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Startup umwelt Krise

Tue Gutes und verdiene nichts daran

Wer kennt sie nicht, die wilden Müllkippen im Wald, im Gebüsch oder auch am Straßenrand? Das Ein-Mann-Start-up MÜLLweg!DE, ein Non-Profit-Projekt, sagt den Müllbergen den Kampf an.

Das Ein-Mann-Start-up MÜLLweg!DE sagt den Müllbergen den Kampf an (Bild: Pixabay)
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"Schatz, bitte fahr den Müll noch zum Recyclinghof!" Doch wer macht das wirklich? Ein in Deutschland weitverbreitetes Problem, seitdem Sperrmüll vielerorts nicht mehr von der Stadt abgeholt wird: Der Recycling-Hof ist weit weg, und womöglich nimmt er auch noch Gebühren. Also den Mist mal irgendwo schnell abkippen und dann weiter Fußball gucken…

Entsorgungskosten in Millionenhöhe

Genaue Zahlen zu wilden Müllkippen gibt es in Deutschland nicht. Die Dunkelziffer ist hoch. Es gibt nur Erhebungen für einzelne Städte. Laut NDR-Magazin Panorama stiegen allein in Hamburg die Entsorgungskosten für wild abgelegten Müll zwischen 2007 und 2017 von 1,3 Millionen Euro auf 3,8 Millionen Euro.

Auch Thomas Lennartz (50), Jurist, Strategic Consultant in der IT-Branche und Website-Entwickler aus dem nordrhein-westfälischen Castrop-Rauxel, hat die wilden Müllkippen satt. Als er Mitte 2017 mit seinem Hund spazieren ging, lag dort zum wiederholten Mal ein riesiger Müllberg zwischen den Bäumen. Lennartz wollte den Fund melden. Nur: wo? In Castrop-Rauxel, im nahegelegenen Herten oder gar in der nächstgrößeren Stadt Dortmund? Auf dem Boden welcher Gemeinde liegt der Müll denn nun – und wer bitte ist der Ansprechpartner? Auch mit Google Maps war es schwierig, mitten im Wald die Location zu bestimmen. "Das müsste doch schnell und automatisch gehen", dachte sich Lennartz. "Aber schade, es gab keine App dafür."

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In nur drei Tagen programmiert

Also bastelte Lennartz kurzerhand daheim eine eigene Anwendung: MÜLLweg!DE – "schließlich programmiere ich, seitdem ich 16 Jahre alt bin." Drei Tage hat es gedauert, bis das Projekt live ging. Lennartz bemerkte schnell: "Wenn Crowdsourcing, dann richtig."

Wenige Dutzend Orte und Gemeinden mit den richtigen Ansprechpartnern für die Entsorgung des wilden Mülls waren schnell eingepflegt, heute, nur ein Jahr später, sind es 9500 Datensätze von Gemeinde-Datenbanken, die sich per GPS oder durch das Auslesen von GPS-Daten eines Smartphone-Fotos auslesen lassen und automatisch den Müll-Standort übermitteln. Was fehlt, wird von Lennartz’ Crawl-Algorithmus automatisch ermittelt.

Die App bereitet eine Mängel-Meldung auf, integriert Links von Google Maps und Open Streetmap sowie Geodatenangaben. All diese Details werden von der App automatisch ans Mailprogramm übergeben. Der Meldende muss sich in MüllWEG!DE nicht einmal registrieren. Die wilde Müllkippe ist über die iOS- und Android-App also extrem schnell gemeldet, und vor allem landet der Müll-Fund an der richtigen Adresse.

Homepage Muell Weg De
(Bild: Screenshot MÜLLweg!DE)

Die App ist kein öffentlicher Pranger

"Dabei lege ich Wert darauf, nicht im Wettbewerb zu den örtlichen Müllentsorgung-Systemen zu stehen", erzählt Lennartz im Gespräch mit LEAD. Auf die Städte will er auch keinen Druck aufbauen, sein Projekt sei auch "kein öffentlicher Pranger" für Menschen, die unsere Umwelt vermüllen. Lennartz’ Projekt kommt bei den Städten und Gemeinden daher auch gut an.

Auch weil die Meldungen verschlüsselt an die Behörden gehen: "Sicherheit und Sauberkeit sind mein Hebel." Als Non-Profit-Projekt verdient der ITler keinen Cent an MÜLLweg!DE. Er verkauft sein System daher auch nicht an Städte gegen Bares wie beispielsweise die kommerzielle Konkurrenz maengelmelder.de, sondern kooperiert einfach nur, damit der Müll schneller entsorgt wird. Die Stadt Rostock ist so begeistert von dem Projekt, dass sie MÜLLweg!DE inzwischen direkt an die eigene Schnittstelle des städtischen Entsorgungssystems angebunden hat.

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Thomas Lennartz Credit Xing Com
Thomas Lennartz will mit seinem Ein-Mann-Start-up MÜLLweg!DE Müllbergen den Kampf ansagen (Bild: xing.com)

Nur 200 Euro Kosten im Jahr

Alle deutschen Großstädte sind inzwischen integriert. Auch die Bahnhöfe hat Lennartz hinzugefügt. Die Bahn bietet zwar die Möglichkeit, Müllfunde via WhatsApp an eine zentrale DB-Stelle zu senden, doch dazu muss erst die Nummer von den Aufklebern auf Bahnhöfen abgetippt werden, wenn sich denn ein Aufkleber für die DB-Aktion findet.

"Natürlich will ich meine eigenen privaten Kosten im Monat so gering wie möglich halten. Es ist halt ein Hobbyprojekt. Das Projekt wächst durch Mund-zu-Mund-Propaganda", erklärt Lennartz. 3,99 Euro zahlt er im Monat für die Domain. Insgesamt kostet das Projekt "um die 200 Euro im Jahr".

Ein kleiner Betrag für einen ganz großen - nämlich unsere Natur und Umwelt sauber zu halten.

Hier ist der Download-Link für iOS und Android.

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