Sinne des wahren Datensouveräns, des Nutzers, zu ermöglichen. Dafür muss die Politik die Voraussetzungen schaffen. Dann müssten wir nicht auf den durchschlagenden Erfolg von Solid warten, um Lockin-Effekte zu überwinden und zumindest teilweise ein Mehr an Datensouveränität zu gewinnen.

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Zum Autor:Johannes Ceh unterstützt Unternehmen, Digitalisierung an Kunden und Mitarbeitern auszurichten. Er ist Keynote-Speaker und Berater für neue Formen der Zusammenarbeit und digitale Verantwortung. Nach Jahren bei Sport1, SKY, Springer & Jacoby, BMW, Daimler, JungvonMatt und Ogilvy schreibt er aktuell an einem Buch zum „Zeitalter des Kunden“ und dem damit verbundenen Wandel in Unternehmen.

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