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Gegründet wurde Proudr von Stuart Cameron, der 2009 auch "Sticks and Stones" ins Leben rief, die weltweit einzige Karrieremesse für LGBT+ (Credit: Philipp von Ostau)
Apps Networking Business

Proudr: Die weltweit erste LGBT+ "Business & Networking"-App

Braucht es wirklich ein Jobportal, das sich an schwule, lesbische, bisexuelle, transsexuelle und queere Menschen richtet – oder sollte die sexuelle Orientierung im Berufsleben eigentlich keinerlei Rolle spielen? Wir haben mit dem Gründer Stuart Cameron darüber gesprochen.

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LEAD: Herr Cameron, wie entstand die Idee zu Proudr?

Stuart Cameron: Die Idee entstand, als ich vor drei Jahren beim Pride Festival auf Gran Canaria war. Während ich im Hotelzimmer lag, ging ich bei den Datingplattformen Grindr & Tinder online. Allerdings nicht, um zu daten, sondern einfach, um mit interessanten Leuten zu chatten oder mich auf einen Kaffee zu verabreden.

LEAD: Sind diese Plattformen nicht eher auf Sex ausgerichtet?

Cameron: Ja, genau. Deshalb war ein normaler Chat dort gar nicht möglich. Außerdem hatten 80 Prozent der Profile nur einen Oberkörper zur Ansicht. An dieser Stelle hatte ich mir gewünscht, dass es eine Plattform für LGBT+ (Abkürzung für Lesbian, Gay, Bisexual und Trans) gibt, auf der ich einfach spannende Profile finden und ein normales Gespräch führen kann. Da ich mich bereits seit zehn Jahren mit dem Thema LGBT+ und Karriere beschäftige, weiß ich, wie wertvoll Netzwerke sind und da kam mir die Idee, eine Netzwerk-Plattform speziell für LGBT+ zu schaffen, auf der man sich beruflich wie privat vernetzen kann.

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LEAD: Sollte man Proudr als Ergänzung zu den klassischen Business-Portalen wie Xing oder LinkedIn verstehen?

Cameron: Vermutlich ist das eine individuelle Auslegung. Wir im Team finden alle, dass Xing sowie auch LinkedIn tolle Portale sind, die wir selbst auch aktiv nutzen, doch weisen sie deutliche Unterschiede zu Proudr auf: Während der Nutzer auf den anderen beiden Portalen als Individuum auftritt und sich mühsam ein Netzwerk aufbauen muss, ermöglicht Proudr einen leichteren Weg.

Bei uns ist jeder User direkt mit allen Community-Mitgliedern verbunden und kann jeden persönlich kontaktieren, was ein einmaliges berufliches Netzwerk schafft.

LEAD: Was ist noch anders?

Cameron: Bei Proudr steht der Community-Gedanke stark im Vordergrund. Bisher sind LGBT+ eigentlich nur zusammengekommen, um gegen Diskriminierung zu kämpfen. Mit Proudr wollen wir LGBT+ eine Plattform bieten, auf der sie voneinander lernen und sich austauschen können, wo sie LGBT+ Vorbilder finden oder auch LGBT+-freundliche Jobs und sich natürlich mit anderen LGBT+ vernetzen können.

LEAD: Warum ist dieses Vernetzen so wichtig?

Cameron: Netzwerke sind generell sehr hilfreich im Job und für die Karriere. Ein Drittel aller Jobs werden über Netzwerke vergeben. Für LGBT+ wird Proudr dadurch zu einem weiteren Business-Netzwerk, in dem sie noch mehr berufliche Chancen haben.

LEAD: Sind alle Funktionen kostenlos?

Cameron: Die Standardversion von Proudr wird immer für die User kostenlos sein. Später wird es zusätzlich noch eine Premiumversion geben, mit der man gegen einen Mitgliedsbeitrag zusätzliche Funktionen freischalten kann.

"Auch in meinem privaten Umfeld habe ich Bekannte und Freunde, die ihren Job verloren haben, nachdem sie sich öffentlich geoutet haben." Stuart Cameron

LEAD: Wie finanziert sich Proudr?

Cameron: Durch Partnerschaften. LGBT+-freundliche Arbeitgeber können auf Proudr Stellen schalten, ein Unternehmensprofil haben, ihre LGBT+-Events bei uns listen sowie die Plattform nach potenziellen neuen Mitarbeitern durchsuchen und passende Personen zu einem Vorstellungsgespräch einladen.

LEAD: Gibt es auch klassische Werbung wie beispielsweise bei Facebook und Instagram?

Cameron: Darauf verzichten wir komplett, da diese für die User keinen wirklichen Mehrwert bietet und sie zudem als störend wahrgenommen wird. Daher wird es auch keine Werbebanner bei uns geben.

