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29082017 Bahn
DB/Pablo Castagnola
Logistik

Sieht so der digitale Nachfolger der Postleitzahl aus?

Der Berliner Bahntower ist das erstes Unternehmensgebäude in Deutschland mit einer What3words-Adresse.

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Wer sich der Bahn-Zentrale im Berliner Sony Center nähert, stößt ab sofort auf eine neue Adress-Bezeichnung. "lebendig.webseiten.auflösen" steht dort. DB-Chef Richard Lutz und What3words-CCO Clare Jones haben dafür eine Plakette mit der Drei-Wörter-Kombination enthüllt. Die verweist auf das zugehörige 3x3 Meter-Quadrat innerhalb eines weltumspannenden Adresssystems des britischen Startups  What3words. Der Vorteil: Die klassische Adresse gilt für den gesamten Gebäudekomplex und daher unter anderem auch für eine Postfiliale sowie für die Shops und Gastronomie im Untergeschoss.

Wollen Besucher jedoch den Eingang zum DB-Gebäude finden, kommen sie mit der neuen Kennzeichnung leichter ans Ziel - und zwar über die Eingabe der drei Wörter auf der Homepage oder in der App von What3words.

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Die DB ist seit April dieses Jahres über ihren Startup-Fonds an dem Unternehmen beteiligt.

Wie hat sich der Start-up-Fonds seit Gründung der DB Digital Ventures im November 2016 entwickelt?

Richard Lutz: "Wir haben in dieser Zeit als Konzern enorm an Dynamik und Innovationskraft gewonnen. Eines hat sich bestätigt: Wir müssen bei der Digitalisierung nicht alles selbst machen. Andere sind oft schneller und fokussierter, wenn es um neue Produkte und Services geht. Beteiligungen bieten die Chance, rasch an diesen Neuentwicklungen zu partizipieren. Deshalb setzen wir auf neue Technologie-Partner, Startups und die Geschäftsideen unserer Mitarbeiter. Dafür halten wir bis 2019 rund 100 Millionen Euro Wagniskapital bereit. Mittlerweile haben wir fünf vielversprechende Beteiligungen an Startups. Bis Ende des Jahres werden weitere hinzukommen. Wir merken, dass wir mit den richtigen Partnern schnell etwas bewegen können. Außerdem erhalten wir als Deutsche Bahn Zugang zu innovativen Technologien, mit denen wir unsere Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit nachhaltig steigern und das Kundenerlebnis verbessern können. What3words ist dafür ein gutes Beispiel."

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Wie funktioniert das Prinzip What3words?

Clare Jones: "Wir haben die Welt in ein Raster aus 57 Milliarden 3x3 Meter großen Quadraten aufgeteilt, jedem dieser Quadrate eine eindeutige Drei-Wörter-Adresse zugeordnet und damit ein neues Adresssystem geschaffen. So können Standorte auf präzise und einfache Art und Weise lokalisiert werden. Das bedeutet, dass es für jede Person und für jeden Ort weltweit eine Adresse gibt. Selbst dort, wo keine Hausnummer oder Postleitzahl existiert. Manchmal verbergen sich hinter einer Adresse aber einfach nur mehrere Eingänge, Zufahrten oder Einrichtungen. Das kann die Suche kompliziert machen. Mit what3words ist das exakte Ziel immer leicht zu finden."

Wer hat What3words gegründet?

Clare Jones: "Chris Sheldrick, unser Co-Founder und CEO, hatte zuvor zehn Jahre in der Musikbranche gearbeitet. Er hat Bands gebucht und Musik-Events rund um den Globus organisiert. In dieser Zeit hat er immer wieder beobachtet, dass Lieferanten keine Seiteneingänge oder Musiker nur schwer den Weg vom Hotel zur Konzert-Location gefunden haben. Er teilte Adressen und GPS-Koordinaten. Auch das führte nicht zur gewünschten Lösung. So wurde die Idee zu What3words geboren. Gemeinsam mit zwei Freunden hat er die Kern-Algorithmen entwickelt, die erste Wörterliste aufgebaut sowie Website und App erstellt. Die drei haben dann 2013 die Firma gegründet und sind noch immer die treibende Kraft. Das Unternehmen hat mittlerweile rund 30 Mitarbeiter."

Warum hat sich die Deutsche Bahn an dem Startup beteiligt?

Richard Lutz: "Nicht nur die Genauigkeit und Einfachheit des Systems sowie das Wachstum und die Innovationskraft dieses jungen Unternehmens sind phänomenal. Auch die Anwendungsmöglichkeiten für die Deutsche Bahn beeindrucken. Wir sehen zum einen Potenziale im globalen Warenverkehr. An vielen Orten der Welt gibt es keine Straßennamen und Hausnummern, aber dennoch wachsenden Logistikbedarf. Auch internationale Hilfsaktionen, an denen DB Schenker regelmäßig beteiligt ist, könnten mithilfe der Drei Wörter-Verortung noch schneller und präziser erfolgen.

Zum anderen wird What3words auch für autonome Fahrzeuge im öffentlichen Verkehr hilfreich sein, die wir heute schon testen und sukzessive weiterentwickeln. Autonome Shuttles sind ein wichtiges Zukunftsfeld, gerade wenn wir über Smart Cities reden. Als Deutsche Bahn können wir Städten wie kein anderes Mobilitätsunternehmen in Deutschland digitale Mobilitäts-, Logistik- und Infrastrukturlösungen aus einer Hand bieten. Unsere Startup-Beteiligungen wie "hat3words untermauern das."

Wo wird What3words bereits genutzt?

Clare Jones: "Kuriere in Europa, Asien, Afrika und den USA nutzen What3words schon heute, um Waren schneller und punktgenau auszuliefern. Andere Anwendungen helfen Touristen, Treffpunkte oder Geheimtipps aufzufinden – von versteckten Plätzen in Parks über Strandabschnitte bis hin zu nicht adressierten Eingängen zu Airbnbs. In der Mobilität spielt What3words eine entscheidende Rolle für Navigationssysteme. In Kürze wird die Adresssuche auch über Spracheingabe funktionieren. Das kann die Navigation während des Fahrens entscheidend verbessern, besonders bei uneindeutigen Straßennamen oder dann, wenn die konventionellen Adresssuchsysteme einen Ort in der Mitte des Gebäudekomplexes und nicht den Eingang markieren."

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