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Amazon Delivery Service Partner
Um Amazon-Retouren ist ein eigenes Business entstanden (Foto: Amazon)
OMR Amazon E-Commerce

So ist rund um Amazon-Retouren ein Millionen-Business entstanden

Jedes Jahr geht eine dreistellige Millionenzahl von Produkten in Deutschland wieder zurück zu den Online-Händlern. Ein Großteil davon dürfte in Amazon-Lagern landen - und hier startet dann ein lukratives Business für Händler, die sich auf die Retouren von Amazon & Co. spezialisiert haben. OMR erklärt das Geschäftsmodell.

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Wer sich dafür interessiert, wie Amzon-Retouren wiederverwertet werden, der sollte einen Blick auf die Webseite liquidation.com werfen. Dabei fallen neben dem pixeligen Logo etwas merkwürdige Produkte auf. Denn auf der Seite werden diese meist palettenweise verkauft. Da gibt es dann zum Beispiel eingewickelte Kisten voller Haushaltswaren mit einem geschätzten Wert von knapp 4.000 US-Dollar (etwa 3522 Euro) – kosten soll das Ganze gerade mal 420 US-Dollar (etwa 370 Euro).

Das Besondere: Die Waren stammen aus Retouren von Amazon – und der Käufer weiß vorher nicht, in welchem Zustand die Produkte wirklich sind. Mit diesem Geschäftsmodell, Rücksendungen der großen Online-Händler günstig aufzukaufen und dann in Überraschungs-Auktionen weiterzuverkaufen, hat das Unternehmen Liquidity Services, das hinter liquidation.com steckt, im vergangenen Jahr einen Umsatz von über 626 Millionen US-Dollar (551 Millionen Euro) erwirtschaftet.

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Ebay für Retouren

Allein im vergangenen Jahr hat Liquidity Services etwa 33,7 Millionen US-Dollar für Retouren von Amazon bezahlt, um diese dann in Auktionen auf der eigenen Seite anzubieten. Und auf den Paletten kommen diese sehr bunt gemischt daher. In einer Lieferung, die als "Hausdekoration" beschrieben war, steckten zum Beispiel Steigeisen, Glitzerfarbe, Notizblöcke, Cupcake-Dekorations-Sets und Tier-Pullover in Form einer Raupe.

Im ersten Leben der Produkte hat der Amazon-Algorithmus noch dafür gesorgt, dass sie genau im richtigen Moment potenziellen Kunden angezeigt werden. Nach dem Kauf von Großhändlern landen sie in einem wilden Mix auf einer Palette, die es so kein zweites Mal gibt, und werden per Auktion im Ebay-Stil an den Meistbietenden verschachert.

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Ein Angebot auf liquidation.com (Screenshot von OMR)

Amazon selbst hält sich bedeckt, wenn es darum geht, was mit Retouren passiert. Neuwertige, unausgepackte Ware wird zum Teil wieder in den Warenbestand aufgenommen, ein weiterer Teil landet mit einem Rabatt im B-Ware-Bereich Amazon Warehouse. Wieder andere Waren werden gespendet und wohl auch vernichtet, was im vergangenen Jahr für einen kleinen Skandal sorgte.

In einigen Fällen ist es wohl zu teuer, Produkte neu zu verpacken und wieder ins Lager zu räumen. So sind Amazon und andere Online-Händler froh, wenn sie von Unternehmen wie Liquidity Services wenigstens ein paar Dollar für die Rücksendungen erhalten.

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Kunden lieben es bequem

Längst reicht es nicht mehr, Kunden nur zu begeistern. Man muss sich auf die Gewohnheiten des Nutzers ausrichten, um erfolgreich zu sein. Können dabei Chatbots, Dashbots und Wearables helfen? Ja, aber nicht allein. Die User-Experience muss einfach besser werden. Wie das geht, zeigt das LEAD Bookazine 4/2018!

YouTuber entdecken Retouren-Hauls als Klickbringer

Die Zielgruppe von Seiten wie liquidation.com sind eigentlich kleinere Händler, die sich die Paletten mit Hunderten Produkten kaufen und diese dann einzeln für kleine Margen wieder verkaufen. Nicht wenige hoffen auf das große Geld, wenn sie Waren im Wert von 5.000 Dollar für wenige hundert Dollar erstehen. Es dürfte sogar einige liquidation.com-Kunden geben, die so gekaufte Retouren dann als Amazon-Händler wieder auf der Plattform anbieten – wenn auch nur die besten Stücke von den Paletten. Mittlerweile ist aber noch eine ganz andere Zielgruppe von liquidation.com entstanden: YouTuber.

Offenbar hat sich ein eigenes kleines Genre rund um diese Amazon-Retouren-Arbitrage entwickelt. Die YouTuberin Safiya Nygaard bestellt in ihrem Video ein paar Kisten und verzeichnet dafür bisher über 13 Millionen Views. Kristofer Yee hat einen ähnlichen Clip erstellt und knapp drei Millionen Views gesammelt. Und von dieser Art schwirren noch unzählige weitere Videos über die Plattform.

Diese leben von der Neugier, was wohl in den Paketen stecken wird und den Verheißungen auf das schnelle Geld. Zwei Reporter von Yahoo haben in einem Video mal probiert, ob die sich bewahrheiten kann – mussten am Ende aber feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, wild gemischten Kram gewinnbringend weiter zu verkaufen.

Deutscher Marktführer mit anderem Ansatz

Auch in Deutschland scheint der Markt mit Rücksendungen ganz gut zu laufen. Bei Bremen sitzt der nach eigenen Angaben größte Zweitvermarkter Europas Avides. Im Hauptlager des Unternehmens sollen 2,6 Millionen Artikel von Amazon und anderen Online-Händlern lagern. Unter anderem mit dem Verkauf von Rücksendungen machte das Unternehmen im Jahr 2017 laut Eintrag im Bundesanzeiger einen Umsatz von über 54 Millionen Euro.

Der Großteil der Verkäufe findet über Amazon und Ebay statt (ein Teil der Produkte geht aber auch an andere Händler). Auf den Marktplätzen tritt der Zweitvermarkter unter dem Namen Sediva auf und verkauft etwa auf Amazon Festnetztelefone, Kondome, SSD-Festplatten oder Spülmaschinenreiniger. Anders als liquidation.com setzt Avides auf den Verkauf einzelner Produkte und bietet Paletten voller Mischware nicht für private Käufer an.

Ein Blick auf die Bewertungen auf dem Amazon Marketplace zeigt, dass Avides hier gut verkauft. Allein in den letzten zwölf Monaten trudelten über 6.000 Bewertungen von Kunden ein. Das Verkaufsvolumen liegt dementsprechend noch einmal um ein Vielfaches höher. Neben Retouren-Ware verkauft das Unternehmen hier und auf den anderen Plattformen aber auch neue Produkte direkt von den Herstellern.

Dieser Beitrag ist zuerst bei Online Marketing Rockstars (OMR) erschienen.

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