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(Bild: Getty Images/Photothek/Thomas Trutschel)

Smartphones, Social Media & Co: Nutzen und Gefahren für Kinder

Immer früher fordern Kinder den Zugang zu digitalen Medien und Geräten. Doch ab welchem Alter ist es wirklich sinnvoll, nachzugeben? Und was sollten Eltern dabei unbedingt beachten? Die wichtigsten Antworten verrät die Medienpädagogin Kristin Langer.

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"In der Medienpädagogik gehen wir davon aus, dass Smartphones bei Kindern unter elf Jahren nicht sinnvoll sind", sagt Kristin Langer. Die Medienpädagogin arbeitet für die Initiative "Schau hin! Was Dein Kind mit Medien macht", die vom Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie den öffentlich-rechtlichen Sendern ins Leben gerufen wurde.

Smartphones: Kinder sollten sich an der Anschaffung beteiligen

Ab elf Jahren haben Kinder schon Erfahrungen mit dem Internet gemacht und wissen auch, wo die Stolpersteine liegen. Zum Beispiel, dass die Aktivierung von Funktionen wie Bluetooth nützlich sein kann, wenn sie ihre Smartphone-Playlist über eine Bluetooth-Lautsprecherbox abspielen möchte. Dass man es sonst aber besser ausschaltet, um nicht ungewünscht von anderen Geräte-Besitzern Nachrichten, Filme oder Fotos geschickt zu bekommen, die man nicht haben will. "Elfjährige haben dafür schon das nötige Verständnis. Die möchten nicht von Fremden geortet und angesprochen werden und sich auf einmal in Bedrängnis befinden."

Bei der Frage, welches Smartphone ihre Kinder haben möchten, sollten Eltern gelassen bleiben. Handys sind unterdessen Statussymbole. Da gilt man auf dem Schulhof schnell als uncool, wenn alle ein neues iPhone haben und man selbst ein älteres oder viel billigeres Modell aus dem Schulranzen zieht. Der Mediencoach empfiehlt: Die Eltern geben ihr Budget vor und alles, was darüber hinausgeht, ist Kinderbeteiligung. Die Kinder müssen sparen, strengen sich an, um ein selbst gestecktes Ziel zu erreichen und schätzen die Geräte dann auch mehr wert. "Schon ältere Apple-Modelle kosten zwischen 400 Euro und 600 Euro. Stellen Sie sich also einfach die Frage: Würde ich meinem Kind jeden Tag 600 Euro in die Schultasche stecken?"

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Internet: Auf Kinder-Webseiten sicher surfen

"Wenn Kinder das Internet nutzen, sollte man bis zum Ende des Grundschulalters in der Nähe und ansprechbar sein", sagt Langer. Vorausgesetzt, Eltern haben ihr Kind in der Zeit davor aktiv begleitet und sie kennen sich schon mit den Grundzügen aus, reicht es, ihnen danach hin und wieder ins Gedächtnis zu rufen: "Wenn du Fragen hast oder irgendetwas anders ist als sonst, dann komm bitte zu mir." Darüber hinaus empfiehlt die Expertin spezielle Kindersuchmaschinen, die durch Filtersysteme die Seiten ausschließen, die nicht kindergerecht sind. Dazu zählen beispielsweise blinde-kuh.de oder fragfinn.de.

Digitale Spiele: Multiplayer können den Teamgeist fördern

"Kinder in allen Altersgruppen stellen sich gerne Herausforderungen", sagt Langer. Und weiter: "Wenn diese altersgerecht bedient werden, kann sich ein Kind durch den Erfolg in einem Computerspiel gut fühlen, sein Selbstbewusstsein stärken und dieses auch in sein sonstiges Leben mitnehmen." Je nach Art der Spiele werden Einzelkompetenzen wie Geschicklichkeit, Strategieentwicklung oder logisches Denken geschult. Andererseits lernen Kinder und Jugendliche durch altersgerechte Spiele mit Enttäuschungen und Misserfolg umzugehen und schulen dadurch ihre Frustrationstoleranz.

eSport-Spiele sind oft Multiplayer-Spiele, die bei Kindern ein Gemeinschaftsgefühl hervorrufen und den Teamgeist fördern können. Die negative Seite: Bei Onlinespielen werden per Kamera oder Ton oft auch andere Personen zugeschaltet, die schlechtere Spieler im Spielrausch auch einmal beschimpfen und möglicherweise viel mehr Zeit mit dem Zocken verbringen, als es für Kinder und Jugendliche angemessen ist. Und: "Das sind nicht unbedingt Kinder. Der Durchschnittsspieler in Deutschland ist 35,5 Jahre alt", weiß die Expertin. Menschen also, die im Zweifel viel länger und bis spät in die Nacht vor dem Computer sitzen können, ohne am nächsten Tag völlig fertig in der Schule zu sitzen.

