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Rapitag App
Das Münchner Start-up bringt das 1-Klick-Shopping in den stationären Handel (Bild: rapitag)
App Shopping Kundenservice

Warteschlange adé: Wie ein Münchner Start-up das 1-Klick-Shopping in den Einzelhandel bringt

1-Klick-Shopping heißt das Zauberwort, für welches das Münchner Start-up rapitag steht. Im Geschäft bezahlen Kunden ihre Ware über eine App, die zugleich die Diebstahlsicherung löst. Die Gründer Alexander Schneider und Sebastian Müller sind weltweit die einzigen, die diese Technologie anbieten. Trotzdem haben sie es auf dem deutschen Markt schwer, wie Alexander Schneider im Interview mit LEAD erzählt.

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Das Münchner Start-up rapitag bringt das 1-Klick-Shopping mit einer selbst entwickelten Technologie in den stationären Einzelhandel. Im Geschäft bezahlen Kunden ihre Ware über eine App, die zugleich die Diebstahlsicherung löst.

Die Gründer Alexander Schneider und Sebastian Müller sind weltweit die einzigen, die diese Technologie anbieten. Trotzdem haben sie es auf dem deutschen Markt schwer, wie Schneider im Interview mit LEAD erzählt.

LEAD: Herr Schneider, Sie und ihr Team haben gerade bei der Retail-Messe "Shoptalk" in Las Vegas den "Audience Choice Award" für ihre Diebstahlsicherung bekommen. Wie funktioniert die genau?

Alexander Schneider: Im Grunde ist es eine klassische Diebstahlsicherung, wie sie aktuell schon im Einsatz ist. Der große Unterschied ist, dass sie sich vom Kunden mit einem Smartphone öffnen lässt. Der Kunde geht also in einen Laden, ihm gefällt ein Produkt, er hält sein Handy ganz nah an die Sicherung. Das Handy erkennt sofort, welches Produkt das ist, zum Beispiel ein T-Shirt in Größe M für 19,95 Euro.

Der Kunde klickt auf Kaufen, dann wird wie im E-Commerce auch bezahlt, also mit PayPal oder Rechnung. Sobald bezahlt wurde, öffnet sich die Sicherung, die man an Ort und Stelle in einen Behälter wirft. Nach dem Kauf kann der Kunde den Laden verlassen, muss sich nicht mehr an der Kasse anstellen und der Händler kann sich sicher sein, dass der Kunde auch wirklich bezahlt hat.

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LEAD: Für den Kunden geht es also schneller. Worin bestehen die Vorteile für den Händler?

Schneider: Der größte Vorteil ist dieser Sicherheitsaspekt. Wir stellen den Diebstahlschutz zur Verfügung und bringen gleichzeitig den Convenience-Gedanken für den Kunden mit ein. Der andere Vorteil ist, dass der Händler sehr viel über den Kunden lernt. Dadurch, dass er eine App benutzt, erheben wir Daten. Wir sehen, was der Kunde sich ansieht und bei welchen Produkten er den Preis gecheckt hat – auch, wenn er sich gegen den Kauf entscheidet.

Daraus kann man neue Marketingmaßnahmen entwickeln. Ihm zum Beispiel zehn Prozent Rabatt anbieten, wenn er drei Mal etwas nicht gekauft hat und vor dem vierten Produkt steht. So in der Art: Jetzt kaufe es doch endlich. Man könnte Produkte im Laden auch orten und die Kunden über die App direkt dorthin navigieren. Er könnte noch einen Mitarbeiter fragen, muss aber nicht.

LEAD: Die Händler könnten damit auch Personal einsparen.

Schneider: Vor zwei Jahren wäre das vielleicht noch so gewesen. Aktuell geht es eher in die andere Richtung. Für Händler ist die Beratung der große Unterschied zum E-Commerce, und eine Beratung kann keine App abbilden. Der Händler kann sich auf seinen Vorteil der Beratung konzentrieren, sein Personal lieber umschulen und den Berater nah am Kunden einsetzen.

Rapitag Alex Schneider
Einer der Gründer von rapitag: Alexander Schneider (Bild: rapitag)

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LEAD: Empfiehlt sich Ihre Diebstahlsicherung für ganze Läden oder eher in einzelnen Abteilungen?

