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Smartphone Charging 243846907  Adobe Stock Denys Prykhodov
Smartphones sind heute weit mehr als nur Kommunikationsmittel, das steht außer Frage. Dass sie mittlerweile allerdings auch schon das Zeitverständnis vieler Menschen prägen und ihren Alltag strukturieren, ist fast schon ein wenig beängstigend (Bild: Adobe Stock)
Smartphones Akku Studie

Schockierende Studie: Was unsere Smartphone-Akkus über uns verraten

Smartphones sind heute weit mehr als nur Kommunikationsmittel, das steht außer Frage. Sie sind Landkarten, digitale Geldbörsen, Unterhaltungssysteme, Schritt- und Pulszähler. Dass sie mittlerweile allerdings auch schon das Zeitverständnis vieler Menschen prägen und ihren Alltag strukturieren, ist fast schon ein wenig beängstigend.

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Der Designer Karl Lagerfeld war immer für einen guten Spruch zu haben. Einige davon gingen direkt in die Geschichte ein. Sein wohl bekanntester sprach der Jogginghose fernab des Fitnessstudios jegliche Daseinsberechtigung ab. "Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“, sagte die Mode-Ikone im Jahr 2012 in der ZDF-Talkshow "Markus Lanz“.

Was der im Februar verstorbene Lagerfeld damals noch nicht ahnte: Sein Jogginghose-Theorem kann mittlerweile auch auf Smartphones angewandt werden. Besser gesagt: auf leere Smartphone-Akkus. Zu diesem Ergebnis kam jedenfalls die Cass-Business-School-Studie, die an Londoner Pendlern durchgeführt wurde.

Akkus unter 50 Prozent rufen Gefühle von tiefer Angst hervor

"Die Menschen denken nicht mehr daran, dass ihr Ziel zehn Kilometer oder zehn U-Bahn-Stationen weit entfernt liegt“, sagt Dr. Thomas Robinson, Dozent für Marketing und der Hauptautor der Studie. "Sie schätzen die Entfernung beispielsweise auf 50 Prozent der Batterie ein." Demnach übernimmt der Akku des Smartphones nicht nur die Zeit- und Distanz-Einschätzung, sondern wird sogar zu einer Art "Feel-Good"-Messgerät. Oder eben zum Gegenteil. Eine volle Batteriestatusanzeige vermittelte den Befragten "ein positives Gefühl", sagt Robinson. Dadurch hätten sie den Eindruck, alles Mögliche unternehmen und schaffen zu können. Akkus, die weniger als halb voll waren, riefen hingegen "Gefühle von tiefer Angst und Unbehagen" hervor.

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Einer der Befragten erzählte in der Studie, für die 60 bis 90-minütige Interviews mit den Personen geführt wurden, dass er eines Tages auf einen verspäteten Zug warten musste: "Ich sah, dass der Akku nur noch bei 57 Prozent stand und immer leerer wurde. Als ich endlich in den Zug stieg, hatte ich nur noch 15 bis 20 Prozent und dachte: 'Shit!' Jedes Mal, wenn ein Prozent weniger angezeigt wurde, nahm ich das wirklich zur Kenntnis."

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"Wenn es von 100 auf 0 Prozent geht, bist du nackt und frierst"

Ist es mittlerweile schon so weit, dass die Handy-Akkus unsere Gefühlszustände bestimmen? Vereinzelt scheint das wirklich der Fall zu sein. Eine 25-Jährige beschrieb es in ihrem Interview so: "Ein voller Akku bedeutet 'gut, um in den Tag zu starten', bei 50 Prozent denke ich mir 'Oh Gott, ich sollte besser die Updates im Hintergrund stoppen, den Sparmodus aktivieren und Instagram und die E-Mails deaktivieren, weil es sonst wahrscheinlich bald den Geist aufgeben wird'. Bei 30 Prozent würde ich keinen Spaß mehr haben und alles darunter wäre nur noch 'AHHHHH'."

Ein 35-jähriger Manager geht sogar noch weiter: "Wenn du an einem kalten Tag unter der Dusche stehst und jemand den Hahn zudreht. So fühlt es sich an, du denkst: 'Dreh wieder auf, dreh wieder auf!', weil du frierst. Das passiert, wenn es von 100 auf 0 Prozent geht – du bist nackt und frierst. Du durchlebst viele Emotionen."

Das Akku-Management strukturiert die täglichen Aktivitäten vieler Menschen

Die Antworten der Probanden führen die Autoren der Studie zu der Erkenntnis, dass das Management des Akkus die täglichen Aktivitäten der Menschen strukturiert – von Streitigkeiten darüber, wer sein Gerät neben dem Bett aufladen darf, bis hin zu der Entscheidung, wo man einkaufen gehen sollte, um sich Zugang zu zusätzlichen Ladestationen verschaffen zu können.

"Ich sagte: 'Wo sollen wir nun hingehen? Weißt du was? Lass uns doch lieber ins Westfield gehen.' Und sie fragte: 'Warum?' Weil ich mein Smartphone im Westfield Shopping Centre laden kann. Die Tatsache, dass mein Akku leergehen könnte, machte mich verrückt", erklärte beispielsweise eine 33-Jährige, die auf einem Shopping-Trip mit ihrer Freundin einen langen Umweg in Kauf nahm, nur um den Smartphone-Akku aufzuladen.

Diejenigen die zu so ziemlich jedem Umweg und skurriler Tat bereit sind, um den Akkustand möglichst hochzuhalten, bezeichnen sich der Studie zufolge selbst als "Kontrollfreaks" oder gaben an, von "ein paar Zwangsstörungen belastet zu sein".

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Leerer Akku? Das steht für ungeordnete und rücksichtlose Menschen

Doch die Studie bringt noch ganz andere Aspekte ans Tageslicht. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass Menschen sowohl sich selbst als auch andere in Bezug auf die Aufrechterhaltung ihres Batterieladezustands identifizieren. So stuften Befragte jene Personen, die ihre Handy-Akkus regelmäßig leergehen lassen, als "ungeordnet" und "rücksichtslos" ein. Laut Robinson werden diese Menschen "als außerhalb der sozialen Norm des Verbundenseins stehend angesehen“.

Sie seien für die anderen nicht in der Lage, "kompetente Mitglieder der Gesellschaft zu sein". Sein Fazit: "Telefone sind zu einem solchen allumfassenden Knotenpunkt geworden, dass eine Unfähigkeit, die Akkulaufzeit effektiv zu verwalten, für die Unfähigkeit, das Leben zu verwalten, steht."

Was einmal Karl Lagerfelds Jogginghose war, ist heute der leere Smartphone-Akku. Bleibt nur zu hoffen, dass der Wunsch danach, nicht ständig (nur) mit der digitalen Welt verbunden zu sein – und sich hin und wieder ganz auf das Analoge zu konzentrieren, bald ein ebenso überraschendes Revival erlebt wie die gute alte Trainingshose.

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