LEAD: Warum brauchen schwule, lesbische, bisexuelle, transsexuelle und queere Menschen überhaupt eine eigene Business-App? Im Arbeitsumfeld sollte doch die sexuelle Orientierung keinerlei Rolle spielen, oder?

Cameron: Da stimme ich Ihnen zu 100 Prozent zu. Es sollte keinerlei Rolle spielen, doch aktuelle Studien und Statistiken zeigen traurigerweise ein anderes Bild der Realität.

LEAD: Werden LGBT+ im Berufsleben benachteiligt?

Cameron: Ja, leider. Laut der aktuellen OECD-Studie werden Heterosexuelle doppelt so häufig zu Bewerbungsgesprächen eingeladen als LGBT+. Das Einkommen unterscheidet sich ebenfalls und LGBT+-Beschäftigte bekommen 11% weniger die Chance auf eine hohe Führungsposition.

LEAD: Sind Sie persönlich auch schon mit solcher Diskriminierung in Kontakt gekommen?

Cameron: Vor zehn Jahren hat mir ein Unternehmen mit über 4.000 Mitarbeitern gesagt, dass sie meine Idee für die LGBT+-Job- und Karrieremesse STICKS & STONES gut finden, aber dass es für sie nicht interessant sei, da bei Ihnen ja keine Schwuchteln arbeiten würden. Das war eine Aussage, die mich damals doch sehr geschockt hat – aber der ich auch heute noch begegne. Nur das Wort Schwuchtel höre ich im beruflichen Kontext nicht mehr.

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Proudr ist eine All-in-One-Netzwerk-Plattform die sich an LGBT+ Personen und ihre Supporter richtet. (Bild: Proudr)

LEAD: Sind Arbeitgeber in Deutschland in Bezug auf LGBT+ in der Arbeitswelt nicht so tolerant, wie sie es vorgeben zu sein?

Cameron: Ja, das wird in unserer täglichen Arbeit mehr als deutlich. Auch in meinem privaten Umfeld habe ich Bekannte und Freunde, die ihren Job verloren haben, nachdem sie sich öffentlich geoutet haben. Besonders schwer trifft es dabei lesbische Arbeitnehmerinnen.

LEAD: Wie hilft Proudr dabei, Benachteiligungen von LGBT+ aufzuheben?

Cameron: Mit Proudr möchten wir die vorherrschende Kluft zwischen LGBT+ und heterosexuellen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen wieder schließen. Die Social Plattform regt den Austausch an und soll den vermeintlich verloren gegangenen Community-Gedanken stärken. Proudr bietet die Möglichkeit, sich über LGBT+-freundliche Arbeitgeber auszutauschen und mehr über sie zu erfahren. Wir wünschen uns, dass die Mitglieder sich gegenseitig unterstützen und supporten.

LEAD: Sie sind am 25. Mai 2019 an den Start gegangen. Wie wird Ihre Idee bislang aufgenommen?

Cameron: Überraschend positiv! Nach zwei Wochen hatten sich bereits 1.000 Mitglieder registriert. Wir hatten damit erst in zwei Monaten gerechnet. Dennoch gehen wir davon aus, dass es eine Zeit dauern wird, bis die LGBT+-Community die App für sich nutzen wird. Auch werden unsere User die App wahrscheinlich anders nutzen, als wir es planen, aber auch darauf sind wir eingestellt. Wir wollen nah am Proudr-Mitglied sein und so die App weiterentwickeln. Daher setzen wir lieber auf Nachhaltigkeit als auf ein zu schnelles Wachstum.

Die wichtigsten Fakten zu Proudr

Kurz zusammengefasst ist Proudr eine All-in-One-Netzwerk-Plattform die sich an LGBT+ Personen und ihre Supporter richtet. Damit sind heterosexuelle Personen gemeint, die sich für LGBT+ im Arbeitskontext einsetzen. Proudr soll LGBT+ dabei helfen, neue berufliche Kontakte zu knüpfen und (schneller) einen Job zu finden.

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Proudr ist seit dem 25. Mai 2019 in allen gängigen App-Stores kostenlos verfügbar. (Bild: Proudr)

Dafür gibt es bei dem neuen Business & Networking-Portal viele Möglichkeiten, sich und seine Karriere optimal zu präsentieren. Außerdem veröffentlichen LGBT+ freundliche Arbeitgeber dort ihre Stellengesuche. Im Moment sind rund 65 potentielle Arbeitgeber vertreten, darunter das Bundeskriminalamt (BKA), Netflix und Coca Cola.

Proudr ist seit dem 25. Mai 2019 in allen gängigen App-Stores sowie in der Desktop-Version unter www.proudr.com kostenlos verfügbar. Gegründet wurde es vom 39-jährigen Stuart Cameron, der 2009 auch "Sticks and Stones" ins Leben rief, die weltweit einzige Karrieremesse für LGBT+.

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