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(Bild: Getty Images)
Medizin Chat Gesundheit

Ruf mich an, Doc!

Die Kosten im Gesundheitswesen explodieren. Doch die Beziehung zwischen Arzt, Patient und Krankenkasse ist noch steinzeitlich organisiert. Wir zeigen, welche digitale Unterstützung schon heute möglich ist - und welche Vorteile das hat.

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Terminvereinbarung, Beurteilung von Röntgenbildern, Zweitmeinung einholen – vieles, was heute noch analog passiert, wäre auch digital möglich. Die Menschen sind dazu schon längst bereit. Laut einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom befürworten 60 Prozent der Bundesbürger die elektronische Gesundheitsakte. Und es gibt bereits einige hoffnungsvolle Angebote.

Das Startup Minxli beispielsweise bietet eine Arztberatung via Video und Chat an. Mit der Minxli App könnt ihr in drei einfachen Schritten eine Videosprechstunde mit einem Arzt buchen. Die Ärzte müssen wiederum ihre Zulassung hochladen, erst dann wird ihr Account freigeschaltet. Ein anderer Anbieter ist die Teleclinic. Teleclinic ist eine digitale Gesundheitsplattform, die die private Patientenakte, Gesundheitsmonitoring, digitale Präventionsprogramme und die digitale Arztsprechstunde ermöglicht.

Der Arzt ruft dich an

Mit Teleclinic könnt ihr einen Arzt via App, Website oder Telefon sprechen. Dazu müsst ihr euch wie bei allen Online-Diensten erst einmal registrieren. Wenn ihr ein konkretes Problem habt, sprecht ihr zunächst mit einer medizinischen Assistenz. Diese nimmt euer Anliegen auf, sucht den richtigen Ansprechpartner und vereinbart einen Termin – so wie ihr es von einer Sprechstundenhilfe kennt. Der Arzt ruft euch zum vereinbarten Zeitpunkt an und ihr könnt euer Anliegen besprechen.

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Das Konzept kommt vor allem Patienten mit langer Anfahrt zum Arzt, insbesondere zu einem Facharzt entgegen. Aber auch für chronisch Kranke oder mobil eingeschränkte Patienten sowie Eltern, die mit ihren Kindern häufig zu Untersuchungen gehen müssen, könnte die Telesprechstunde eine Erleichterung bedeuten.

Das kann die digitale Patientenakte

Die digitale Patientenakte wiederum gibt einen Überblick über die Medikamente, die du einnimmst. Wenn der Arzt dir ein neues Medikament verschreibt, lässt sich so gleich abgleichen, ob es ungewünschte Wechselwirkungen mit anderen Mitteln gibt, die womöglich zu neuen Beschwerden führen. Außerdem können mit der Patientenakte kostenintensive Doppeluntersuchungen vermieden werden. Und schließlich lassen sich dort auch Röntgenbilder und MRTs speichern, so dass ihr euch bequem eine zweite Arztmeinung einholen könnt. Die digitale Patientenakte bietet also eine transparente Übersicht für Patient, Kasse und Arzt und dient als Grundlage für die digitale Sprechstunde.

Woran es in der Praxis hakt

Doch in der Praxis gibt es noch ein paar Schwierigkeiten – vor allem für den Videochat mit dem Arzt. Eine Voraussetzung, dass ihr als Patient die Teleangebote überhaupt nutzen könnt ist nämlich, dass der Arzt Videosprechstunde anbietet. Bei der Teleclinic beispielsweise stehen heute gut 200 Fachärzte aus ganz Deutschland zur Verfügung – ein Tröpfchen auf dem heißen Stein. Und ob du den Dienst als gesetzlich Krankenversicherter kostenfrei nutzen kannst, ist von deiner Krankenkasse abhängig. Denn für die Rezeptausstellung, Facharztüberweisungen und das Gesundheitskonto ist ein Rahmenvertrag mit deiner Krankenversicherung oder Krankenkasse erforderlich. Die großen Kassen wie AOK und DAK arbeiten derzeit nicht mit der Teleclinic zusammen.

Telemedizin in der Krebstherapie

Doch trotz der zögerlichen Haltung der Hauptverantwortlichen in unserem Gesundheitswesen, wird weiter geforscht. So wird derzeit getestet, ob Videokonsultation in der Tumortherapie eine Entlastung für Krebspatienten bringen kann. Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg untersucht, ob ambulante Kontrolltermine, bei denen es um die Verträglichkeit der Tumortherapie oder die Besprechung des aktuellen Befundes geht, auch per Videochat durchgeführt werden können. 60 Krebspatienten nehmen an dem telemedizinischen Projekt teil. Umgesetzt wird der Pilotversuch mit Minxli. "Die Telemedizin in der Onkologie habe sich als sehr sicher erwiesen – selbst für Krebstherapien. Sogar eine Chemotherapie lasse sich über größere Distanzen anwenden und von außen steuern", schreibt die Medizinjournalistin Ingrid Müller auf ihrem Blog. Geklärt werden soll in der Studie nun, wie Krebspatienten mit Video als Kanal zum Arzt zurechtkommen, wie zufrieden sie mit der virtuellen Kommunikation sind und wie viel Zeit Patient und Arzt investieren müssen, beziehungsweise ob sich tatsächlich Zeit sparen lässt.

Sparpotenzial in der Labordiagnostik

Doch auch in der Labordiagnostik lässt sich durch Digitalisierung Geld sparen. Das Münchner Start-ups Inveox automatisiert zum Beispiel den Prozess des Probeneingangs in der Histopathologie, also der Analyse von krankhaften Gewebeveränderungen. Das Ziel ist eine zuverlässige und schnelle Krebsdiagnose.

Manuelle Laborprozesse sind nämlich zeitintensiv, fehleranfällig, teuer und der häufigste Grund für Krebsfehldiagnosen. Allein in Deutschland werden jährlich Hunderte von Patienten aufgrund fehlerhafter Labordiagnosen falsche Diagnosen oder ungeeignete Therapien unterbreitet. Häufiges Problem: Die Proben werden verwechselt. Intelligente Container für Biopsieproben sollen in Zukunft eine Verwechslung der Proben verhindern. Dabei setzt Inveox auf automatisierte und standardisierte Laborabläufe während des gesamten Präparationsprozesses der Proben.

Eine Automatisierungsplattform sorgt zudem dafür, dass die Proben per automatisierter Bilderkennung analysiert und die Ergebnisse dokumentiert werden. Das soll Laboren bis zu 70 Prozent der manuellen Arbeitszeit sparen und die Sicherheit und Zuverlässigkeit der Labordiagnosen deutlich erhöhen. Für diese Idee wurde Inveox von Magazin für-Gründer zum "Start-up of the year 2017" ausgezeichnet und von Roche Diagnostics zum Digital Health Accelerator eingeladen.

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