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Stephan Schreyer (Grafik: Uli Kurz)
Audio Podcast Kolumne

Radio? Braucht keiner mehr!

Audio ist super, findet LEAD-Kolumnist Stephan Schreyer. Egal ob Smart Speaker, Podcast, Voice oder Hörspiele: Audio hat viele Gesichter bzw. Stimmen. Radio aber braucht keiner mehr!

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Ich liebe Audio! Keine andere Mediengattung ist so nah am Puls der Zeit. Audio ist persönlich, emotional und nah am Menschen. Egal ob SmartSpeaker, Podcast, Voice, Hörspiele oder Radio. Audio hat viele Gesichter bzw. Stimmen.

Aber bleiben wir mal beim Radio. Ich weiß nicht wie es Euch geht, aber mit dem Radio ist das bei mir so eine Sache. Insbesondere mit den Privatradios. Schalte ich die entsprechenden Frequenzen ein, werde ich aggressiv und mein Blutdruck steigt. Ich ertrage dieses belanglose, nichtssagende Gequatsche von irgendwelchen Pseudo-Moderatoren einfach nicht mehr. Bei "Blitzeralarm", "geheimnisvollen Geräuschen" und den "besten Hits von hier bis Pjöngjang" gerät mein Körper regelmäßig an seine Belastungsgrenze. Nachrichten und sonstige Informationen - sofern sie überhaupt stattfinden - bewegen sich haarscharf an der Grenze zur geistigen und emotionalen Kapitulation.

Doch bevor mich jetzt wieder irgendwelche Consultants mit selbst kreierten Berufsbezeichnungen kontaktieren und mich belehren wollen: Mir ist bewusst, dass das alles bereits mehrfach gesagt, geschrieben und auf Podien diskutiert worden ist. Aber: Das macht es nicht besser!

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So geht Corporate Podcast

Podcasts vereinen Storytelling und Audio zum „Kopfkino“. Strategisch konzipierte Podcasts haben Relevanz, schaffen einen Mehrwert und bieten Lösungen. Fragen Sie sich: Wann ist ein Podcast erfolgreich? Wie finde ich ein relevantes Thema? Worauf kommt es bei der Konzeption an? Darauf und auf viele weitere Fragen erhalten Sie kompetente Antworten im W&V-Report von LEAD-Autor Stephan Schreyer. Ergänzend dazu liefert in „Check 09: Podcast und Recht“ der renommierte Rechtsanwalt und Podcast-Spezialist Christian Solmecke ein Grundverständnis für Rechtsfragen rund ums Podcasten.

Privatradio hat andere Zwänge als öffentlich-rechtliche Sender

Ja, ich weiß wie Privatradio funktioniert. Ja, ich kenne die Zwänge der privaten Sender im Hinblick auf Finanzierung. Ja, ich lese auch die vermeintlichen Umfragen, in denen Hörern nachgesagt wird, sie wünschen keine Informationen und Wortbeiträge. Doch genau diese Aussage hinterfrage ich: Wie sollen Hörer/-innen etwas kennen und dazu befragt werden, wenn es gar nicht im Programm läuft? Überhaupt, wer erstellt und bearbeitet diese Umfragen?

Hat man tatsächlich bereits alle möglichen Audio-Formen im Programm getestet?

Die zunehmende Beliebtheit von Podcasts dürfte es gar nicht geben, wenn eben diese Umfragen richtig lägen. Das grundsätzliche Interesse an Wortformaten dürfte nicht einmal bestehen.

Befähigt Radio zu Audio?

Angestachelt von diesen Gedanken und der kürzlichen Aussage eines Radiochefs, der Podcasts "für überschätzt" hält, habe ich mich auf das Terrain des investigativen Journalismus gewagt und diverse Radiosender kontaktiert. Ziel: Zu klären, ob und wie sich verschiedene Sender den Audio-Trend zunutze machen.

