Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Tlgg Positionier Dich 1920X1080 01
(Bild: TLGG)
Marketing agenturen

Sonderurlaub für Chemnitz: Wie Agenturen und Unternehmen jetzt Haltung zeigen

"Positioniert euch!" fordern Agenturen und Unternehmen. Statt Meetings organisieren sie Sonderurlaub für alle Mitarbeiter, um am Montag, den 3. September an der #wirsindmehr-Demonstration in Chemnitz teilzunehmen.

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Eine Woche zuvor marschierten tausende rechte Demonstranten durch Chemnitz. Als Vorwand nutzten sie die Tötung eines jungen Mannes. Dabei fielen Parolen wie "Das System ist am Ende, wir sind die Wende", auch der Hitlergruß war zu sehen.

Zehntausende Menschen wollen sich Montag, den 3. September, am Karl-Marx-Monument in Chemnitz treffen. Ihre Botschaft: #wirsindmehr. Dabei sind nicht nur die Toten Hosen, Marteria und K.I.Z. mit kostenlosen Konzerten, sondern auch viele Agenturen und Unternehmen. Sie verzichten auf Einnahmen an diesem Tag und übernehmen Kosten für die Reise ihrer Angestellten nach Chemnitz. Sie positionieren sich mit einer klaren Haltung gegen rechts. Sie glauben, dass es Zeit ist, auch physisch präsent zu sein und nicht nur clevere Tweets abzusetzen. Eine Initiative, die Nachahmer sucht.

TLGG, die Berliner Agentur für Digital Business, organisiert die Anreise nach Chemnitz am Montag für 70 der 180 Angestellten. Gründerin und Geschäftsführerin Fränzi Kühne sagt: "Jetzt ist nicht die Zeit, sich schweigend etwas auf seine Toleranz einzubilden. Der stille Glaube, mit einer humanistischen Einstellung Teil einer unerschütterlichen Mehrheit zu sein, reicht nicht. Es ist Zeit, sich deutlich zu positionieren – in der Kommunikation, im Handeln, in der Präsenz. Denn eine klare Position ist der Einstieg in den Dialog, den unsere Gesellschaft verlernt hat."

Anzeige

Nach der Bekanntgabe ihrer Aktion meldeten sich Kunden mit viel Lob. Der TLGG-Kunde fritz-kola positionierte sich gleich mit einem Statement auf Facebook, das seitdem heftig in den Kommentaren diskutiert wird. Auch Mathias Richel, ehemaliger Geschäftsführer von Jung von Matt/ Spree und jetzt mit seiner Agentur Richel, Stauss für die SPD engagiert, wird sich der Fahrt nach Chemnitz anschließen: "#wirsindmehr wird das Problem vor Ort nicht lösen. #wirsindmehr ist aber ein wichtiges Signal, um den Menschen in Chemnitz, die sich dort aktiv für Demokratie, gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsradikalismus engagieren, zu zeigen, dass sie nicht allein sind", sagt er. "Das ist für mich weniger ein Ausdruck einer Haltung, sondern eine demokratische Selbstverständlichkeit. Und auf diese Selbstverständlichkeit sollten sich alle einigen können. Das gilt auch für Unternehmen und Agenturen. Deshalb gilt für uns: Wer fahren kann, fährt hin."

Die Mitarbeiter von Betterplace.org werden ebenfalls in Chemnitz präsent sein. Vorstand Björn Lampe sagt:

"In einer Zeit, in der rechte Ideologien wieder auf dem Vormarsch sind und Fakten weniger wert sind als von Hetze aufgepeitschte Gefühlswelten, müssen wir gemeinsam dafür sorgen, dass verstärkt Aufklärung gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit stattfindet.

Wir von betterplace stellen uns diesen Ideologien entschlossen entgegen. Wir stehen für eine offene und tolerante Gesellschaft. Viele unserer Mitarbeiter haben daher Interesse bekundet, am Montag nach Chemnitz zu fahren, um auch vor Ort für diese Werte einzustehen. Wir freuen uns sehr über dieses großartige Engagement und möchten das mit dieser Aktion ausdrücklich unterstützen."

Auch der Limonaden-Hersteller Lemonaid organisiert eine Reise nach Chemnitz für die gesamte Belegschaft. Das Agenturnetzwerk Hirschen Group stellt seine Mitarbeiter ebenfalls frei, Junioren, Trainees und Azubis wird die Fahrt bezahlt. Das Berliner Kondom-Startup Einhorn unterbricht sein Offsite Meeting, um gemeinsam nach Chemnitz zu fahren.

Vor einer logistischen Herausforderung stehen die Agenturen und Unternehmen, um hunderte Mitarbeiter aus Berlin und Hamburg rechtzeitig zum Demonstrationsbeginn um 17 Uhr nach Chemnitz zu bringen. Mathias Richel sagt: "Bei uns bilden wir Fahrgemeinschaften und hoffen, dass wir in einen langen Stau geraten, weil so viele Menschen anreisen." Fränzi Kühne fand in Kleinbussen eine Lösung, allerdings sieht sie "bisher kaum Bereitschaft in der Logistik-Branche, sich aktiv an der Initiative zu beteiligen". Ehemalige Mitarbeiter aus Chemnitz geben Parkplatz-Tipps. Und über ihren Aufruf auf Instagram melden sich begeisterte Mitfahrer außerhalb der Agentur. Dazu Kühne: "Ich hoffe, dass ganz wenig Leute wegen der Musik hinfahren. Das soll der Anfang einer Bewegung sein!"

Magazine Mockups Lead 400X360
Hol dir deine LEAD

Die Mobilität der Zukunft, Team-Management, Social Shopping, 3D-Druck und neue Bezahlmethoden sind nur einige der Themen der aktuellen LEAD-Printausgabe. LEAD 02/18 erhältst du am Kiosk, als E-Paper oder im Abo.

Teilen
Jederzeit top informiert

Die wichtigsten LEAD Nachrichten per Messenger oder Newsletter

Anzeige
Anzeige
Verlagsangebot
Anzeige
Anzeige
Aktuelle Stellenangebote
Alle Stellenangebote