Schneider: Im Bereich Mode, in dem auch T-Shirts für fünf Euro geklaut werden, ergibt es Sinn, das ganze Sortiment mit so einer physischen Diebstahlsicherung auszustatten. Im Elektronik-Fachhandel gibt es dagegen einzelne Produkte wie Kopfhörer oder Smartphones, die besonders Diebstahl gefährdet sind.

Auch Baumärkte mit hochwertigem Elektrowerkzeug sind ein Thema. Bei den Elektroniksicherungen geht es hauptsächlich darum, zu verhindern, dass die Kartonage geöffnet wird. Da wird oft nicht der ganze Karton geklaut, sondern nur der Inhalt. Wir sind der Anbieter für sehr teure, hochwertige Güter. Letztendlich wird es aber wohl eine Kombination aus verschiedenen Techniken geben.

LEAD: Wie sähe das aus?

Schneider: Wir haben in unserem Produkt-Portfolio auch eine Variante ohne Diebstahlschutz, bei der man mit dem Smartphone nur den Barcode scannt. Und wir haben mit RFID-Stickern den Weg dazwischen. Da hat man dann ein bisschen Diebstahlschutz, kann aber auch mit dem Handy weiterhin bezahlen.

Das alles kann man in bestehende Systeme integrieren, denn wir werden nicht von heute auf morgen den ganzen Handel ändern können. Auf der einen Seite ergeben sich ganz neue Optionen, zum Beispiel im Bereich Getränkemarkt. Unsere Sicherung könnte theoretisch ermöglichen, dass man ohne Mitarbeiter sieben Tage die Woche 24 Stunden einkaufen kann.

LEAD: Ein Münchener Saturn hat Ihre Diebstahlsicherung samt Kaufoption 2018 in der Kopfhörerabteilung getestet und überhaupt zeigt sich Media-Saturn in puncto kassenloses Bezahlen ziemlich aufgeschlossen. Wie ist die Lage in Deutschland sonst so?

Schneider: Es stimmt, dass Mediamarkt-Saturn der Vorreiter ist. Auf der anderen Seite gibt es Self-Checkout-Systeme bei Rewe, Edeka und Ikea schon länger, das ist an sich kein neues Thema. Wohin der Markt sich entwickelt, ist Mobile Self-Checkout. Das heißt, dass man den Terminal durch das Kunden-Smartphone ersetzt. In Deutschland sind die Supermärkte Vorreiter. Für die ist der Schritt leichter, von ihren Prozessen auf eine andere Technologie zu wechseln. Mode hängt ganz weit hinten, weil das Konzept da einfach zu neu ist.

LEAD: Und wie sieht das im internationalen Vergleich aus?

Schneider: In den USA experimentieren alle Händler damit. Die ersten haben bestimmte Technologien schon wieder eingestampft, weil sie nicht funktionieren. Walmart zum Beispiel den mobilen Scan eines Barcodes, weil zu viel geklaut wurde. Viele Start-ups sind im Bereich Kamera unterwegs, wie es auch in den Amazon-Go-Märkten ist. Die Kamera identifiziert den Kunden, speichert das Gesicht und ordnet ihm die Dose Ravioli zu, die ich aus dem Regal genommen habe. Wenn ich sie im Laden wieder zurückstelle, wird es zurückgebucht. Wenn ich den Laden verlasse, wird es mir auf dem Konto belastet.

Im Modebereich zum Beispiel funktioniert das aber nicht. Erstens kann man keine Kameras in der Umkleidekabine aufhängen und die Technologie wird auch in den nächsten Jahren kein weißes T-Shirt in M, S, L, XL, mit Kurzarm oder V-Neck usw. unterscheiden können. Trotzdem sehen wir die unterschiedlichen Technologien als Ergänzung zu unserer, weil es am Ende auf einen Mix aus verschiedenen Technologien hinauslaufen wird und man vielleicht auch zusammenarbeiten muss.

"Der E-Commerce hat nicht mehr diese zweistelligen Wachstumszahlen und stagniert teilweise auch. Die Leute gehen wieder in einen Buchladen, um sich ein Buch zu kaufen. Oder im Bereich Mode. Kunden gehen in die Innenstadt, möchten sich inspirieren lassen, anfassen, probieren." Alexander Schneider

LEAD: Wie bei Amazon Go setzt auch Ihr Start-up nicht auf reinen E-Commerce, in dem man ja lange die Zukunft sah.

