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Die besten Gründer arbeiten nicht nur nutzerzentriert, sondern sozusagen user-obsessed, meint Lina Timm Managing Director des Media Lab Bayern (Bild: Alexander von Spreti)
LEAD 1/2019 Kommentar Startup

Start-ups: Das Wichtigste ist Zuhören

Start-ups müssen so lange fragen, bis sie das Problem der Kunden wirklich verstanden haben. Die besten Gründer arbeiten nicht nur nutzerzentriert, sondern sozusagen user-obsessed, meint Lina Timm, Managing Director des Media Lab Bayern.

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Bestimmt jedes dritte Team, das durch die Tür vom Media Lab Bayern kommt, begeht einen der größten Fehler beim Start-up-Gründen. Sie verwechseln die Vision mit der Idee – und sie halten dogmatisch daran fest. Start-ups denken häufig, das Wichtigste sei erst einmal die Idee, dann das Geld, um sie zu entwickeln. Dabei sind es ganz andere Faktoren, die erfolgreiche Gründer so anders machen. Man kann Dutzende nennen, aber wenn ich mich entscheiden müsste, wäre es Begeisterung. Für die Vision – und für die Probleme der Kunden.

Ein übergeordnetes Problem lösen

Gründer – und eigentlich alle, die ein Produkt entwickeln möchten – brauchen eine Vision. Was ist das große Problem, das ich lösen möchte? Wie ich das dann löse, das ist die Idee. Die Krux ist nun: Für jedes Problem gibt es eine Vielzahl an Lösungen. Gründer, die sich auf ihre Idee versteifen und alles exakt genau so machen wollen, wie sie sich das in ihrem Kopf überlegt haben, werden keinen Erfolg haben. Genauso wenig allerdings, wenn sie jede Woche ihre Vision ändern. Erfolgreiche Gründer haben einen Nordstern, ein großes übergeordnetes Problem, das sie unbedingt lösen möchten – wie sie das tun, ist ihnen ziemlich egal.

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Als ich vor vier Jahren das Media Lab Bayern gegründet habe, war meine Vision, mehr Innovationskraft und neue Produkte in die Medienbranche zu bringen. Daran hat sich bis heute exakt gar nichts geändert. Der Weg, wie wir das erreichen, allerdings schon. Das erste Konzept des Labs sah Coworking, Funding für Start-ups und Schnittplätze für Video und Audio vor. Ich dachte, dass Medienproduktion zwingend Teil eines Labs sein muss. Nach wenigen Monaten haben wir die Schnittplätze rausgeworfen und uns stattdessen auf Coachings fokussiert, heute machen wir sogar Intrapreneurship-Programme.

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Zuhören!

Wie wir darauf gekommen sind? Wir haben zugehört. Wie hilfreich das ist, darauf bin ich eher zufällig gekommen. Ich habe Journalismus gelernt, wie man Texte recherchiert und schreibt, und dass man nicht "man" schreiben soll. Wie man einen Inkubator aufbaut, wusste ich nicht. Aber ich hatte ein paar Grundannahmen: dass Teams Geld und Schreibtische brauchen könnten. Als die ersten Start-ups kamen, habe ich gefragt und zugehört. Wo steht ihr? Woran arbeitet ihr? Welche Steine liegen euch im Weg?

Die Steine, die da lagen, waren immer und immer wieder die gleichen. Wie finden wir heraus, was der Markt wirklich braucht? Wie stellen wir uns rechtlich auf? Also haben wir angefangen, diese Probleme zu lösen. Coaches gesucht, die mit ihnen an der Produktentwicklung arbeiten können. Andere, die ihre Marketing-Geheimnisse verraten haben. Festgestellt, dass die Geheimnisse eines Head of Marketing eines großen Konzerns überhaupt nichts helfen. Der löst nämlich alles mit Geld, das Start-ups nicht haben. Den Head of Marketing eines Start-ups geholt.

Abgesehen davon, dass Zuhören zu besseren Produkten führt, spart es auch unglaublich viel Geld. Man findet nämlich sehr früh heraus, dass die Lösung, die man sich überlegt hat, eine fantastische Lösung ist – aber nicht für dieses Problem. Man kann sie also verwerfen, ohne einen Euro dafür ausgegeben zu haben.

Wir hatten mal die Idee, Entwickler im Media Lab anzustellen, weil allen Start-ups ständig welche fehlen. Spitzenidee. Bis wir mit Teams gesprochen haben und die meinten: total nett, aber was machen wir denn, wenn unser Fellowship vorbei ist und wir keinen Zugriff mehr auf die Entwickler haben? Dann kennen die unsere Technologie, aber können daran nicht weiterarbeiten. Lieber war es den Start-ups, selbst Free­lancer beauftragen zu können, die ihnen dann dauerhaft beim Produkt helfen. Also haben wir ein Budget dafür eingestellt. Das herauszufinden hat exakt 15 Minuten und zwei Cappuccinos in der Media-Lab-Küche gekostet.

Es gibt viel Hype um "den Nutzer", und ohne Worte wie "nutzerzen­trierte Entwicklung" kommt ein Innovation-Hub heute nicht mehr aus. Wo ein Hype ist, sind schnell Kritiker. Ich finde aber tatsächlich, dass die besten Gründer die sind, die nicht nur nutzerzentriert arbeiten, sondern sozusagen user-obsessed. Start-ups, die so lange fragen, bis sie das Problem des Kunden richtig verstanden haben, und so lange feilen, bis sie es wirklich gelöst haben.

Das nächste Level der User-Obsession ist übrigens, nicht nur am Anfang zuzuhören, sondern immer und jederzeit. Im Media Lab Bayern fragen wir ständig alle, welche Probleme sie gerade umtreiben. Die Medienbranche ändert sich so schnell, alle drei Monate kommt eine neue Plattform, ein neuer Trend, eine neue Technologie. In den gleichen drei Monaten kann meine Idee obsolet werden. Wenn ich aber weiß, wer gerade welches Problem hat, drehe ich mich einfach um 26 Grad und laufe in einer engen Linkskurve weiter zu meiner Vision.

Lina Timm ist Managing Director des Media Lab Bayern. Das Media Lab hat Standorte in München und Ansbach und unterstützt als Innovation Hub Medien-Start-ups von der ersten Idee bis zur Gründung und Medienhäuser darin, innovative Projekte zu entwickeln. Lina Timm absolvierte die DJS in München. Vorher hat sie Germanistik und Soziologie studiert. Sie ist außerdem Gründerin der internationalen Slack-Community www.digital-journalism.rocks.

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