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Den LEAD Podcast kann man über Soundcloud und iTunes abonnieren (Grafik: Uli Kurz)
Podcast How to Tools

How to: Podcast

In der LEAD-Serie "How to" macht euch der Trainer und Journalist Christian Jakubetz fit für den Start in neue Formate und Erzählformen. Im ersten Teil der Reihe geht es um das Thema Podcast.

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Podcasts erleben gerade ein erstaunliches Comeback. Die Idee und die Technologie sind nicht neu, im Gegenteil. Mit den ersten iPods kamen auch die (daher der Name) Pod-Casts. Radio zum Mitnehmen, Radio on Demand sozusagen. Trotzdem blieben Podcasts lange Zeit ein Nischenangebot. Inzwischen jedoch sind sie im Mainstream angekommen. Egal, ob Radiosender oder Hobbyfunker, ob Journalismus oder PR: Es gibt abertausende Angebote. Im Gegensatz zu Videos haben sie ein paar unschlagbare Vorteile: Sie sind deutlich einfacher, schneller und mit weniger Kostenaufwand zu produzieren. Und über verschiedene Wege kommen sie zuverlässig beim Abonnenten und natürlich auch allen anderen potentiellen Hörern an.

Was kostet das?

Am teuersten bei der Podcast-Produktion ist die Hardware. Mit Smartphones, Digital-Rekordern und Mikrofonen kommt man schnell auf einen vierstelligen Betrag. Dafür ist der Rest vergleichsweise günstig: Theoretisch kann man die Software komplett kostenlos bekommen. Aber auch, wenn man sich für etwas aufwendigere Varianten entscheidet, bewegt man sich irgendwo im 100-Euro-Bereich.

Die äußere Form

Im Netz gibt es keine festen Regeln für Längen und Maße. Wer also darauf hofft, jetzt eine Empfehlung für die Länge des idealen Podcasts zu bekommen: sorry, geht nicht. Anders als im Radio darf man aber davon ausgehen, dass der User eben nicht mit einem klaren, vordefinierten Format rechnet. Dass man mit einem 60-Minuten-Format den User mehr fordert als mit 15 Minuten, ist allerdings auch klar.

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☝🏻Tipp: Podcasts werden zumeist mobil genutzt, man sollte also Smartphone-freundliche Längen und Umfänge wählen. Mit einem 200-MB-Podcast macht man sich eher wenige Freunde.

Der Inhalt

Lang vorbei sind die Zeiten, in denen irgendjemand vor einem Mikrofon saß und einfach vor sich hin babbelte. Digitales Werkzeug erlaubt nahezu jede Darstellungsform. Von klassischen gebauten Beiträgen bis zu Debattenrunden mit sechs Teilnehmern. Möglich ist alles, erlaubt auch. Das macht es spannend und schwierig zugleich: Das passende Format muss jeder für sich selbst finden.

Jakubetz empfiehlt: Hörtipps

The Daily (New York Times) 🌐

Gibt es noch gar nicht so lange, ist aber trotzdem schon ein Klassiker: Die „New York Times“ zeigt, wie man mit Podcasts tagesaktuelle Geschichten erzählt. Mit überschaubarem technischen Aufwand, was zeigt: Am Ende sind es immer noch Persönlichkeiten und Geschichten, die den Unterschied machen.

Bilals Weg in den Terror (NDR) 🌐

Eine Podcastserie des NDR und rbb erzählt die Geschichte des jungen Bilal, der mit 14 Jahren in salafistische Kreise gerät. Serielles Storytelling in einem Podcast, großartig gemacht, auch wenn der Podcast (vorerst) nicht mehr fortgesetzt wird.

Lage der Nation (Philip Banse, Ulf Buermeyer) 🌐

Der Shooting-Star unter den Podcasts. Ein Journalist und ein Jurist unterhalten sich über – ja genau, die Lage der Nation. Nicht nur, dass die beiden spannend und unterhaltsam sind, dazu kommt noch ein anderer Beleg: dafür, dass man bei Podcasts keine echten Begrenzungen braucht. LdN geht manchmal in die Nähe der 2-Stunden-Marke.

