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Product Engineering Team 170030556 Klein  Fotolia Redpixel
(Bild: Fotolia/Redpixel)
Produktentwicklung Kundenzufriedenheit Digitale Transformation

Das zentrale Element der digitalen Transformation

In Zeiten der digitalen Business Transformation wird alles schneller, agiler und flexibler. Kunden fordern einen schnellstmöglichen Zugang zu neuen Services sowie digitalen Produkten und erwarten eine permanente Verbesserung und Weiterentwicklung des Angebots. Ein zentraler Lösungsbaustein ist dabei 'Product Engineering’, schreibt Boris Terwey von Publicis Sapient.

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Das Besondere am Product Engineering-Ansatz ist, dass Fehler und ein "Trial & Error"-Mindset bewusst in Kauf genommen – und sogar gefördert werden. Dabei geht es nicht darum, eine schlechte Qualität zu liefern, sondern so früh wie möglich den Kunden in den Entwicklungsprozess einzubeziehen.

Ganz im Gegensatz zur guten, alten deutschen Ingenieurskunst werden Produkte nicht mehr bis ins letzte Detail im stillen Kämmerlein geplant, sondern schnellstmöglich mit "Testballons" gestartet. Platzt ein solcher Ballon, dann ist dies kein Scheitern, sondern direktes Lernen mit niedrigen Kosten. Die so gewonnenen Einsichten aus Kunden-Feedbacks und dem analysierten Nutzerverhalten fließen anschießend in die Optimierung und Entwicklung weiterer Funktionalitäten ein.

Somit wird Product Engineering zum zentralen Element der digitalen Business Transformation jedes Unternehmens und stellt sicher, dass der Kunde das tatsächlich gewünschte und für ihn beste Produkt so schnell wie möglich erhält.

Es gibt vier Punkte, auf die Unternehmensentscheider besonders achten sollten, um die notwendigen Prozesse und Strukturen für Product Engineering aufzubauen:

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Nach dem Projekt ist vor dem Projekt

Entscheider sollten sich von dem Gedanken verabschieden, dass ein Produktentwicklungsprojekt nach der Markteinführung abgeschlossen ist. Die Digitalisierung ermöglicht nicht nur ein kontinuierliches Weiterentwickeln von Produkten und Anwendungen, sondern verlangt dies geradezu. Daher ist auch Product Engineering kein Projekt mit einem Start- und Endpunkt.

Vielmehr handelt es sich um einen nie endenden Kreislauf von Entwicklungs-, Test- und Evaluierungsphasen. Dafür benötigt man das richtige Know-how und – vor allem – ein motiviertes und eingespieltes Team. Product Engineering lebt von der Kontinuität, von ständigem Ausprobieren und Verbessern.

Während Projektteams häufig mit "ausgeliehenen" Kollegen besetzt werden, die nach Ende des Projektes zurück in ihre angestammte Abteilung gehen, ist das Produktentwicklungsteam die neue Abteilung.

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Abhängigkeiten im Griff behalten

Ein zentrales Element von agiler Entwicklung und damit von Product Engineering sind autonom agierende Teams. Autonomes Arbeiten ist jedoch oft der Gefahr von Abhängigkeiten zu anderen Projekten, Teams und IT-Systemen ausgesetzt. In der (Projekt-)Vergangenheit sorgten detaillierte Pläne mit Beistellungsterminen sowie umfassende Schnittstellendokumentationen für Klarheit darüber, wer wann was wie zu tun hatte. Für einen agilen Produktentwicklungsprozess ist ein solches "Sicherheitsnetz" aber eher ein Hindernis, da es selbst gesteuerte Teams in ihrer Arbeit behindert.

Es gibt jedoch Abhilfe. Zuallererst müssen Teams mit allen notwendigen Fertigkeiten ausgestattet sein – zum Beispiel mit Spezialisten für Kreation und Programmieren. Weiterhin sollten sie grundsätzlich so aufgebaut werden, dass sie eine Funktionalität Ende-zu-Ende bearbeiten können. Dennoch lassen sich Abhängigkeiten zu anderen Einheiten und anderen IT-Systemen nie ganz verhindern. Hier können etablierte agile Frameworks wie SAFe, Less und Spotify (entwickelt vom gleichnamigen Streaming-Dienst) helfen.

Das gemeinsame Arbeiten benachbarter Teams im Großraumbüro, regelmäßige Abstimmungen zwischen ihnen sowie eine möglichst visuelle Dokumentation der vorhandenen Verflechtungen auf großen Whiteboards sind dabei zentrale Elemente. Bei Abhängigkeiten zu entfernteren IT-Systemen (z.B. Backend-Systeme mit nur wenigen Releases pro Jahr) hilft die Kanalisierung der Schnittstellen in einem dedizierten Interface-Team. Dieses bearbeitet solche Abhängigkeiten stellvertretend für alle anderen und dient so als zentrale Anlaufstelle nach innen.

Mit Transparenz das Management überzeugen

Wir alle lieben Sicherheit – dies gilt insbesondere für die Vorstandsetage. Vor dem Zeitalter der digitalen Transformation sorgten umfassende Pflichtenhefte, detaillierte Projektpläne und wöchentliche Status-Reports für Klarheit und Planbarkeit. Bei einem agilen Product Engineering-Prozess ist dies aber unmöglich. Wie sollen autonom agierende Teams, die in schneller Folge Release auf Release entwickeln, eine solche Dokumentation sicherstellen und welchen Mehrwert hätte diese?

Daher gilt es, das Versprechen von frühzeitig nutzbarer Software so schnell wie möglich einzulösen. Nichts schafft mehr Vertrauen als das schnelle Liefern von echtem Mehrwert. Zusätzlich sorgen automatisierte Reports wie Burn-Down-Charts und die Teilnahme des Managements an regelmäßigen Sprint-Reviews für die notwendige Transparenz.

Das Mindset des Unternehmens muss sich verändern

Product Engineering und die digitale Transformation können im Unternehmen nur erfolgreich sein, wenn sie nicht nur in bestimmten Abteilungen, sondern in der gesamten Organisation umgesetzt werden und die Denk- und Handlungsweise aller Mitarbeiter verändern. Dazu muss das Management aber vorangehen und aktiv mitarbeiten. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich Vorstände in ihren Eckbüros verschanzten.

Heute sollten die Vorteile gemeinsamen Arbeitens sowie agiler Methoden und Tools wie Confluence und Jira gerade auch auf der Vorstandsetage zum Einsatz kommen. Nur so erfährt auch das Management, was es bedeutet, agil zu arbeiten. Es gilt, die neue Arbeitsweise vorzuleben und dafür zu sorgen, dass diese möglichst viele Bereiche eines Unternehmens durchdringt. Nur dann wird echte Business Transformation zur Realität.

Unternehmenslenker, die diese Faktoren berücksichtigen und sich zusätzlich nicht vor den Diskussionen scheuen – die übrigens immer Begleiterscheinungen von Veränderungsprozessen sind – kommen schnell zu ersten Ergebnissen. So machen kluge Entscheider Product Engineering in der digitalen Business Transformation ihres Unternehmens zu einem echten Wettbewerbsvorteil.

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Über den Autor: Boris Terwey ist Vice President und Country Lead DACH von Publicis Sapient.

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