Wie Eltern mit solchen Situationen umgehen können? "Sie sollten Kinder zu einer Form von Selbstregulierung bringen. Es ist wichtig, dass Kids dafür ein Gespür entwickeln und selbst merken, wann ihnen der Nacken weh tut, die Augen trocken werden und die Spielaufgaben zu viel werden."

Auch Gewalt ist ein Thema, das Eltern von spielbegeisterten Kids immer wieder begegnet. "Bei jüngeren Kindern sind Spiele ohne Gewaltanteile die richtige Wahl", sagt Langer. Und: "Die Freigabe von der Unterhaltungssoftwarekontrolle (USK), gibt Eltern auf jeden Fall die erste Orientierung." Dennoch kann es immer sein, dass auch ab 0 Jahren freigegebene Spiele noch nichts für Sieben- oder Achtjährige sind. Weswegen sich Eltern nicht nur auf das verlassen sollten, was Spieleproduzenten sagen. Der Spieleratgeber NRW beispielsweise stellt fachliche Kritiken und pädagogische Altersempfehlungen zur Verfügung.

WhatsApp, Facebook & Co.: Echtes Interesse ist wichtiger als strenge Regeln

"Sich über Messenger miteinander zu vernetzen, ist in der Sozialisation von Heranwachsenden ein wichtiger Anteil geworden, denn unter anderem pflegen sie hier ihre sozialen Kontakte", so Langer. Vor allem WhatsApp steht bei Jugendlichen hoch im Kurs. Die Vorteile liegen auf der Hand: Man kann schnell Nachrichten übermitteln, erreicht viele Menschen, erfährt, was gerade angesagt ist, wer im Freundeskreis ein Hoch oder ein Tief hat.

Eltern reagieren oft genervt, wenn sie sehen, dass ihre Kinder ständig am Smartphone hängen. Hier empfehlen sich Regeln über Smartphone-freie Zeiten zu bestimmten Tageszeiten oder direkt vor dem Schlafengehen. Aber auch etwas, was Eltern ihren Kindern gegenüber immer zeigen sollten: echtes Interesse. "In den Augen der Eltern daddeln die Kinder ständig am Handy. Wenn man sie dann aber fragt, was sie gerade machen und warum es so wichtig ist, erfahren sie vielleicht, dass es um eine Freundin geht, deren Freund gerade Schluss gemacht hat. Die Freundin hängt durch, alle kümmern sich und gehen später vielleicht mit ihr ins Kino oder Eis essen." Die Kinder helfen sich also vielleicht gerade gegenseitig und mit einem Schlag sieht die Situation ganz anders aus.

Überhaupt können Kinder ab dem Grundschulalter und verstärkt mit zwölf Jahren immer mehr Verantwortung übernehmen. Und schon da sollten sich Eltern darum bemühen, eine Vertrauensbasis aufzubauen. Die Expertin sagt: "In der Medienerziehung hat sich gezeigt, dass Kontrolle kein guter Ratgeber ist. Die führt eher dazu, dass Konflikte sich verhärten und man innerhalb der Familie zunehmend Streit hat." Die bessere Strategie sei es, sich um sachliche Maßstäbe und Gelassenheit zu bemühen. Und im Gegenzug von den Kindern ein offenes Gespräch erwarten zu können, wenn die Eltern sich aus irgendeinem Grund Sorgen machen. Eltern schaffen so ein Umfeld, in dem Kinder sich in schwierigen Situationen eher anvertrauen.

Die fünf wichtigsten Regeln im Umgang mit digitalen Medien im Überblick:

  • Eltern begleiten ihr Kind am besten bis zum Alter von 11 Jahren in der Mediennutzung, bis es ausreichend Sicherheit und Erfahrung hat.
  • Je älter die Kinder werden, desto mehr Vertrauen bringen ihnen die Eltern auf der Grundlage von Absprachen entgegen. Trotzdem bleiben Eltern immer als Ansprechpartner präsent.
  • Verabredete Nutzungszeiten sind eine Art Grundgerüst. Die Regeln können flexibel sein, mit dem Alter mitwachsen und dürfen auch mal eine Ausnahme zulassen.
  • Kinder sollten wissen: Mediale Dinge haben einen Stellenwert, sie können sie genießen, aber es gibt auch noch viele andere Dinge, die wichtig sind. Pausen und Abschalten von Medien deshalb nicht vergessen.
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