Rasenfunk (Frank Helmschrott und Max Jacob Ost) 🌐

Du magst Fußball und bist von den ewig gleichen Phrasen und der Hurra-Berichterstattung genervt? Hier kommt echte Abhilfe: Der Rasenfunk-Podcast mit seinen drei Formaten gibt, kein Witz, den Spaß am Fußball zurück!

Universalcast (Jakubetz & Laban) 🌐

Ok, es geht irgendwie um Digitalisierung und um Podcasten und die Tatsache, dass man keine Begrenzungen braucht: Der „Universalcast“, zufällig mein eigener, lädt Menschen mit sehr eigenen Meinungen zu einem Thema ein, das sehr eigene Meinungen gut gebrauchen kann: das Internet im Großen und Ganzen.

Was braucht man dafür?

Podcast-Produktion hat einen unschlagbaren Vorteil: Man erzielt schon mit vergleichsweise geringem Aufwand hörenswerte Ergebnisse. Zumindest, wenn man mit niedrigem Aufwand die technische Ausstattung meint. Und, wie das immer so ist mit der Technik: Nach oben sind kaum Grenzen gesetzt. Wer will, kann für eine gute Grundausstattung schnell mal ein paar tausend Euro investieren.

Für den Einstieg empfiehlt sich eine solche Investition eher nicht. Als Grundausstattung reichen erst einmal:

  • Laptop
  • Mikrofon
  • Schnittprogramm

Das war’s ? Ja. Zumindest dann, wenn man erst einmal nur einen Text einsprechen will und gegebenenfalls noch einen Gesprächspartner dazu holen will. Natürlich stößt man mit einer solchen minimalistischen Ausstattung schnell an Grenzen, aber wer vor allem schnell und einfach produzieren will, der braucht gar nicht mehr. Musik, Intros, Outros? Machen sich gut. Kann man kosten- und lizenzfrei auf etlichen Seiten im Netz bekommen. Ein gutes Angebot gibt es dafür übrigens auch bei YouTube.

Mikrofone und Aufnahmegeräte

Wenn es ein bisschen mehr und besser sein soll: Mikrofone beispielsweise gibt es für die verschiedensten Anlässe und Situationen. Je mehr man davon hat, desto besser. Und natürlich ist ein Mikro nicht gleich ein Mikro. Es gibt sehr einfache Modelle in der 20-Euro-Klasse. Aber man kann auch mühelos das Zehnfache ausgeben. Der Unterschied ist hörbar.

Inzwischen gibt es für Smartphones eine ganze Reihe von Mikrofonen. Die meisten davon lassen sich über den klassischen Klinkenanschluss verwenden. iPhones und mittlerweile auch andere neue Smartphones haben diesen Anschluss nicht mehr. Dafür gibt es wahlweise Adapter oder aber Mikros, die bereits einen speziellen Anschluss haben (beispielsweise einen Lightning-Stecker für das iPhone).

Nichts spricht auch gegen digitale Aufnahmegeräte. Vor allem mit Geräten der gehobenen Preisklasse (ab ca. 300 Euro) lassen sich Ergebnisse erzielen, die nahe an der Studio-Qualität liegen. Inzwischen sind die auch so kompakt, dass sie sich mühelos auch auf Termine und Veranstaltungen mitnehmen lassen.

☝🏻Tipp: Am Mikro nicht sparen. Der Unterschied zwischen einem Hobby-Mikro und einem für professionelle Ansprüche ist auch für Laien schnell rauszuhören. Ein günstiges Mikro lässt den gesamten Podcast schnell billig wirken.

