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Bacharach1600
(Bild: Frank Zimmer)
Blogger Social Media Content Marketing

Von der Idee zum Blog-Launch in zwei Wochen

Du hast die Domain, und du hast ein Konzept. Aber wie bringst du es auf dier Straße? Bei Frank Zimmer klappte das schneller als gedacht. In Teil 2 der Serie "Plötzlich Blogger" erzählt er, wie es passierte.

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Sobald du begriffen hast, dass es bei deinem Blog-Projekt nicht um dich geht, sondern um deine Leser, funktioniert alles andere fast wie von selbst. Für diese Erkenntnis hatte ich ziemlich lange gebraucht. Zwischen der Anmeldung meiner Domain mittelrheingold.de und dem ersten Text liegen zwei Jahre und mehrere Rechnungen für das inaktive Paket "WebPower Starter". Aber Anfang Januar wusste ich endlich, was ich wollte: Etwas anbieten, was es noch nicht gab und was meine Leser brauchen würden, eine Übersicht über alle relevanten News und Themen rund um das sogenannte "Unesco Welterbe Oberes Mittelrheintal." Die Region also, in der sie lebten, mit der sie sich identizierten, die aber noch nie ein gemeinsames Medium besessen hatte, weil Fluß und Verwaltunsgrenzen schon immer Grenzen bildeten. Es würde ein Blog jenseits meiner Fachmedien-Filterblase sein, aber genau darauf war ich neugierig.

Das Genre "kuratierte Newsletter"

Ich bin seit vielen Jahren ein großer Fan gut kuratierter Newsletter. Konservative Medienleute blicken auf dieses Genre manchmal herab. Da werde ja nur "abgeschrieben" und das seien ja "keine eigenen redaktionellen Inhalte". Ich sehe das anders. Abgesehen davon, dass klassischer Journalismus schon immer kuratiert hat (zum Beispiel aus Pressemitteilungen per Telefax): Wenn mir jemand einen Überblick über ein bestimmtes Thema garantiert, Relevantes für mich herausfiltert und idealerweise auch noch mit einer kurze Einordnung präsentiert, dann ist das vielleicht nicht die Aufdeckung des Watergate-Skandals, aber ein wertvolles und vor allen Dingen nützliches Medienangebot.

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Ich wollte kuratieren. Natürlich nicht per Newsletter, denn ich hatte ja keine Adressen. Meine News-Übersicht sollte auf einer Website erscheinen. Als Admin einer regionalen Facebook-Gruppe hatte ich schon gelernt, dass am Mittelrhein praktisch alles über dieses eine soziale Netzwerk läuft. Ich brauchte also eine eigene Plattform, deren Inhalte ich auf Facebook streuen würde. Wie das geht, wusste ich ja aus meinem Job.

Je schwieriger der Zugang der Leser, desto wichtiger der Kurator

Als erstes verschaffte ich mit einen Überblick über mögliche Nachrichtenquellen. Ich legte mir einen RSS-Feed und einige Google Alerts an. Besonders wichtig würden die Regionalzeitungen sein. Für mich sind drei Zeitungstitel aus zwei unterschiedlichen Verlagen mit insgesamt fünf Lokalausgaben relevant. Alle haben Bezahlschranken eingeführt. Das macht es nicht einfacher, aber darin steckt auch eine Chance: Je schwieriger der Zugang für die Leser vor Ort, umso wichtiger der Job des Kurators. Ich abonnierte zwei Online-Ausgaben mit insgesamt vier Lokalteilen für den Gesamtpreis von etwa zweieinhalb Netflix-Abos. Ob ich die Kosten von der Steuer absetzen kann, weiß ich noch nicht, aber ich werde es versuchen.

Ich hätte sogar noch den dritten Zeitungstitel dazugenommen, aber der entsprechende RSS-Feed ist derart fehlerhaft, dass ich dafür nicht zahlen möchte. Das Metered Modell (fünf kostenfreie Artikel pro Monat) lässt sich umgehen, indem man speziell für dieses Zeitungsportal einen Browser mit entsprechender Cookie-Einstellung verwendet. Ich gönne jedem Medium seine Paid-Content-Erlöse und lehne Adblocker ab, aber wer es dem Nutzer so schwer und dem Sparer so einfach macht, darf sich nicht wundern.

Überhaupt, die Zeitungen: Ich hatte keine Ahnung, wie sie auf so ein Blog reagieren würden. Man weiß ja, wie schwer es klassische Tageszeitungen in der digitalen Äa haben. Ich dachte mir: Das letzte, was die in ihrem schrumpfenden Markt gebrauchen können, ist ein Typ, der 450 Kilometer entfernt in München auf dem Sofa sitzt und sich die Rosinen rauspickt, während ihre hart arbeitenden Lokalredakteure die undankbare Chronistenpflicht übernehmen. Andererseits ist es ihr Job, und im Gegensatz zu mir werden sie für ihre Mittelrhein-Arbeit bezahlt. Mit ihnen konkurrieren konnte und wollte ich sowieso nicht. Ich muss selektieren und die aus meiner Sicht weniger wichtigen Themen aussortieren, sonst würde ich es allein schon zeitlich nicht schaffen.