Mein Gedanke: Audio boomt. Und somit auch die Nachfrage bezüglich Audioformaten und professionellen Produzenten. Sprich nach

Knowledgeträgern, wie es so schön heißt, die das Medium tatsächlich kennen und verstehen. Für Radiosender müsste sich daraus doch ein lukrativer Business-Case generieren lassen. Ihre Kernkompetenz ist Hörbares, sie können in Anbetracht der aktuellen Entwicklungen eigentlich nur gewinnen. Meine These: Wenn Sie mit der Audioentwicklung Schritt halten, ihr Know-How extern zur Verfügung stellen, als Dienstleistung anbieten, dann profitieren sie in vielerlei Hinsicht vom Audioboom.

Doch bei dieser These war der Wunsch (in Erinnerung an meine zugegebenermaßen eventuell romantisch verklärte Radiozeit) wohl eher Vater des Gedanken. Nicht mal ein Drittel der Sender hat auf meine Anfrage überhaupt geantwortet. Und diejenigen, die geantwortet haben, hätten es teilweise besser gelassen.

Zusammengefasst ist der Tenor der Antworten ein Armutszeugnis der Radiobranche: Kein Personal, kein Geld, keine Kapazitäten, straffe Dienstpläne ... und überhaupt: lieber UKW und Online first.

Den eigentlichen Offenbarungseid liefert diese Antwort: Keine Notwendigkeit. "...zumal man doch mittlerweile mit einem Mikrofon durchschnittlicher Qualität selbst einen Podcast besprechen kann."

Die Radiobranche demontiert sich selbst

Wir erleben gerade, wie Audio immer stärker wird, wie sich die Medienlandschaft radikal verändert. Wie etablierte Medienmarken und Gattungen verschwinden oder erheblich unter Druck geraten, weil sie ihr Geschäftsmodell nicht anpassen. Wir sehen wie Streamingsdienste dafür sorgen, dass man kein Radio mehr braucht, um Musik zu hören. Wie personalisierbare News-Apps und Tools für individuelle Nachrichten und Informationen sorgen und damit ebenfalls dem Radio die Existenzberechtigung rauben.

In einem solchen Umfeld, ignoriert gefühlt eine ganze Branche den Wandel und erkennt ihre Alleinstellungsmerkmale nicht? Verzichtet auf das Geld, das auf der Straße liegt?

An die eigenen Inhalte - gar an das eigene Medium - wird offenbar nicht mehr geglaubt. Radiosender, also audioaffine Profis, die ihr nachgefragtes Wissen (gegen Geld) weitergeben? Fehlanzeige.

Ich bin sprachlos! Ist das Arroganz? Dummheit? Marktversagen? Versteckte Kamera?

Der Workflow kommerzieller, privater Radiosender entspricht der Positionierung: Musik für die Masse. Auditives Storytelling spielt keine Rolle. Jingles, Verpackungen und Teaser sind der Olymp der Kreativität. Der Rest wird von Volontären oder Praktikanten gemacht.

Öffentlich-rechtliche Radiosender sind schon etwas anders aufgestellt. Sie kommen ihrem Informationsauftrag nach: Immerhin beschäftigt man sich dort bereits mit diversen Audioformaten wie Hörspiel und Co. Aber wenn es um Audio-Dienstleistungsangebote geht: auch hier Fehlanzeige. Keiner der angefragten Sender bietet seine Services extern an. Nicht mal über ein Tochterunternehmen.

Den monetären Vorteil der „on demand Inhalte“ hat beim Radio bis jetzt wohl noch keiner entdeckt oder entdecken wollen. Egal ob bei Privatsendern oder beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Den Markt greifen sich andere. Digitalisierungsexperten, ehemalige Radioleute oder große Agenturen, die mit eigenen Podcast-Units an den Start gehen. Und sich endlich um auditives Stortelling abseits des 3217 Talkformates bemühen.

Für die Radiosender indes wird es wohl bald heißen: "1,2 oder 3 - letzte Chance vorbei!" Und Schuld an allem war dann vermutlich wieder das Internet ...

Stephan Schreyer berät Unternehmen zum Thema Audio & Podcast. Für den Audioapostel sind Strategie und Konzept das Maß aller Dinge.

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