Software für Rechner und Smartphone

Rohmaterial muss in den allermeisten Fällen verarbeitet werden, das hat sich auch im digitalen Zeitalter nicht geändert. Und wie mit allem, was mit digitalen Inhalten zu tun hat: Software dafür gibt es inzwischen in erstaunlich großer Auswahl. Ähnlich wie bei der Hardware gilt: von kostenlos bis teuer, von simpel bis komplex, es gibt nahezu alles. Das Schwierige ist also eher, das Richtige für die eigenen Ansprüche zu finden. Für Einsteiger und Kostenbewusste ist die Freeware „Audacity“ auch nach vielen Jahren sehr empfehlenswert. Für normale Ansprüche an eine Podcast-Produktion reicht Audacity völlig aus.

Wer mit Smartphone und Mikro arbeitet, kann zwar theoretisch einfach mit der Sprachmemo-Funktion seines Handys aufnehmen. Aber auch dafür gibt es inzwischen eine ganze Reihe guter bis professioneller Apps. Mit einer App wie dem „Hindenburg Field Recorder“ (iOS) ließe sich theoretisch sogar ein ganzer Podcast auf dem Handy produzieren. Ob man das will, steht auf einem anderen Blatt.

☝🏻Tipp: Im Gegensatz zu Mikrofonen hört man Ihrem Podcast nicht an, mit welchem Programm er produziert wurden. Speziell Einsteiger sollten also vor allem darauf achten, dass die Software möglichst überschaubar gestaltet ist. Je mehr Funktionen sie hat, desto komplexer wird es.

Podcasts mit Gästen

Klar, das einfachste ist: Man sitzt sich einem oder mehreren Gästen in einem Raum gegenüber und zeichnet ein Gespräch mit Smartphone oder Aufnahmegerät auf. Aber was, wenn der Gast sonst wo sitzt? Auch dafür gibt es mittlerweile sehr gute Lösungen. Besonders empfehlenswert: Zencastr. Mit Zencastr lassen sich Gespräche und O-Töne aufzeichnen, ohne dabei eine weitere App wiebeispielsweise Skype zwischenschalten zu müssen.Vorausgesetzt, man hat stabiles Netz, kommt man mit Zencastr zu deutlich besseren Ergebnissen als beispielsweise mit Skype. Glasklare Aufnahmen, die sich mehr danach anhören, dass sich alle in einem Raum befinden – und nicht nach Telefongespräch (meistens zumindest).

Grundsätzlich ist die Nutzung kostenlos. Nur, wenn man sich einen Podcast von der Software postproduzieren lassen will, fallen Kosten an. Sie staffeln sich nach Länge.

Den Podcast unter die User bringen

Irgendwann mal ist es dann soweit: Man hat seinen Podcast fertig – jetzt muss ihn nur noch jemand hören. Und wie immer im Netz: Es gibt eine ganze Reihe von Ausspielwegen. Die Qual der Wahl lässt sich in diesem Fall aber wenigstens ein bisschen erleichtern: Mit iTunes und Soundcloud gibt es schon mal zwei bekannte Kanäle, die man als gesetzt betrachten darf. Um bei iTunes ausspielen zu können, benötigt man eine Apple-ID und einen Account bei iTunesConnect. Bei Soundcloud empfiehlt sich mittelfristig ein Pro-Account, weil in der Kostenlos-Variante der Speicherplatz dann doch etwas arg reglementiert ist. Daneben bieten Dienste wie beispielsweise podcaster.de als Hosts die Möglichkeit, von dort aus noch zahlreiche andere Plattformen zu erreichen.

Luxus, den man sich leisten können muss

Solange man einen einigermaßen ruhigen Hintergrund hat, kann man Podcasts theoretisch überall aufnehmen. Wer richtig professionell arbeiten will, leistet sich eine kleine Sprecherkabine. Da ist man aber schnell mal mit 5000 Euro dabei. Lohnt sich also nur dann, wenn man sehr viel und sehr professionell produzieren will.

