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Roboter Transformation Psychologie

Roboter: Wir müssen reden - aber anders

Weniger Angst, mehr gesellschaftliche Debatte: Roboterpsychologin Prof. Dr. Martina Mara fordert neue Visionen für Robotik und künstliche Intelligenz.

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Auch Roboter haben mit Vorurteilen zu kämpfen. Auf die Frage, was sich Europäerinnen und Europäer als oberste Priorität bei deren Einsatz vorstellen könnten, antwortet eine knappe Mehrheit: die Erforschung des Weltraums.

„Flapsig interpretiert könnte man sagen: Sie wünschen sich Roboter so weit weg wie möglich, und zwar ins Weltall“, sagt Martina Mara, Professorin für Roboterpsychologie an der Johannes Kepler Universität Linz. Sie beschäftigt sich – anders als die Bezeichnung vermuten lässt – mit der menschlichen Psyche und testet, wie unterschiedliche Charaktere auf verschiedene Roboter reagieren. Daraus wiederum leitet sie Empfehlungen ab, wie Roboter gestaltet werden können, damit Menschen möglichst gut mit den Maschinen interagieren können.

An der Universität Passau zeigt sie zum Thema „Alles außer Kontrolle? Herausforderungen der Digitalisierung für die Gesellschaft“ Beispiele für Roboter, mit denen sich Menschen mehr oder weniger wohl fühlen.

Uni Passau

„cute“ ist nicht immer gut

Beim Robohon handelt es sich um ein Smartphone mit Händen und Füßen, ein kleines Kerlchen mit großen Augen und großem Kopf. Klarer Fall von Kindchenschema: „Das geht natürlich rein und wir finden das cute“, sagt Mara. Aber das sei nicht unbedingt positiv: Roboter sollten nicht immer niedlich sein, findet die Forscherin. „Wir machen uns als Nutzerinnen und Nutzer manipulierbar, wenn wir auf die Niedlichkeit solcher Maschinen reinfallen.“ Und in manchen Fällen werde dies auch zu einer Frage der Sicherheit: Zum Beispiel bei einem Rasenmäher-Roboter mit scharfen Messern, den Kinder nicht unbedingt für einen netten Spielkameraden halten sollten.

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Zwischen Zombie und Leichnam

Weniger cute ist der Telenoid. Er schickt das Publikum ins „Uncanny Valley“, ins unheimliche Tal, irgendwo zwischen Leichnam und Zombie. Die „Uncanny-Valley“-Hypothese des Robotikers Masahiro Mori aus dem Jahr 1970 beschreibt den Effekt, wonach menschenähnliche Züge einen Roboter zunächst sympathischer machen – siehe Robohon. Ab einem bestimmten Punkt kippt dieser Eindruck und die Kurve fällt steil nach unten ab. Erst perfekte menschliche Kopien werden wieder positiv wahrgenommen.

Davon ist der Telenoid aber weit entfernt. Dabei steckt eigentlich ein charmantes Konzept dahinter: Der Roboter ist eine Art Skype oder Facetime zum Anfassen. Wenn sich die Enkelin etwa bei der Oma aus dem Auslandsjahr meldet, überträgt der Telenoid nicht nur Stimme, sondern auch Gestik und Mimik. Die Oma könnte den Roboter umarmen und sich vorstellen, es sei die Enkelin. Dennoch: Diese Maschine will man nachts nicht unbedingt anstelle des Telefons in seiner Wohnung sitzen haben.

Marketing-Gag mit verheerender Wirkung

Die Roboterfrau Sophia ist zwar weniger unheimlich, schürt aber trotzdem Ängste. Dabei ist sie vor allem eines: ein Marketing-Gag. Sophia kann Emotionen zeigen und sich darüber freuen, dass ihr Saudi-Arabien die Staatsbürgerschaft verliehen hat. Das Video von ihrer Dankesrede ging viral .