Schneider: Der E-Commerce hat nicht mehr diese zweistelligen Wachstumszahlen und stagniert teilweise auch. Die Leute gehen wieder in einen Buchladen, um sich ein Buch zu kaufen. Oder im Bereich Mode. Kunden gehen in die Innenstadt, möchten sich inspirieren lassen, anfassen, probieren. Und sie haben auch keine Lust mehr, sich drei Hosen zu bestellen und dann in der Postschlange zu stehen, weil sie wieder etwas zurückschicken möchten.

Shopping ist aber nicht einkaufen. Da gibt es Produkte, die einfach nerven – wie beispielsweise Getränkekisten. Die kann ich super automatisieren und mir zuschicken lassen. In dem Bereich wird der Onlinehandel sicher stärker wachsen. Trotzdem hat sich der E-Commerce das Kundenverhalten ganz grundsätzlich verändert.

LEAD: Inwiefern?

Schneider: Man ist heute nicht mehr bereit, auf die Gewohnheiten des E-Commerce zu verzichten. Es gibt Händler, die ihren Kunden das bieten, zum Beispiel durch eine gute Omnichannel-Maßnahme wie bei Mediamarkt-Saturn. Ich kann mich online über ein Produkt informieren und sehen, dass der Saturn drei Straßen weiter es anbietet. Ich kann also online einkaufen und es dann abholen.

Händler, die online und offline gut vernetzen, werden auch weiterhin Umsätze machen. Aber wenn es lange Schlangen gibt und jemand schon fünf Minuten wartet, denkt er doch schnell: Weißt du was, behalte es, ich will hier nicht doof herumstehen und bestelle es online. Der Kunde hat eine andere Erwartungshaltung an den Händler und das lässt sich auch nicht mehr zurückdrehen. Heutzutage ist Zeit einfach das wichtigste Gut. Wenn die Händler das optimieren, haben sie auch wieder einen Mehrwert für den Kunden.

LEAD: Wie konservativ im Hinblick auf neue Technologien ist denn der Handel?

Schneider: Sehr. In Deutschland nochmal verstärkt. Ich weiß gar nicht, was aus dem Land der Erfinder, der Daimler und Boschs geworden ist. Ich habe manchmal das Gefühl, dass neuen Technologie erst einmal mit Skepsis und Ablehnung begegnet wird. Die Händler müssen Investitionen in Technologie tätigen und entweder, sie machen es jetzt oder später. Kommen wird es so oder so und es wird nicht billiger. Die Zeit läuft ihnen davon. Jeder Händler, der die Investitionen eher tätigt, kann sie auch seinen Kunden schneller zur Verfügung stellen und sorgt dafür, dass sie zu ihm kommen und nicht zu einem anderen, der diese noch nicht hat.

LEAD: Welche Trends treiben den Handel gerade um?

Schneider: Ein aktueller Trend ist auf jeden Fall das Thema E Ink, also Digital Signage. Einige Supermärkte, Metro oder Media Markt haben schon elektronische Preisschilder am Regal, damit sie dann sehr leicht Preise ändern können. Der nächste Schritt, auf den wir jetzt angesprochen werden, ist, unser Produkt damit zu kombinieren. Dass man in unsere Diebstahlsicherung ein Preisschild integriert, und dann hat man nicht nur jedes Regal, sondern jedes Produkt ausgezeichnet. Darüber kann man wieder neue Marketingmaßnahmen ergreifen.

Zum Beispiel einen Stammkunden belohnen, indem er einen besseren Preis bekommt. Oder dass man sagt, in der nächsten Stunde haben wir 30 Prozent auf alles. Das sind so Dinge, die den Markt bewegen und im Onlinehandel längst gemacht werden. So kann man es auch zusammenfassen: Alles, was man im E-Commerce schon macht und machen kann, weil man die Daten hat, weil man die Möglichkeiten der Technologie hat, weil man die Prozesse automatisieren kann, kommt jetzt so langsam auch im Offline-Handel.

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