Jakubetz empfiehlt: Technik

Mikrofone/Recorder

Eine kleine Macke von mir: Ich habe eine Ansammlung von Mikrofonen, damit ich wirklich in (fast) allen Situationen vorbereitet bin.

Interviews: Mache ich am liebsten mit meinem iRig Multimedia (ca. 120 Euro). Klassisches Handheld-Mikro, wird geliefert wird USB- und Lightning-Kabel. Man kommt dabei auch in einem sehr lauten Umfeld auf verblüffend gute Ergebnisse. Dieses Gespräch mit Dirk von Gehlen beispielsweise wurde mitten auf der re:publica aufgenommen. Die Hintergrundgeräusche sind souverän runtergepegelt. Wer einmal auf der re:publica oder einer anderen Konferenz mit tausenden Besuchern war, kann einschätzen, was das bedeutet.

Als eine Art „Point&Shoot“-Mikro verwende ich wahlweise das Zoom iq7 oder das Shure MV 88. Beide werden einfach via Lightning-Anschluss an das iPhone angedockt. Das Zoom ist aus meiner Sicht etwas variabler einsetzbar, dafür mag ich den Sound des Shure etwas lieber. Geschmackssache eben. Preislich ist das Zoom mit knapp 100 Euro etwas günstiger, das Shure kommt auf rund 135 Euro.

Allerdings: Verwendet man solche Mikros, sollte man sich für sein Handy in Stativ o.ä. suchen. Weil Griffgeräusche am Handy die Aufnahme unangenehm stören können.

Zuhause nehme ich meine eigenen Spuren (beispielsweise Anmoderationen) am liebsten mit einem Rode NTUSB auf (ca. 135 Euro). In dieser Preisklasse kaum zu schlagen. Und vor allem: denkbar einfach zu handhaben. Tischständer und Popschutz sind inklusive.

Trotzdem: Ich habe auch noch einen Digital-Recorder, obwohl ich den angesichts der gerade beschriebenen Mikros und meinem iPhone gar nicht bräuchte. Mein Zoom H4N ist ein wunderbarer Allrounder, den ich mit ein bisschen Zubehör auch noch an meine DLSR anschließen kann (dazu dann in der Videofolge etwas mehr). Und mit rund 190 Euro sein Geld auch echt wert.

Software

Software ist noch mehr Geschmackssache als alles andere. Bei Schnittprogrammen beispielsweise ist das wie bei teuren Autos: In Ausstattung und Technik sind sie sich ziemlich ähnlich, man nimmt halt, was einem gefällt. Ich bevorzuge für den Audio-Schnitt Adobe Audition (Abo-Modell bei Adobe Creative Cloud), was aber sicher damit zu tun hat, dass ich auch den Rest meiner Multimedia-Sachen mit Adobe mache. Da lassen sich dann Dateien prima verschieben und auch in anderen Programmen verwenden. Ich habe auch noch eine Audacity-Installation auf dem Rechner – und denke mir jedes Mal, dass man den Unterschied zwischen den beiden Programmen bestenfalls dann merken würde, wenn man ausgefeilte Radio-Produktionen machen würde.

Talks mit Gästen mache ich – wie auch im Text beschrieben – nur noch mit Zencastr. Ich habe einfach noch keine bessere, einfacher zu handhabende und ausgefeiltere Lösung entdeckt, auch wenn Zencastr natürlich auch seine Schwächen hat.

Wenn man sehr weit gehen will, bietet man auch noch eine schriftliche Version seines Podcasts an. Allerdings: Verschriftlichung von Interviews, das gehört zu der Sorte Jobs, die man nicht wirklich gerne macht. Die Software Trint (trint.com) ist da wirklich sehr hilfreich und erzielt ebenfalls schon ganz gute Ergebnisse. Bezahlt wird nach verbrauchten Minuten.

Jakubetz
Christian Jakubetz (Foto: Heike Rost)




Christian Jakubetz ist Journalist, Berater (Jakubetz&Laban) und Dozent.

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