Das "Perlentaucher-Urteil"

Speziell vor der in Koblenz erscheinende "Rhein-Zeitung" mit ihrem knallharten Paid-Content-Modell hatte ich einen gewissen Respekt. Sie würde kaum jubeln, wenn jemand die Inhalte iher Artikel zusammenfasst und kostenfrei auf seinem Blog veröffentlicht. Ich war zwar ziemlich sicher, das das alles legal und legitim ist, weil schon die Zusammenfassung von Inhalten eine eigenständige redaktionelle Leistung darstellt. Aber kurz nachdem ich live gegangen war, erkundigte ich mich für alle Fälle bei einer Rechtsanwältin des Bayerischen Journalistenverbandes. Ihre Reaktion war großartig. Sie bestätigte mir nicht nur, dass alles im grünen Bereich sei, sondern sagte nach einem professionellen Kurzvortrag über das im Juristenkreisen berühmte "Perlentaucher-Urteil" am Schluss des Telefonats: "Ich hab mir Ihre Seite jetzt ja angeschaut. Wie schön! Was für eine wunderbare Gegend, dieses Mittelrheintal! Da war ich ja noch nie!"

Ich freue mich darüber, dass ich mit einigen der Kollegen aus den Lokalredaktionen mittlerweile auf Facebook verbunden bin. Einen kenne ich bereits persönlich, eine andere treffe ich bei meinem nächsten Mittelrhein-Besuch zum Kaffee. Es ist schöner, Respekt vor ihnen und ihrer Arbeit zu haben als vor ihren Anwälten.

Wie groß ist eigentlich meine Zielgruppe?

Als Nächstes versuchte ich, wenigstens ganz grob die Zielgruppe zu quantifizieren. Ich addierte Einwohnerzahlen der einzelnen Kommunen, die ich auf den entsprechenden Wikipedia-Seiten fand und kam grob auf 100.000 Menschen. Natürlich würde allein schon aus Alters- und anderen Gründen (Baby/Kleinkind/Internetverweigerer) nur ein Teil der Menschen meinen Blog lesen können. Anderseits rechnete ich mit auswärtigen Mittelrhein-Fans. So einer war ich ja selbst. Die Zahl 100.000 ist wirklich nur ein sehr grober Anhaltspunkt, zumal sich mein Zielgebiet nicht exakt mit dem Welterbe-Areal der Unesco deckt. Die Stadt Koblenz am Ende des Rheintals klammerte ich zum Beispiel von Anfang an aus. Ich kenne Koblenz zu wenig und weiß nicht, wie die Leute dort ticken. Um das zu ändern, müsste ich Zeit investieren, die ich nicht habe. Aber es ist nie verkehrt, eine Art Reichweiten-Reserve zu haben, die man bei Bedarf angehen könnte.

Nach zwei Wochen hatte ich alles beisammen. Aber es gab für mich keine Eile zu starten. Ich hatte über zwei Jahre gewartet, da würde es auf zwei weitere Wochen oder sogar Monate nicht drauf ankommen. Außerdem musste ich ja noch die technische Frage lösen, also den Blog anlegen.

"Nur mal kurz gucken" gibt's nicht

Für meine eigene Website frankzimmer.de nutzte ich schon seit Jahren Wordpress. Ich mag das System, es ist einfach und vielseitig zugleich. Sicher gibt es noch jede Menge anderer guter Blog- und Redaktionssysteme, aber für mich passt Wordpress. Darum sollte es auch für Mittelrheingold Wordpress sein. Ich rechnete mit einer längeren Phase des Ausprobierens. Erfahrungsgemäß kann sich allein die Design-Entscheidung, also die Auswahl eines Wordpress-"Themes", länger hinziehen. Man will ja nichts überstützen.

Eines Abends setzte ich mich zu Hause hin, um das leidige "Theme"-Thema anzugehen. Ich wollte "nur mal gucken, wie so ein Blog eigentlich aussehen würde". Im Nachhinein war das ungefähr so naiv wie unser Besuch bei einem Cockerpoo-Züchter im Allgäu, wo meine Frau und die Kinder "nur mal die Hundewelpen angucken wollten".

Wie ich den Blog-Launch kommuniziere? Gar nicht!

Ich fand nämlich auf Anhieb das für mich richtige Wordpress-Theme: Lovecraft, entworfen vom schwedischen Designer Anders Norén. "Lovecraft" war quasi Liebe auf den ersten Blick. Die Kombination aus großformatigem Bild, schlichter Struktur und klassisch anmutender Typografie schien perfekt. Modern und klar, mit einem Tick Retro: Genau so sollte Mittelrheingold sein. Ich lud "Lovecraft" (kostenfrei) herunter, ging meine neuen RSS-Feeds durch und fing an, den ersten Artikel anzulegen. Noch am selben Abend, nach nur wenigen Stunden, war alles fertig.

Es konnte losgehen. Die Frage war, wie ich es kommunizieren würde: mit viel Brimbaborium oder eher beiläufig? Ich entschied mich für die dritte Variante. Gar nicht. Am Anfang wollte ich eine Woche lang täglich publizieren, ohne es jemanden zu sagen. Um ein Gefühl dafür zu entwickeln, um den tatsächlichen Aufwand abzuschätzen und um herauszufinden, ob es mir überhaupt passte.

Morgen lest ihr

Die Macht am Rhein - Facebook ist alles. Oder?

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