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Matthias Mehner ist Vice President Strategy & Innovation bei MessengerPeople und Kolumnist für LEAD (Bild: Martin Kroll)
Datenschutz DSGVO Messenger

Seht die Chancen, nicht die Risiken

Die nahende Datenschutzgrundverordnung beschäftigt auch LEAD-Kolumnist Matthias Mehner, der Fragen danach gefühlt täglich in Workshops gestellt bekommt - und die panische Einstellung dazu leid ist.

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Aaaah, ich kann es nicht mehr hören! Datenschutz hier – DSVGO da. Die ganze Digitalbranche dreht am Rad und scheint im Moment nur noch ein Thema zu kennen. So werden wir kaum den Anschluss bei der Digitalisierung halten – geschweige denn, uns als Vorreiter positionieren. Ich will euch an dieser Stelle jetzt auch nicht beraten oder gar aufklären können: Ich möchte nur, dass ihr euch auch noch mit anderen Themen beschäftigt!

Im Moment bin ich wieder viel auf Tour, halte viele Vorträge und gebe Workshops zum Thema Messenger und Chatbots und spreche viel über die nächste große Welle in der Kommunikation. Ich beweise anhand vieler Beispiele, Bestcases, Fakten und Studien, welch enormes Potential sich hier auftut. Viele Unternehmen setzen Messenger schon extrem erfolgreich ein und vollkommen neue Business-Modelle entstehen bei denen, die schnell, innovativ und mutig genug sind. Aber welche Frage wird mir mit großer Wahrscheinlichkeit immer am Ende jeder Session gestellt? Genau: „Und was ist mit dem Datenschutz?“

Anmerkung: Ja, der Schutz vor unbefugter Nutzung von Daten und persönliche Rechte im Internet sind richtig und wichtig und bei WhatsBroadcast nehmen wir das Thema sehr ernst, sonst hätten wir kaum institutionelle Großkunden wie Banken, Versicherungen, Parteien oder Verkehrsbetriebe. Details zum Thema Datenschutz bei Messenger Marketing und Chatbots haben wir euch hier im WhatsBroadcast-Magazin schon einmal präventiv beantwortet.

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Aber um Himmels Willen, liebe Digitalmanager, lasst euch nicht als erstes die Risiken durch den Kopf gehen – sondern seht die Chancen! Im sich schnell drehenden Online Marketing-Business ist das Thema Datenschutz IMMER veraltet. Wenn sogar unsere Staatsministerin für Digitalisierung Dorothee Bär kritisiert „Datenschutz wie im 18. Jahrhundert" – dann könnt ihr euch leicht ausrechnen, auf welchem Stand wir uns aktuell befinden.

Niemand weiß sicher, was sicher ist

Bei einem Barcamp letzte Woche wurde gefragt, wer denn schon fit in der DSVGO ist. Von vielleicht 120 Teilnehmern meldete sich gerade einmal eine Teilnehmerin. Und auch die ruderte danach kräftig wieder zurück. Fakt ist, dass noch niemand so ganz sicher weiß, was ganz sicher ist.

Im gleichen Barcamp kam nach meiner Session ein Teilnehmer von einem bekannten Unternehmen mit vielen tausend Kunden auf mich zu und meinte: „Jetzt hast du mich total angefixt, und ich würde das so gern machen. Aber mein Vorstand hat das Motto '100%-rechtskonforme Kommunikation' ausgegeben“. Der arme Kerl soll die digitale Kommunikation eines Großkonzerns aufbauen - und darf noch nicht einmal Facebook nutzen.

Meistens ist gerade diese nicht einhundertprozentige Rechtsicherheit das Problem. Denn hier liegt die Entscheidung zunächst meist beim Datenschutzbeauftragten eines Unternehmens. Und je nachdem, wie der seine Aufgabe interpretiert, schwanken dann die Entscheidungen von „Ja, aber“ bis zu „Oh Gott, nein“.

Ich habe bereits mit vielen unterschiedlichen Typen von Datenschutzbeauftragten zusammengearbeitet und wurde auch des Öfteren in Projekten gebremst, die meinen Mitbewerbern deutliche Vorteile verschafft haben. Meist hilft da im ersten Schritt eine Einladung zum persönlichen Kennenlernen und im zweiten Schritt der Beweis, dass es die Konkurrenz ja auch erfolgreich macht.

„Es kommt drauf an“ - lautet der meist beanspruchte Satz von Rechtsanwälten. Letzen Endes handelt es sich immer um eine Risikoabwägung: Als ich vor zwanzig Jahren meinen ersten Job im Marketing hatte (damals für eine Eventreihe), bin ich persönlich mit dem Fahrrad durch die Stadt gefahren und habe Plakate aufgehängt (durchaus an gewagten Stellen) und Sticker auf beinahe jede Ampel geklebt. 100 Prozent rechtskonform war das sicher nicht – aber ich habe damals alle Möglichkeiten genutzt und das Risiko wissend in Kauf genommen, um mir einen Wettbewerbsvorteil und Sichtbarkeit zu verschaffen.

Chancen first, Datenschutz second

Also bitte, liebe Kollegen: Schaut erst auf die Chancen und Möglichkeiten, die sich bieten und überlegt, wie ihr diese gewinnbringend für euch nutzen könnt. Erst im zweiten Schritt müssen dann grundsätzliche Hürden wie etwa Datenschutz oder Persönlichkeitsrechte evaluiert werden (Achtung Spoiler: Es findet sich immer ein Weg!). Zum Schluss bleibt bei diesem Thema immer irgendwo ein Restrisiko – wie bei eigentlich allem, was im Internet möglich ist.

Ich bin übrigens dazu übergegangen, einen kleinen Zettel mit der Frage „Und was ist mit Datenschutz?“ in der Hosentasche zu haben, um wie einst David Copperfield dann auf magische Weise die Frage schon vorher gewusst zu haben. So hat das Ganze dann doch etwas Gutes – fragt mich ruhig weiter danach.

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