Die Roboterfrau, hinter der laut Mara ein „ganz passabler Chatbot“ steckt, tritt bei diversen Business-Events auf und plaudert über ihren Kinderwunsch. David Hanson, Gründer von Hanson Robotics und einer der „Schöpfer“ von Sophia, wie es in diesem Zusammenhang gerne heißt, erklärt, dass es sein Traum sei, Roboter zu erschaffen, die lebensecht seien – „basically alive“. Mara ärgern solche Äußerungen und Darstellungen: „Das befeuert Ängste nach dem Motto: Jetzt sind schon die emotionalen Super-Roboter da und die wollen uns auch noch heiraten.“ Die Forscherin, die in der Welt der Robotik gut vernetzt ist, beruhigt: „Es gibt derzeit weltweit keinen Prototypen, der darauf hindeutet, dass so etwas wie Bewusstsein in einer Maschine in absehbarer Zeit möglich wäre.“

Head Tilt und Storytelling

Zwar hat die Psychologin Mara Tricks parat, die die Akzeptanz dieser unheimlichen Geschöpfe steigern könnten: Es hilft, wenn die Humanoiden etwas neckisch den Kopf zur Seite neigen oder wenn man dem Publikum im Vorfeld nette Geschichten zu den Robotern präsentiert – Stichwort Storytelling. Nur: Wollen wir das? Mara plädiert für einen anderen Ansatz: Sie versucht, die Roboter vom Menschen her zu denken und fragt sich: Wie müssen Roboter gestaltet werden, damit wir uns mit ihnen wohl fühlen? Darauf gibt es der Forscherin zufolge eine simple Antwort: „Die Roboter müssen klar als Maschinen erkennbar sein, damit wir erst gar nicht in diesen Kategorien-Konflikt kommen.“

Das gilt auch für digitale Sprachassistenten. Das kürzlich vorgestellte Google Duplex ist imstande, dem oder der Angerufenen eine menschliche Kommunikation vorzuspielen – inklusive „ähms“ und „mhms“. „Ich finde, man sollte das Recht haben, selbst zu bestimmen, ob man mit solchen Systemen sprechen möchte“, sagt Mara. Dazu müsste sich der Chatbot aber als solcher zu erkennen geben. Stellt sich die Frage, ob es dann noch sinnvoll ist, dass das Programm eine menschliche Konversation mimt.

Mehr Aufklärung über die Chancen

Die Forscherin fordert mehr Aufklärung über künstliche Intelligenz. Zum Beispiel darüber, dass diese Intelligenz nur so klug sein kann wie das Material, von dem sie gelernt hat. Das wiederum besteht aus Daten, die Menschen generiert haben - mit der Konsequenz, dass künstliche Intelligenz menschliche Fehler, überkommene Rollenvorstellungen und Stereotype reproduziert. Mara bringt ein Beispiel von Google translate, das Berufen aus dem Türkischen, das kein grammatikalisches Geschlecht kennt, automatisch einem bestimmten Geschlecht zuweist: Aus einer Pflegekraft im Krankenhaus wird eine Krankenschwester, aus einer Person, die eine Professur inne hat, ein Professor. „Wir müssen darüber diskutieren, wie wir zukunftsorientierte Vorstellungen in solche Systeme einspeisen können“, sagt die Professorin. Außerdem fordert sie Transparenz bei den Entscheidungen, die Algorithmen treffen. „Wir brauchen Künstliche Intelligenz, die sich selbst erklärt, Roboter, die sich besser nach außen verständlich machen.“

Sie plädiert für eine „menschenzentrierte Robotik“, in der künstliche Intelligenz klar als Maschine erkennbar ist, bestenfalls in ihrer Funktion als sympathisches Werkzeug. Als Beispiel führt sie das Exo-Skelett an, das Pflegekräfte beim Heben von Patientinnen und Patienten unterstützt.

Die Bilder sind zwar weniger spektakulär. Dafür, so hofft die Forscherin Mara, könnte dies die gesellschaftliche Debatte in eine andere Richtung lenken – weg von der Angst vor dem humanoiden Roboter, hin zu Überlegungen, welche Einsätze im Alltag für die Maschinen denkbar wären.

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