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Streaming Netflix Serien

So funktioniert der Empfehlungsalgorithmus von Netflix

Vier von fünf Videos streamen wir auf Netflix, weil der Algorithmus sie uns empfiehlt. Nur wie funktioniert dieser eigentlich? LEAD verrät es dir.

Netflix dämpft Erwartungen (Bild: Unsplash)
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Wenn wir erst einmal auf die Couch fallen und den Lean-Back-Modus anknipsen, dann fällt die Auswahl des richtigen Streaminginhalts so richtig schwer. Worauf hat man eigentlich heute Lust? Zum Glück gibt es dann eine bunt durchmischte Auswahl an vorgeschlagenen Videos, Kategorien und der eigenen Merkliste, die uns jetzt weiterhilfen. Stellt sich eigentlich nur noch eine Frage: Auf welchen Regeln basiert dieser Empfehlungsalgorithmus?

Die offizielle Version

In dem Netflix-eigenen Hilfe-Center heißt es ganz nüchtern: "Je häufiger Sie Netflix verwenden, desto besser können wir unsere Vorschläge auf Ihre Interessen abstimmen." Diese Aussage lässt zunächst vermuten, dass der Algorithmus allein durch unser Sehverhalten und die hinterlassenen Bewertungen darauf trainiert wird uns immer mehr vom Selben zu empfehlen. Dem ist aber nicht so.

Einzelne Filme, Serien und Dokus spielen genau genommen gar keine so große Rolle – sondern die Genres, denen sie zugeordnet sind. Und Netflix kennt nicht nur einfache Genre-Titel wie „Sci-Fi“. Die Verschlagwortung erfolgt so kleinteilig in Sub-Genres, dass sogar zwischen "Alien-Sci-Fi nach Buchvorlage" und "Von der Kritik gelobte Sci-Fi aus den 80ern" unterschieden wird. Insgesamt kommt der Streamingdienst damit auf stolze 30.000 Kategorien, die genau im Blick behalten werden. Hier kannst du selbst einmal nach den Codes für all die geheimen Sub-Genres stöbern.

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Cluster-Analyse statt echter Personalisierung

Natürlich weiß Netflix auch, dass niemand tagein, tagaus nur ein einziges dieser Schlagworte durchschaut. Geschmäcker sind schließlich vielfältig! Und so beginnt der Algorithmus jetzt mit der eigentlichen Arbeit: Mit Hilfe einer Cluster-Analyse wird geschaut, welche Personengruppen welchen Genre-Mix bevorzugen. Hierfür werden tatsächlich die Daten aller 150 Millionen Netflix-Nutzer herangezogen – aber nur anonymisiert ausgewertet. Denn bei der Mustererkennung geht es am Ende nicht mehr um den Geschmack des Einzelnen. Auch wenn Netflix trotzdem hin und wieder so tut als ob:

Jeder Nutzer gehört am Ende einer Menge von Interessensgruppe an, für die aufgrund von festgestellten Streamingmustern Inhalte empfohlen werden können. Mit der Anzeige eines einzelnen Films oder einer spezifischen Serie innerhalb dieses Genre-Mix’ ist die Arbeit aber noch nicht getan. Jetzt versucht der Algorithmus nämlich mittels A-B-Tests die besten Vorschaubilder zu identifizieren. Gruppen, die bevorzugt Filme mit Frauen in Hauptrollen streamen, werden so zum Beispiel bei der Serie "Friends" eher mit Motiven von Rachel, Monica und Phoebe versorgt. Hierbei ist völlig egal, ob das womöglich zu einer falschen Erwartungshaltung führt – denn die wird gar nicht abgefragt.

Datengetriebene Produktionsentscheidungen

Auch die Entwicklung von neuen Originals und die Entscheidung über deren Fortsetzung kommt nicht von ungefähr. Denn Netflix geht da genauso datengetrieben heran. Produziert wird, was (vermutlich) geschaut wird. Erhobene Metriken sind zum Beispiel die Menge an Abrufen von welchen Gruppen, die zeitlichen Abstände zwischen den einzelnen Episoden oder Teilen, sowie zu welcher Uhrzeit bevorzugt eingeschalten und welche Plattform zum Schauen genutzt wird.

Diese Detailversessenheit ist nicht verwunderlich, denn erfolgreiche Originals bestimmen darüber ob ein Nutzer über einen langen Zeitraum als zahlender Kunde erhalten bleibt und somit über den Erfolg des Unternehmens. Entsprechend groß ist die Tendenz Originals unter alle Empfehlungen zu mischen. Dieses Vorgehen ist wahrscheinlich Netflix' größte Challenge.

Das Ende des Zufalls

Denn wie wir bereits in unseren Veränderungen der Streaming-Landschaft 2019 festgestellt haben, laufen die bestehenden Lizenzverträge zwischen Netflix und den großen Filmstudios nach und nach aus. Und wenn es erst einmal soweit ist, bleiben Netflix nur noch die eigenen Exklusivtitel. Doch bei aller Euphorie über erfolgreiche Serien wie "Stranger Things" und Filme wie "Bird Box": Reichen knapp 320 Titel (siehe Liste aller Netflix-Eigenproduktionen auf Wikipedia) am Ende aus, um einen durchschnittlich-vielfältigen Geschmack abzudecken?

Laut Kelly Luegenbiehl (Netflix’ Vice President Creative International Originals) stöbern Nutzer nämlich jedes Mal (!) durch etwa 40 Titel, bevor sie sich für einen Inhalt entscheiden. Nach acht Streamingabenden sollte aber noch nicht Schluss sein mit der Auswahl. Da hilft dann nämlich auch der ausgeklügelste Algorithmus für Empfehlungen nicht mehr weiter.

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